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07.02.2012 14:54

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UPDATE: IG Metall fordert mehr Lohn und mehr Mitbestimmung


   --IG Metall will 6,5 Prozent mehr Lohn

   --Gewerkschaft beharrt auch auf sozialen Forderungen

   --Arbeitgeber weisen Forderungen zurück

   (NEU: Ausführliche Begründung, Einschätzung Arbeitgeber, Stimmen von Wirtschaftsforschern)

   FRANKFURT (Dow Jones)--Der Vorstand der IG Metall fordert von den Arbeitgebern in der anstehenden Tarifrunde wie erwartet ein Lohnplus von 6,5 Prozent. Die Gewerkschaft will aber auch bei den beiden anderen Kernanliegen hart bleiben. Lehrlinge sollen künftig nach dem Ende der Ausbildung unbefristet übernommen werden und die Betriebsräte sollen über den Einsatz von Leiharbeitern mitbestimmen.

   "Es gibt da keine Gewichtung oder Verhandlungsmasse. Alle drei Ziele verfolgen wir gleichermaßen", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber bei einer Pressekonferenz. "Wenn sich die Arbeitgeber hier nicht bewegen, werden wir aktiv." Huber wollte den Unternehmerverbänden jedoch nicht direkt mit der Streikkeule drohen. "Wer gleich von Arbeitskampf redet, braucht keine Verhandlungen."

   Der IG-Metall-Chef begründete die Forderung nach höheren Löhnen mit der guten Lage der Branche, dem Zuwachs bei der Produktivität und dem Ausgleich der Inflation. "Unsere Forderung ist wirtschaftlich geboten und würde den Beschäftigten einen fairen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung sichern", sagte der IG-Metall-Chef.

   Die Gewerkschaft hat sich nach eigenen Angaben bei der Berechnung des angepeilten Lohnzuschlags am Produktivitätsgewinn der Gesamtwirtschaft orientiert, der bei rund 1,3 Prozent lag. "Die Metall- und Elektroindustrie hat im vergangenen Jahr allein bis November bei der Produktivität um über 7 Prozent zugelegt", sagte Huber. Lohnerhöhungen seien also von den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie finanzierbar.

   Das sehen die Unternehmen naturgemäß anders. "So kunstvoll die gedanklichen Pirouetten der IG Metall auch sein mögen, die Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn lässt sich nicht einmal im Ansatz rechtfertigen. Der deutsche Maschinenbau hat das Vorkrisenniveau von 2008 immer noch nicht wieder ganz erreicht", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Maschinen- und Anlagenbauer, Hannes Hesse.

   Auch der Präsident des Verbands Gesamtmetall ließ kein gutes Haar an Hubers Forderungen. "Die Gewerkschaft kann maximal 3 Prozent mit wirtschaftlichen Kennziffern begründen. Für die restlichen 3,5 Prozent gibt es keine belastbare Grundlage", teilte Martin Kannegiesser nach Bekanntgabe der Gewerkschaftsempfehlung mit. Er lehnt auch die verlangte Übernahme der Lehrlinge in unbefristete Verträge und das Vetorecht der Betriebsräte bei den Leiharbeit ab.

   Die Empfehlung des Bundesvorstands geht nun zurück in die Regionen, wo er nochmals diskutiert wird. Am 23. Februar werden dann die jeweiligen Tarifkommissionen darüber befinden und am Tag darauf soll der IG-Metall-Vorstand endgültig entscheiden. Die Verhandlungen mit den Arbeitgebern sollen Mitte März anlaufen. Die Friedenspflicht, in der Streiks verboten sind, endet Ende April.

   Nach Einschätzung von Hagen Lesch, Tarifexperte des arbeitgebernahen Kölner Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), fällt die Forderung der IG Metall nicht aus dem langjährigen Rahmen heraus. Er stört sich aber an der Nachholdebatte, die seitens der Gewerkschaft geführt wird. "Selbst in der Krise 2008/2009 sind in der Metallbranche die Löhne gestiegen, dabei hätte es auch zu Lohnkürzungen kommen können", sagte Lesch. Eine moderate Lohnpolitik helfe dabei, die gut bezahlten Industriearbeitsplätze in der Exportwirtschaft zu halten.

   Der Arbeitsmarktexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, Heiner Dribbusch, hält die Lohnforderung der IG Metall hingegen für berechtigt. "Es könnte sogar noch etwas mehr sein. Es ist doch allgemein bekannt, dass Deutschland bei der Lohnentwicklung auf den hinteren Rängen liegt." Wenn selbst die CDU nicht gegen Lohnsteigerungen das Wort erhebe, könne der Kurs der Gewerkschaft so falsch nicht sein. "Außerdem stabilisieren höhere Löhne die Konsumausgaben im Inland", sagte Dribbusch weiter.

   -Von Christian Grimm, Dow Jones Newswires,

   +49 (0)69 29725 300, konjunktur@dowjones.com

   DJG/DJN/chg/apo

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