-- Ertragskraft soll sich deutlich verbessern
-- Konkreter Ausblick für 2012 fehlt noch
-- Analysten sind dennoch positiv gestimmt
(NEU: Details, Reaktion des Marktes)
Von Kirsten Bienk
DOW JONES NEWSWIRES
HAMBURG (Dow Jones)--Selten wurde ein Gewinneinbruch so euphorisch aufgenommen. Der Konsumgüterkonzern Beiersdorf hat im vergangenen Jahr zwar 20 Prozent weniger verdient, Investoren und Analysten richten ihren Blick jedoch ausschließlich nach vorn. Denn mit den letztmaligen Belastungen aus 2011 ist für die Hamburger zugleich der Konzernumbau abgeschlossen. Ein Großteil des Managements ist ausgetauscht. Die Kosten für die Bereinigung des Sortiments, die stärkere regionale Ausrichtung und der Preis für den Missgriff in China sind fast vollständig in den Bilanzen der vergangenen beiden Jahre enthalten. Auf 2012 ruhen jetzt die Hoffnungen.
Der im Dax gelistete Konzern blieb am Mittwoch zwar noch einen konkreten Ausblick für 2012 schuldig. Vieles hat er jedoch schon früher gesagt und das gilt nach wie vor: Die positiven Effekte des Umbaus sollen im laufenden Jahr vollständig greifen und Umsatz und operativen Gewinn wieder auf das Niveau von 2010 heben. Am Aktienmarkt wird diese Prognose als erreichbar bezeichnet - trotz konjunktureller Einbußen und des teilweise schwierigen Marktumfeldes.
2011 hat der Konsumgüterkonzern aber noch einmal kräftig Federn gelassen. Die Konzentration auf die Hautpflege, die stärkere regionale Ausrichtung, das Aussortieren der Ladenhüter und die Werbung zum 100. Geburtstag der Marke Nivea haben viel Geld gekostet und den Nachsteuergewinn vor Minderheiten auf 259 Millionen Euro sinken lassen. Im Vorjahr standen noch 326 Millionen Euro in den Büchern.
Im Handel kamen diese Zahlen dennoch gut an, da Analysten noch höhere Rückgänge erwartet hatten. Die Aktie stieg am Vormittag in einem positiven Börsenumfeld um knapp 5 Prozent auf 45,99 Euro. "Eindrucksvoll" nennt Analyst Heiko Feber vom Bankhaus Lampe das Ergebnis des abgelaufenen Jahres. Es sei ein Hinweis darauf, dass sich die Umstrukturierung der Consumer-Sparte auszahle. Beierdorf verdiene vor allem in den Schwellenländern Geld. Aus diesem Grund werde sich die Eurokrise nur etwas auf den Absatz in den südeuropäischen Staaten auswirken. Da Beiersdorf mit seiner Kernmarke Nivea nicht im Hochpreissegment liege, würden mögliche Einbußen in dieser Region durchaus überschaubar sein.
Analyst Oliver Drebing von SRH AlsterResearch ist von den vorläufigen Zahlen 2011 ebenfalls positiv überrascht. Auch er hält die Wachstumsziele des Hamburger Unternehmens für erreichbar. Das Selbstbewusstsein sei zwar wegen der Gewinneinbußen angekratzt. Der kurz vor dem Amtsantritt stehende neue Vorstandsvorsitzende Stefan F. Heidenreich werde aber Mitarbeiter und Börse aufgrund seiner beruflicher Erfolge durchaus in seinen Bann ziehen können. Außerdem werde sich die erfolgte Dezentralisierung der Verantwortlichkeiten positiv auswirken.
Konjunkturelle Eintrübungen sieht Analyst Drebing in der großen Unternehmensparte Consumer im Moment als wenig ausschlaggebend an. Die Produkte des Konzerns, die vor allem auf die Hautpflege zielen, seien wenig anfällig für solche Schwankungen und würden nicht zyklisch reagieren. Gleichwohl werde die Situation in Südeuropa ein wenig bremsen.
Es finden sich allerdings auch weniger positive Stimmen. Für Analyst Thomas Maul von der DZ Bank ist noch nicht klar, ob sich die positive Entwicklung des Jahres 2011 auch im laufenden Jahr aufrecht erhalten lässt. Maul gibt zu bedenken, dass die Restrukturierung auf große Herausforderungen im Konsumbereich hindeutet. Auch Analyst Klaus Kränzle von Silvia Quandt bleibt zurückhaltend. Er sieht 2012 als weiteres Jahr des Übergangs, das durch einen neuen Vorstandsvorsitzenden und die Verkleinerung des Produktsegments geprägt sein werde.
Der noch bis zum Ablauf der Hauptversammlung amtierende Vorstandsvorsitzende Thomas B. Quaas verwies am Montag bei der Ergebnispräsentation jedoch vor allem auf die positiven Aspekte der Umstrukturierung. "Gegen Ende des Berichtsjahres haben wir in einem zweiten Schritt grundlegende Entscheidungen für die regionale Neuausrichtung des Consumer-Geschäfts getroffen, die unsere Ertragskraft deutlich steigern wird", betonte er. Mit Hilfe von optimal auf die Regionen und Märkte ausgerichteten Strukturen werde die Wettbewerbsfähigkeit künftig deutlich verbessert.
Gut im Markt positioniert ist bereits jetzt die kleinere Unternehmenssparte tesa. Sie steigerte 2011 den Umsatz um knapp 8 Prozent und profitierte von ihren Innovationen für die stark wachsende Elektronikindustrie in Asien und der hohen Nachfrage der US-Autoindustrie.
Langsamer geht es in der Sparte Consumer voran. Hier stieg der Umsatz vor allem wegen der Ausmusterung der Ladenhüter nur um etwas mehr als ein Prozent. Für den Konzern blieb vergangenes Jahr ein Plus von 2,1 Prozent auf 5,633 Milliarden Euro übrig. Werden die Sondereffekte für den Konzerumbau herausgerechnet, musste Beiersdorf einen Rückgang des operativen Gewinns auf 646 von 699 Millionen Euro im Jahr 2010 hinnehmen. Details zum Abschluss 2011 und einen Ausblick auf das laufende Jahr will der Vorstand am 1. März veröffentlichen.
- Von Kirsten Bienk,
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