--Belgien kann laut Zeitungsbericht Finanzierung von Dexia-Rettung nicht stemmen
--Frankreich muss möglicherweise einspringen
--Markt fürchtet Dominoeffekt und Druck auf Frankreichs "AAA"-Rating
--Euro im asiatischen Handel unter Druck
(durchgehend neu)
Von Stefanie Haxel
DOW JONES NEWSWIRES
SINGAPUR (Dow Jones)--Bei der Krisenbank Dexia könnte neuer Ärger ins Haus stehen: Der vor gut sechs Wochen von Belgien, Frankreich und Luxemburg festgezurrte und von der EU gelobte Rettungsplan steht anscheinend auf der Kippe. Laut einem Zeitungsbericht kann Belgien seinen Teil der vereinbarten Finanzierung nicht stemmen und Frankreich muss möglicherweise einspringen. Der Bericht löste trotz umgehender Dementis der Regierungen neue Spekulationen über eine Gefährdung von Frankreichs Spitzenbonitätsnote aus. Auch der Euro geriet unter Druck.
Der im Oktober vereinbarte Rettungsplan sieht die Aufspaltung der Dexia SA in ihre belgischen, französischen und luxemburgischen Teile vor. Darüberhinaus verständigten sich die drei Regierungen darauf, die Finanzausstattung der Bank bis zu 90 Mrd EUR für die nächsten zehn Jahre zu garantieren. Belgien übernahm mit 60,5% den Löwenanteil der Garantie, Frankreich 36,5% und Luxemburg 3%.
Belgien hat nun aber offenbar Schwierigkeiten mit der Gegenfinanzierung der großzügig übernommenen Zusicherung. Um die Garantiesumme bereitzustellen, müsse das Land bis zu 54 Mrd EUR im Anleihenmarkt aufnehmen, schrieb die belgische Zeitung "De Standaard" am Dienstag ohne Angabe von Quellen. Dies kollidiere jedoch mit dem eigenem Finanzierungsbedarf des Landes für Regierungsausgaben. Belgien habe Frankreich deshalb gebeten, die Aufspaltung von Dexia neu zu verhandeln.
Der Bericht wurde von den Beteiligten zurückgewiesen. Belgiens Finanzminister Didier Reynders sagte der Zeitung, der Rettungsplan stünde nicht in Frage und Frankreich dementierte neue Verhandlungen. Reynders reise zwar am Mittwoch nach Paris, angeblich jedoch nur, um über die Bewerbung von Lüttich für die Weltausstellung 2017 sprechen, berichtet De Standaard.
Trotz der Dementis sorgte der Bericht für Aufregung im Markt. Bereits in der Nacht zum Mittwoch war der Euro im dünnen asiatischen Handel unter Druck geraten. Die Spekulationen über eine Gefährdung von Frankreichs Rating drückte die europäische Einheitswährung unter einen Kurs von 1,35 USD.
Die Angst, dass Frankreich einspringen müsste, könnte sich auf die Renditen französischer Staatsanleihen auswirken. "Damit wird gleich wieder die Diskussion über das französische "AAA"-Rating wegen der erhöhten Gesamtverschuldung hochkochen - damit droht ein Dominoeffekt", sagte ein Händler. Die Renditen Frankreichs und die Kreditausfall-Swaps (CDS) könnten damit deutlich anziehen, dies würde auch die Aktienmärkte kräftig belasten. In Belgien war am Montag erneut die Regierungsbildung gescheitert, so dass das Land praktisch handlungsunfähig ist. Dies mache den Zeitungsbericht besonders plausibel.
Erst Anfang November hatte es Aufregung um Frankreichs Kreditwürdigkeit gegeben. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte irrtümlich eine falsche Meldung an einige Kunden versandt, wonach die Spitzennote "AAA" gesenkt worden sei. Die Ratingagentur stellte ihren Fehler umgehend richtig, doch Zweifel blieben. An den Märkten wird die Kreditwürdigkeit des mit wirtschaftlichen und haushaltspolitischen Schwierigkeiten kämpfenden Landes seit Monaten als gefährdet angesehen. Am Montag warnte zudem die Ratingagentur Moody's, dass der stabile Ausblick unter Druck ist. Sollte Frankreich seine Spitzenbonität tatsächlich verlieren, droht möglicherweise sogar der Zusammenbruch des Euro-Schutzschirms EFSF.
Dexia, die in Belgien 850 Niederlassungen und in Frankreich keine einzige Filiale hat, ist der größte Kreditgeber der Gemeinden, Städte und Regionen in Frankreich. Das Geldinstitut war vor drei Jahren zu Beginn der Finanzkrise ins Trudeln geraten. Damals hatten Frankreich, Belgien und Luxemburg das Institut mit 6,4 Mrd EUR gestützt und ihm öffentliche Garantien gegeben. Seitdem halten Frankreich und Belgien Anteile an Dexia.
Die Dexia-Aktie legte im frühen Brüsseler Handel zwar um 3,3% auf 0,247 EUR zu. Der Kurs spiegele aber keine fundamentalen Daten mehr wieder, es handele sich inzwischen um ein reines "Zockerpapier", ordnete ein Marktteilnehmer die Entwicklung ein.
Der Rettungsplan für Dexia vom Oktober sieht vor, dass die belgische Regierung den belgischen Teil des Instituts für 4 Mrd EUR komplett übernimmt. Die französische Sparte von Dexia, die sich auf die Kreditvergabe an Kommunen spezialisiert hat, soll an ein Tandem aus dem französischen Postdienstleister "La Poste" und der Staatsbank Caisse des Depots & Consignations (CDC) verkauft werden. Der luxemburgische Teil geht an eine Investorengruppe, der auch der luxemburgische Staat angehört.
-Von Stefanie Haxel, Dow Jones Newswires;
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(Michael Denzin in Frankfurt hat an der Meldung mitgewirkt.)
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November 23, 2011 04:12 ET (09:12 GMT)
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