--Krebsstudie verfehlt primären Endpunkt
--Aktie verliert
--Nur Patientenuntergruppen zeigen Behandlungserfolge
(Durchgehend neu)
Von Heide Oberhauser-Aslan
Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA hat erneut einen Dämpfer in der Medikamentenentwicklung erlitten. Ein als großer Hoffnungsträger eingestuftes neues Krebsmittel hat sein Ziel in einer Studie mit Lungenkrebspatienten verfehlt. Anleger reagierten enttäuscht. Die Merck-Aktie verlor 3,3 Prozent. Das Papier war damit der schwächste Wert im DAX.
Der neuartige Krebsimpfstoff mit dem früheren Namen "Stimuvax" konnte das Überleben der Patienten nicht signifikant verlängern. Lediglich bei bestimmten Patientenuntergruppen seien "deutliche Behandlungseffekte" beobachtet worden, erklärte Merck.
Das Mittel war an Patienten getestet worden, die an einem nicht kleinzelligen Lungenkarzinom erkrankt waren. Die Krebspatienten wurden geimpft, um ihr eigenes Immunsystem gegen den Krebs zu aktivieren. Die Entwicklung des Wirkstoffs war bereits weit fortgeschritten. Das Mittel befand sich schon in der letzten klinischen Phase vor einer möglichen Zulassung.
Die Entwicklung von so genannten therapeutischen Impfstoffen zur Bekämpfung von Krebs ist weltweit noch nicht sehr weit fortgeschritten und gilt als hoch risikoreich. Anders als bei einer vorbeugenden Impfung werden diese Impfstoffe erst im Laufe einer Erkrankung verabreicht, um einen Heilungsprozess einzuleiten. Im Erfolgsfall hätte Merck die Chance gehabt, das erste Mittel in dieser Indikation bei diesem vollständig neuartigen Behandlungsansatz auf den Markt zu bringen.
Welche zukünftigen Umsätze dem DAX-Konzern nun wegen des Flops durch die Lappen gehen, lässt sich schwer beziffern. Merck selbst hat sich nie zum möglichen Umsatzpotenzial des Mittels geäußert. Bei Analysten sind die Meinungen geteilt. Einige hatten wegen des hohen Risikos dieser neuartigen Therapie noch gar keine Umsätze in ihren Modellrechnungen für die Zukunft berücksichtigt. Andere wiederum hatten bislang das Spitzenumsatzpotenzial im Erfolgsfall auf 1 Milliarde US-Dollar bis 2016 veranschlagt.
Merck will den Medikamentenkandidaten noch nicht aufgeben, sondern die Studienergebnisse in den kommenden Wochen bei bestimmten Patientengruppen weiter auswerten. Vorbehaltlich der noch anstehenden Gespräche mit den zuständigen Zulassungsbehörden soll das laufende klinische Programm fortgesetzt werden.
Die Darmstädter sind mit der Entwicklung und Zulassung neuer Medikamente zuletzt nicht so vorangekommen wie erhofft. Die Entwicklungspipeline beinhaltet im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium einige weitere riskante, wenn auch im Erfolgsfall umsatzträchtige Projekte. Dazu gehört neben Stimuvax auch Cilengitide zur Behandlung bösartiger Hirntumore. Allerdings wurde die Entwicklungspipeline mittlerweile kräftig umgebaut. Im Unterschied zu früher hat Merck heute wieder viele Projekte in den Anfangsstadien der Entwicklung aber dafür weniger Kandidaten im kostenträchtigen Stadium vor der Zulassung.
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December 19, 2012 05:41 ET (10:41 GMT)
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