--Bankensektor in Europa unter Druck
--Nach Verlust der Bestnote Frankreichs droht französischen Banken die Abstufung
--Griechischen Banken droht neue Kapitallücke in Milliardenhöhe
(Durchgehend neu)
Von Noemie Bisserbe
THE WALL STREET JOURNAL
PARIS (Dow Jones)--Mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs durch Standard & Poor's (S&P) droht den Banken des Landes das gleiche Schicksal. Aber auch die Institute anderer Länder müssen fürchten, eine schlechtere Bonität bescheinigt zu bekommen. Diese Entwicklung kommt zu einem für den Bankensektor in Europa unglücklichen Zeitpunkt: Bis Juni müssen die Institute ihre Kapitallücken schließen. Das könnte nun schwieriger werden als gedacht.
Frankreichs Banken kämpfen seit Monaten mit sich verschlechternden wirtschaftlichen Bedingungen, ihre Aktienkurse sind seit Beginn des Sommers massiv eingebrochen. Investoren sorgen sich um das Engagement der Banken in Staatsanleihen der krisengeschüttelten Randstaaten Europas.
Mit umfangreichen Restrukturierungsplänen versuchen die drei größten Institute Frankreichs - BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole - die nervösen Anleger zu beruhigen und ihre Kapitalpuffer zu stärken. Dennoch sind die Banken Wackelkandidaten: Seit Dezember stehen sie bei S&P zusammen mit anderen Banken der Eurozone auf der Beobachtungsliste für eine Abstufung.
Marktteilnehmer in Frankreich bleiben dennoch entspannt. Zwar werde den Banken die Aufnahme auf dem Geldmarkt erschwert, "katastrophal" werde die Lage aber nicht, meint Pierre Flabbee, Analyst bei Kepler Capital. "Die Märkte hatten Frankreich bereits abgestuft", sagte er. "Es ist offensichtlich, dass die Märkte die Änderung des Ratings größtenteils erwartet haben."
Moody's hatte im Dezember bereits den Daumen über die drei französischen Institute gesenkt. Die Ratingagentur hatte dies mit einer geringeren systemischen Unterstützung und einer deutlichen Verschlechterung der Liquiditäts- und Finanzierungsbedingungen begründet. Auch Fitch hatte die Bonitätsnoten für BNP und Credit Agricole heruntergesetzt und dies mit einem "härteren Gegenwind in der Bankenbranche" begründet. Eine weitere Abstufung könnte den Banken die Finanzierung zusätzlich erschweren. "Sie werden sich dann vermutlich verstärkt an die Europäische Zentralbank wenden", schätzt Jon Peace, ein Analyst bei Nomura Equity Research.
Die Finanzierung der Banken ist derzeit ein heikles Thema in Europa. Die Geldhäuser der Eurozone müssen aufgrund neuer Kernkapitalanforderungen der europäischen Bankenaufsicht noch zusätzliche Mittel aufbringen. Bis Juni müssen alle Banken mindestens eine Kernkapitalquote von 9 Prozent erreichen.
In Italien war es die UniCredit SpA, die als erste den Gang an die Kapitalmärkte wagte. Doch trotz großer Zugeständnisse verlief die Kapitalerhöhung nur schleppend. Was folgte, war ein starker Kursverfall bei den Aktien der größten italienischen Bank.
Das schlechte Beispiel UniCredit könnte nun Schule machen. Moody's rechnet mit einer negativen Ausstrahlung auf die Kapitalsuche anderer Banken in Europa. Der deutliche Kursabschlag bei der Ausgabe neuer UniCredit-Aktien und der darauf folgende Kursrutsch würden künftige Kapitalerhöhungen für Banken und Investoren unattraktiv machen. "Ohne Kapitalerhöhung haben Banken nur beschränkte Möglichkeiten, neues Kapital einzusammeln," geben die Analysten der Agentur zu bedenken.
Regelrecht desolat scheint die Lage im Krisenherd Griechenland zu sein. Wie verschiedene Medien unter Berufung auf eine Studie der Beratungsfirma Blackrock Solutions berichten, kämpfen die angeschlagenen griechischen Banken derzeit mit einer neuen Kapitallücke in Milliardenhöhe. Die Geldhäuser dürften demnach bis zu 15 Milliarden Euro zusätzlich benötigen, um Rückstellungen für notleidende Kredite zu bilden. Die Mittel würden benötigt, um die Kapitalrichtlinien der griechischen Zentralbank zu erfüllen.
Blackrock hatte die Banken in den vergangenen vier Wochen umfangreich analysiert. Die griechische Zentralbank hatte die Studie in Zusammenarbeit mit internationalen Gläubigern in Auftrag gegeben und die Ergebnisse Ende vergangener Woche erhalten. Davon erhofften sich beide Seiten eine unabhängige Einschätzung des Kapitalbedarfs der Banken. Griechische Finanzhäuser haben bereits Milliarden von Euro abgeschrieben, notleidende Kredite machen jetzt 12 Prozent vom gesamten Kreditportfolio des Bankensystems aus.
Zu den europäischen Instituten, die ihre Kapitaldecke noch stärken müssen, zählt auch die Commerzbank AG. Deutschlands Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble trifft sich im Laufe der Woche mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bank, Martin Blessing. Zum Inhalt der Gespräche gibt es keine offiziellen Angaben, klar scheint aber, dass es um die Pläne der Frankfurter Großbank zur Deckung ihrer 5,3 Milliarden Euro großen Kapitallücke geht. Wie bereits bekannt, setzt die Commerzbank mit ihrem Finanzierungsplan allein auf "Marktlösungen" und will keine Staatshilfen in Anspruch nehmen. Eine Kapitalerhöhung gehört demnach zu den möglichen Optionen.
Am Aktienmarkt zeigte sich am Tag nach der Herabstufung der Länderratings durch S&P ein gemischtes Bild. Hatte der Bankensektor zu Handelsbeginn noch nachgegeben, erholten sich einige Titel am Mittag. "Vieles ist an den Märkten bereits eingepreist", sagte ein Händler. Zudem hätte es deutlich schlimmer kommen, etwa wenn auch Deutschland herabgestuft worden wäre.
-Von Noemie Bisserbe, The Wall Street Journal;
(Alkman Granitsas und Jessica Hodgeson, Dow Jones Newswires,
haben zu dem Bericht beigetragen.)
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January 16, 2012 09:08 ET (14:08 GMT)
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