--Bonität der Deutschen Bank sinkt um zwei Stufen
--Amerikanische Banken besonders hart getroffen
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Von ROBIN SIDEL, AARON LUCCHETTI und VERA SPROTHEN
In einem Rundumschlag gegen die internationale Finanzbranche hat die amerikanische Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit von 15 internationalen Großbanken herabgestuft, darunter auch die der Deutschen Bank und fünf der sechs wichtigsten US-Banken.
Mit dem Schritt reagiert Moody's auf die trüben Aussichten weltweiter Banken, die mit sinkenden Gewinnen, härteren Auflagen, schleppendem gesamtwirtschaftlichen Wachstum und nervösen Investoren kämpfen. Es ist das erste Mal seit 2007, dass die Moody's-Fachleute den Bankensektor derart kritisch sehen.
Dabei geht es im Kern um solche Geldhäuser, die weltweite Finanzhandelsgeschäfte betreiben, nicht unbedingt um Banken mit direktem Kundenverkehr. Alle betroffenen Banken böten eine "erhebliche Angriffsfläche gegenüber den Schwankungen und den Risiken außerordentlicher Verluste, die Aktivitäten am Kapitalmarkt innewohnen", rechtfertigte Greg Bauer, Direktor der globalen Bankensparte bei Moody's, die Aktion.
Großbanken versuchten, alles herunterzuspielen
Anleger hatten sich schon auf schlechte Nachrichten von Seiten der Ratingagentur eingestellt. Bereits im Februar hatte Moody's angekündigt, dass die Gütesiegel für mehr als 100 Banken weltweit auf dem Prüfstand stehen. Großbanken aber hatten in den vergangenen Monaten versucht, die Sache herunterzuspielen und taten so, als hätten sie von einer Abstufung nichts zu befürchten. Viele gaben an, ihre Kapitalbasis sei mehr als robust und ihre Kassen so gut gefüllt wie seit Beginn der Finanzkrise nicht mehr.
Die Folgen der Abstufung aber dürften durchschlagend sein und kommen denkbar ungünstig: Angesichts der Schuldenkrise in Europa zweifeln viele Investoren ohnehin daran, dass die Banken den anhaltenden Turbulenzen gewachsen sind. Immer noch wackelt Griechenlands Position in der Eurozone. Dazu kommen Berichte über eine Wachstumsschwäche in den USA und China.
Zahlreiche Banken sind nun wahrscheinlich dazu gezwungen, höhere Rücklagen zu bilden. Zudem dürften ihre Kosten für die Beschaffung von frischem Kapital steigen und die Einnahmen sinken. Damit dürften auch private und öffentliche Institutionen unter dem Urteil der Analysten leiden: Sie könnten es künftig schwerer haben, Geld aufzutreiben, um öffentliche Dienstleistungen bereitzustellen oder zu investieren. Investmentfonds dürften ihre Anlagestrategien überdenken.
Politiker versuchen schon, einem Kreditengpass vorzuwirken: So hatte die britische Regierung gemeinsam mit der Notenbank Bank of England erst in der vergangenen Woche ein Notfallprogramm bekanntgegeben, damit britische Banken weiterhin an frisches Geld kommen.
Zu den Geldhäusern, die bei den Analysten an Ansehen verloren, gehört auch die Deutsche Bank. Moody's bewertete die langfristigen Einlagen der Frankfurter Bank schlechter und stufte sie um zwei Kategorien von Aa3 auf A2 ab. Als Grund nannte die Ratingagentur unter anderem, dass die Euro-Schuldenkrise das Geschäft der Bank zu beeinträchtigen drohe. Der Ausblick sei aber stabil.
Die Ratingagentur behält sich dennoch vor, ihren Daumen weiter zu senken, wenn "der Risikoappetit" der Deutschen Bank wieder zunehmen sollte und wenn erkennbar würde, dass sie ihr relativ umfangreiches Kapitalmarktgeschäft weniger stark kontrollieren würde. Negativ würde sich zudem auswirken, wenn das Institut seinen "im Branchenvergleich überdurchschnittlich hohen Anteil an Fremdfinanzierung" weiter erhöhen würde. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte zu dem Schritt der Bonitätswächter keine Stellungnahme abgeben. "Ratingänderungen werden grundsätzlich nicht kommentiert", sagte er.
Aktienkurs stürzte zunächst ab
Der Aktienkurs der Deutschen Bank war im Laufe des Donnerstags an der New Yorker Börse zunächst um 1,78 US-Dollar auf 35,45 Dollar abgesackt, erholte sich aber im nachbörslichen Handel wieder - offensichtlich, weil das Urteil der Ratingagentur weniger schlecht ausgefallen war als erwartet. In den deutschen Börsenhandel startete die Aktie der Deutschen Bank am Freitag mit einem Abschlag von 1,5 Prozent.
