(NEU: Details, Analysten- und Kursreaktion)
Von Madeleine Nissen
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die
Deutsche Bank hat deutliche Einbußen im Investmentbanking verzeichnet und blickt nach einem durchwachsenen zweiten Quartal vorsichtiger nach vorn. Ein wesentlicher Grund für den Milliardengewinn vor und nach Steuern war die um mehr als 70% geschrumpfte Risikovorsorge: Musste die Bank im Vorjahresquartal noch 1 Mrd EUR für Kreditausfälle zur Seite legen, waren es in diesem Jahr nur noch 243 Mio EUR. Das verhalf der Deutschen Bank zu einem Vorsteuergewinn von 1,5 (1,3) Mrd EUR, wie sie am Dienstag mitteilte. Von
Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten mit 1,6 Mrd EUR gerechnet. Nach Steuern blieben 1,2 (Vorjahr 1,1) Mrd EUR übrig.
Beim Investmentbanking, dem wichtigsten Geschäftsfeld der Bank, machte sich die anhaltende Finanzkrise bemerkbar. Am deutlichsten zeigt sich das beim Handelsergebnis, das auf 110 Mio EUR einbrach. Im Vorjahr hatte die Bank hier noch 2,6 Mrd EUR verdient. Im Sales & Trading sanken die Netto-Erträge auf 2,8 Mrd EUR, nachdem die Bank im Vorjahresquartal hier noch 3,3 Mrd EUR verdient hatte.
Bei ihrem Ziel, im Jahr 2011 einen Vorsteuergewinn von 10 Mrd EUR zu erzielen, war die Bank zudem von einer Normalisierung der Kapitalmärkte ausgegangen. Dies sei aber nur teilweise eingetreten, heißt es im Zwischenbericht der Deutschen Bank AG. Enttäuscht wurde die Bank mit Blick auf die erwartete Normalisierung des Zinsniveaus. Die Zinsen sind in Europa, Japan und den USA unverändert auf einem Rekordtief.
Eine Belastung der Erträge befürchtet die im Dax notierte Bank zudem durch Regularien. Vorschriften wie zu außerbörslich gehandelten Derivaten könnten die "Erträge und Kapitalanforderungen negativ beeinflussen", warnt die Bank. Zudem will sie prüfen, inwieweit aus Bankenabgaben ein zusätzlicher Kapitalbedarf erforderlich werden könnte. Die viel beachtete Kernkapitalquote (Tier 1) betrug 11,3%. Die noch enger gefasste Core Tier 1 lag bei 7,5%, was Analysten im Vergleich zu anderen Investmentbanken als zu niedrig ansehen.
Eine Prognose für das laufende Jahr will Vorstandsvorsitzender Josef Ackermann immer noch nicht wagen, obwohl mehr als die Hälfte des Jahres um ist. Die bereits kommunizierten Prognosen für 2011 bekräftigte die Bank: Vor Steuern will sie demnach weiterhin 10 Mrd EUR verdienen.
Die Reaktion der Analysten fiel kritisch aus. Die Zahlen seien "deutlich schlechter als erwartet", sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck & Co. Das desaströse Handelsergebnis könne auch nicht durch das über den Erwartungen liegende Zinsergebnis kompensiert werden. Auch was den Ausblick angeht, bleibt der Analyst negativ. "Ich werde meine Gesamtjahresschätzungen deutlich nach unten korrigieren", kündigte Becker an.
Dagegen verwiesen die Analysten von Nomura auf einen Einmaleffekt, den Analysten nicht auf dem Radar hatten: Das Investment-Vehikel Ocala fiel mit rund 270 Mio EUR negativ ins Gewicht und habe die ansonsten weitgehend wie erwartet ausgefallene Entwicklung getrübt. Auch die Risiken, die aus den Investitionen in kritische Anleihen von EU-Ländern resultierten, entsprechen den Erwartungen der Nomura-Analysten: So hat die Deutsche Bank ein Engagement in Italien von brutto 10,4 Mrd EUR, Spanien 1,9 Mrd EUR, Griechenland 1,7 Mrd EUR und Portugal 0,5 Mrd EUR.
Die Aktie der Deutschen Bank legte im frühen Handel um 2,3% zu, was Händler mit den Verlusten der Aktie am Vortag erklärten. Der Markt habe ein durchwachsenes Bild erwartet, sagte ein Börsianer. Das spiegelte sich bereits in dem Kurs am Montag wider. Wohin die Reise geht, hatten die Zahlen der US-Investmentbanken gezeigt: Auch sie bekamen die Unsicherheit an den Kapitalmärkten zu spüren.
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