DAX6.050-3,4%  Dow12.119-2,2%  Euro1,24320,6% 
ESt502.069-2,4%  Nas2.748-2,8%  Öl98,82-2,8% 
TDax730,9-2,7%  Nikkei8.440-1,2%  Gold1.6264,2% 

09.02.2012 14:37

Senden

UPDATE: Bank of England öffnet wieder die Geldschleusen


--Kaufprogramm wird um 50 Milliarden Pfund aufgestockt --Leitzins bleibt unverändert --Volkswirte rechnen mit weiteren Aufstockungen

(NEU: Kommentare von Volkswirten)

Von Andreas Plecko DOW JONES NEWSWIRES LONDON/FRANKFURT (Dow Jones)--Die Bank of England (BoE) öffnet angesichts der Wirtschaftsflaute in Großbritannien wieder ihre Geldschleusen. Um den stotternden Konjunkturmotor anzukurbeln, beschlossen die Währungshüter, das zuletzt im Oktober 2011 erhöhte Zielvolumen des Wertpapierportfolios erneut um 50 Milliarden Britische Pfund auf 325 Milliarden Pfund aufzustocken. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten eine Ausweitung in dieser Höhe erwartet. Der Leitzins wurde wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,50 Prozent belassen.

   Zur Begründung erklärte die BoE, die Auslandsnachfrage in den wichtigsten Exportmärkten Großbritanniens habe sich zuletzt schwächer entwickelt, zudem hielten die Sorgen über die Schuldenkrise und die Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Länder an. Nach dem jüngsten Rückgang des Inflationsdrucks in Großbritannien erwarten die Geldpolitiker, dass der Preisauftrieb in diesem Jahr weiter stark fallen und mittelfristig unter das Inflationsziel von 2,0 Prozent sinken wird.

   "Die strikte Kreditvergabe und die Sparpolitik bilden zusammen einen starken Gegenwind", analysierte die Notenbank. "Der daraus resultierende schwache Ausblick für die Wirtschaft bedeutet, dass die beträchtlichen Kapazitätsreserven in der Wirtschaft wahrscheinlich anhalten werden.

   Im Oktober 2011 war das Kaufprogramm um 75 Milliarden Pfund erhöht worden. Die britische Wirtschaft wird derzeit von drei Seiten in die Zange genommen: Zum einen bremst die scharfe Sparpolitik der konservativen Regierung das Wachstum, zum anderen verunsichert die ungelöste Schuldenkrise auf dem europäischen Festland die Bürger und die Unternehmer. Darüber hinaus stöhnen die privaten Haushalte unter einem immensen Schuldenberg, der hauptsächlich im Zuge der Immobilienblase aufgebaut wurde.

   Als einziger Retter in der Not bleibt in dieser Lage die Zentralbank, die mit einer extrem lockeren Geldpolitik die Wirtschaft wieder auf Touren bringen kann. Da der Leitzins mit 0,50 Prozent schon fast bei null liegt, kann das nur über eine quantitative Lockerung geschehen.

   "Obwohl es erste Zeichen für eine Stabilisierung der Wirtschaft gibt, bleibt der Ausblick höchst unsicher", sagte Ian McCafferty, Chefökonom der Britischen Industrievereinigung. "Diese neue Runde der quantitativen Lockerung sollte helfen, das Vertrauen zu befestigen, wenngleich auf kurze Sicht die Anreizwirkung auf das Wachstum begrenzt bleiben dürfte."

   Trotz der abermaligen Ausweitung erwarten viele Beobachter, dass dies noch nicht das Ende sein wird. Bis das jetzt beschlossene Kaufprogramm abgewickelt ist, dürften nach Angaben der BoE drei Monate vergehen, doch Ökonomen sinnieren schon jetzt darüber nach, wie groß das Volumen des Kaufprogramms letztlich sein müsse, um der britischen Wirtschaft wieder zu einem selbsttragenden Wachstum zu verhelfen.

   Viele Experten erwarten derzeit, dass die BoE im Mai eine weitere Aufstockung des Kaufprogramms um 50 Milliarden auf dann 375 Milliarden Pfund beschließen und danach erstmal eine Pause einlegen wird, um die Auswirkungen zu analysieren. Sollte die britische Wirtschaft dann aber immer noch nicht anspringen, wird auch eine Ausweitung des Zielvolumens auf 400 oder sogar 600 Milliarden Pfund für möglich gehalten.

   Barclays-Capital-Ökonom Simon Hayes erhofft sich von dem am nächsten Mittwoch anstehenden Inflationsbericht ein klareres Bild des geldpolitischen Kurses, den die BoE in den nächsten Monaten steuern wird. "Wir vermuten jedoch, dass die Aussagen sehr vage bleiben werden", schränkte der Experte ein. Ob die Währungshüter im Mai wirklich erneut den Geldhahn aufdrehen werden, dürfte wesentlich von den Wirtschaftsdaten abhängen, die bis dahin eintreffen.

-Von Andreas Plecko, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725 300, konjunktur.de@dowjones.com DJG/apo/chg/hab (END) Dow Jones Newswires

   February 09, 2012 08:07 ET (13:07 GMT)

   Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 08 07 AM EST 02-09-12

Kommentare zu diesem Artikel

Geben Sie jetzt einen Kommentar zu diesem Artikel ab.
 Kommentar hinzufügen 

ANZEIGE

ANZEIGE

Was halten Sie von nutzergenerierten Chartanalysen auf finanzen.net?
Ich würde liebend gerne mein Wissen über Chartanalyse dem Publikum von finanzen.net zur Verfügung stellen.
Ich kenne mich bei Chartanalyse nicht so gut aus, halte nutzergenerierte Chartanalysen aber für einen echten Mehrwert.
Ich halte nichts von den Methoden der Chartanalyse und habe deshalb auch kein Interesse an nutzergenerierten Analysen.
 Abstimmen