-- Flugzeughersteller profitiert von neuem Antrieb für A320
-- Auslieferungen erreichen ebenfalls Redkordniveau
-- Entwicklungsprogramme schreiten gut voran
-- Profitabilität soll im laufenden Jahr steigen
(NEU: Vorstandsaussagen)
Von Kirsten Bienk
DOW JONES NEWSWIRES
HAMBURG (Dow Jones)--Ein neuer treibstoffsparender Motor und steigende Passagierzahlen haben dem europäischen Flugzeughersteller Airbus im abgelaufenen Jahr so viele Bestellungen wie noch nie beschert. Auch die Auslieferungen stiegen auf einen neuen Höchststand. Im laufenden Jahr wird sich das Blatt jedoch wenden. Airlines und Leasinggesellschaften werden nach dem Boom und wegen der Konjunkturabschwächung wesentlich weniger Flugzeuge in Auftrag geben. Dafür erhalten sie aber mehr Maschinen als im Vorjahr.
Dies soll sich für den Flugzeughersteller rechnen. Die Maschinen, die 2012 ausgeliefert werden, seien zu Preisen oberhalb des gegenwärtigen Niveaus bestellt worden, teilte Airbus mit. Außerdem werde das Unternehmen von Kosteneinsparungen profitieren. So sind die großen Probleme bei der Herstellung des Großraumflugzeugs A380 und des Militärtransporters A400M endlich reduziert worden, Airbus verbrennt deshalb mit diesen Projekten weniger Geld als bisher.
Der Erfolg von Airbus soll auch auf die Mutter EADS durchschlagen. Da Airbus die größte EADS-Sparte ist, prognostiziert deren Vorstandsvorsitzender Louis Gallois eine "signifikante" Verbesserung der Gewinns. "Unser Unternehmen wird abheben", sagte der Manager.
Gallois selbst wird diesen geplanten Erfolg im kommenden Jahr kaum mehr selbst verkünden. Er soll seine Position Mitte des Jahres an einen anderen übergeben. Es wird erwartet, dass der gegenwärtige Airbus-Vorstandsvorsitzende Tom Enders Nachfolger von Gallois wird. Die Anteilseigner des europäischen Konzerns haben sich aber auf dessen Wahl noch nicht geeinigt. Medienberichten zufolge hat vor allem der französische Staat als einer der Großaktionäre noch Gesprächsbedarf.
Viel Zeit für Diskussionen bleibt allerdings nicht mehr. Bis Ende April muss der Verwaltungsrat die Personalfragen klären, damit diese von der Hauptversammlung abgesegnet werden können. Airbus-Vorstandsvorsitzender Tom Enders zeigt sich trotz der langanhaltenden Diskussion um seine Person aber gelassen. "Ich scharre nicht mit den Füßen, um EADS-CEO zu werden", sagte er anlässlich der Neujahrs-Pressekonferenz des Unternehmens in Hamburg. Schließlich sei es nicht das Schlimmste, Airbus-Vorstandsvorsitzender zu sein. Ob er bei seiner Nichternennung zum EADS-Chefmanager allerdings dem Konzern treu bleibt, wollte er nicht versprechen.
Gallois warb indes für Verständnis für den Zeitverzug bei den Personalentscheidungen. Er wünsche sich zwar eine schnelle Entscheidung über die neu zu besetzenden Positionen im EADS-Verwaltungsrat und an der Spitze von EADS und Airbus. Es bringe aber nichts, hier Druck auf die Entscheidungsträger auszuüben, sagte er. Das würde nur die Stimmung vergiften.
Gallois und Enders forderten erneut den weiteren Rückzug der staatlichen Großaktionäre. Es gebe keinen Grund, warum der Luft- und Raumfahrtkonzern teilweise in Staatsbesitz sein muss, sagte Gallois. Der neue Vorstandsvorsitzende werde sich auf jeden Fall mit diesem Thema sehr intensiv zu beschäftigen haben. Beide Manager betonten aber, dass sich die Personaldebatte nicht negativ auf das operative Geschäft auswirkt.
Mit Blick auf das abgelaufene Jahr zeigten sich die Manager zufrieden. Verkaufsschlager des Jahres 2011 war bei Airbus die im Vorjahr eingeführte A320neo, die 15 Prozent weniger Sprit verbrauchen soll als die herkömmliche A320. Insgesamt 1.226 Bestellungen gingen für dieses neue Modell ein. Alle kommerziellen Flugzeugprogramme zusammen gerechnet erhielt Airbus 1.608 (644) Bestellungen. Abbestellungen eingerechnet verblieben 1.419 (574) Order. Demgegenüber standen 534 (510) Auslieferungen, womit die eigene Zielsetzung von 520 bis 530 Übergaben knapp übertroffen wurde.
Im laufenden Jahr will Airbus dank der Steigerung der Produktion rund 570 kommerzielle Maschinen ausliefern. Vor allem von der A320 sollen mehr Maschinen als gegenwärtig produziert werden. Die Neubestellungen sieht Vorstandsvorsitzender Tom Enders derzeit insgesamt zwischen 600 und 650 Einheiten brutto.
Der Bestellmarathon 2011 hat zu einem Anstieg des Auftragsbestands geführt. Er stellte sich auf 4.437 (3.552) Maschinen und hat nach Listenpreisen einen Gesamtwert von mehr als 588 Milliarden US-Dollar, gut 100 Milliarden Dollar mehr als im Jahr zuvor. Damit kann Airbus die Produktion für 7 bis 8 Jahre auslasten. Bislang waren es nur 6 Jahre.
Vollkommen glücklich über dieses dicke Auftragspolster ist das Management aber nicht, vor allem auch da die Kunden ihre Maschinen früher als zugesagt geliefert bekommen wollen. Ein Ausbau der Produktionskapazität über die bisherige Planung hinaus scheitert derzeit allerdings an Engpässen bei den Zulieferern, wie Chefverkäufer John Leahy bei der Präsentation der Zahlen in Hamburg sagte.
Mit den hohen Bruttoauftragseingängen schaffte Airbus 2011 einen Marktanteil von 64 Prozent und übertraf das eigene Ziel von 40 bis 60 Prozent. Für den Wettbewerber Boeing blieben somit nur 36 Prozent übrig. Aber schon im laufenden Jahr soll sich das Verhältnis wieder angleichen und bei 50 zu 50 Prozent liegen, denn der Mitbewerber aus den USA wird mit seinen neu motorisierten Fliegern punkten können. Im abgelaufenen Jahr holte Boeing 805 Aufträge herein.
- Von Kirsten Bienk,
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January 17, 2012 09:06 ET (14:06 GMT)
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