US-Bankaktien gehörten im nachbörslichen US-Handel zu den Gewinnern. Die Herabstufungen waren erst nach Handelsende an Wall Street bekannt geworden. Im regulären Handel hatte der S&P-Banken-Index 1,7 Prozent verloren und sich damit etwas besser gehalten als der Gesamtmarkt.
In Frankreich rutschten die drei größten Banken des Landes in eine schlechtere Bonitätsklasse: BNP Paribas und Credit Agricole sanken um zwei Stufen auf A2 mit negativem Ausblick. Société Générale wurde um eine Stufe schlechter mit A2 und stabilem Ausblick bewertet. Die Schweizer Investmentbank UBS sank in der Bonitätsbewertung um zwei Stufen auf A2 mit stabilem Ausblick. Credit Suisse wurde gar um drei Stufen auf A1 mit stabilem Ausblick zurückgenommen
In England senkte Moody's den Daumen über Barclays, die um zwei Stufen auf A3 mit negativem Ausblick sank, und Royal Bank of Scotland, die sich um eine Stufe auf Baa1 verschlechterte mit negativem Ausblick.
In einer Stellungnahme erwiderte die Royal Bank of Scotland, dass sie mit der Einstufung "nicht einverstanden" sei. Sie werde deswegen nun möglicherweise zusätzliche 9 Milliarden Pfund (rund 11 Milliarden Euro) an Sicherheiten hinterlegen müssen und rechnet mit "höheren Kosten für die Geldaufnahme". Die Abstufung werde "ihre Ausgabefähigkeit auf den Kapitalmärkten einschränken", sagte die Bank. Analysten hatten allerdings damit gerechnet, dass die Bank von Moody's noch stärker in die Mangel genommen würde. Ihr Investmentgeschäft gilt als besonders anfällig für höhere Kreditkosten.
US-Großbanken schimpfen auf Moody's
Speziell amerikanische Banken aber traf es hart. Fünf der sechs größten Banken des Landes hält Moody's langfristig für weniger kreditwürdig: Morgan Stanley, J.P. Morgan, Citigroup und Goldman Sachs sanken auf der Moody's-Skala um zwei Stufen, die Bank of America um eine. Allen gaben die Analysten zudem einen negativen Ausblick.
Morgan Stanley wäre beinahe sogar um drei Stufen abgerutscht, hatte aber den Moody's-Analysten während einer Lobbykampagne wohl intensiv ins Gewissen geredet und schnitt am Ende etwas besser ab. "Wir glauben nicht, dass die Bewertung die strategischen Schritte widerspiegelt, die wir unternommen haben", hieß es in einer Stellungnahme der Bank.
Auch Citigroup beschwerte sich: Das Unternehmen "widerspricht der Moody's-Analyse der Bankenindustrie deutlich und ist fest davon überzeugt, dass die Abwertung von Citi unbegründet und völlig ungerechtfertigt ist". Darüber hinaus habe Moody's die jüngsten Fortschritte der US-Bank nicht berücksichtigt. Der Bewertungsansatz der Agentur sei "rückwärtsgewandt".
Die Bank of America gab an, sie besitze "ausreichend Liquidität und Mittel, um Kunden und Geschäftspartnern zu dienen". Ein Sprecher von J.P. Morgan wollte sich nicht äußern. Goldman Sachs erklärte nur allgemein, die Geschäftsbasis sei solide.
Finger in die offene Wunde
Schon zuvor hatte Moody's die Bonität von Banken in Spanien, Italien und Deutschland heruntergestuft. Mit ihrem neuen Ausblick für internationale Großbanken aber legen die Analysten den Finger in eine offene Wunde. Nach neuen Milliardenverlusten bei der Investmentbank J.P. Morgan stehen die globalen Kredithäuser wieder im Kreuzfeuer und müssen sich ungemütliche Fragen zu ihrer Zukunft gefallen lassen.
Allein die fünf amerikanischen Großbanken, die Moody's am Donnerstag herabstufte, hatten im vergangenen Jahr mindestens 10 Prozent ihres Marktwertes eingebüßt und handeln zurzeit nur noch zu einem Bruchteil ihrer in den Bilanzen ausgewiesenen Buchwerte.
Seit Februar 2011 haben sich die Kosten für so genannte Kreditausfallversicherungen (CDS) - versicherungsähnliche Verträge, mit denen man sich vor einem Zahlungsausfall dieser Banken schützen kann - mehr als verdoppelt. Das zeigt, wie riskant es Anleger empfinden, diesen Banken Geld zu leihen.
Mitarbeit: Ben Fox
Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com
DJG/WSJ/bam
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