-- NSN streicht in Deutschland fast 3.000 Stellen
-- Abbau soll weitgehend bis Ende 2012 umgesetzt sein
-- Gewerkschaft protestiert
(NEU: Stellungnahme IG Metall, weitere Details und Hintergrund)
Von Nico Schmidt
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Der Rotstift regiert beim Netzwerkausrüster NSN auch in Deutschland. Das Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Nokia wird im Zuge seines neuerlichen Sparprogramms auch hierzulande massiv Stellen abbauen. In der Bundesrepublik soll fast ein Drittel der gesamten Jobs wegfallen.
Der Telekomausrüster will das Deutschland-Geschäft künftig auf fünf Standorte konzentrieren, nämlich Berlin, Bonn, Bruchsal, Düsseldorf und Ulm. Alle anderen sollen geschlossen werden. Aktuell gibt es noch 35 Niederlassungen. Auch der größte deutsche NSN-Standort, München, soll also dicht gemacht werden.
Von den aktuell rund 9.100 NSN-Mitarbeitern in Deutschland werden deswegen etwa 2.900 ihren Arbeitsplatz verlieren. Weitere Job-Verluste durch mögliche Verkäufe von Geschäftsteilen sind in dieser Zahl noch nicht enthalten.
Der Großteil des Abbaus soll bis Ende 2012 erfolgen, die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern wurden mittlerweile aufgenommen. "Uns ist bewusst, dass dies eine erhebliche Reduzierung der Mitarbeiterzahl ist", sagte NSN-Landeschef Hermann Rodler. "Wir müssen in Deutschland diesen schwierigen Schritt machen, um sicherzustellen, dass Nokia Siemens Networks ein wirtschaftlich nachhaltiges Unternehmen ist".
Die IG Metall protestierte gegen den Stellenabbau: "Wir wehren uns zusammen mit den Beschäftigten gegen diesen Kahlschlag. Unser Ziel ist es, durch einen Tarifvertrag zur Zukunftssicherung möglichst viele Arbeitsplätze bei NSN zu erhalten und die Schließung des Standortes München abzuwenden", sagte Michael Leppek, Unternehmensbeauftragter der Gewerkschaft für NSN.
IG Metall und Betriebsrat forderten, die Pläne sofort zu stoppen und über Alternativen und Zukunftsperspektiven zu verhandeln. Bis zur Klärung sollen nach Vorstellung der Arbeitnehmervertreter keine Personalmaßnahmen und Ausgliederungen erfolgen. Für die kommenden Tage rief die Gewerkschaft zu Protestaktionen auf.
Bereits im November hatte NSN den Job-Kahlschlag bekanntgegeben: Das finnische Gemeinschaftsunternehmen sucht sein Heil künftig im Geschäft mit mobilen Breitbandlösungen und will mit 17.000 Stellen weltweit weit mehr als ein Fünftel der gesamten Arbeitsplätze abbauen. Durch die Maßnahmen sollen die Kosten um 1 Milliarde Euro sinken.
NSN ist seit geraumer Zeit ein Sorgenkind für Siemens und Nokia. Das in Espoo in Finnland ansässige Joint Venture verkauft Hard- und Softwarekomponenten für Sprach-, Daten- und Mobilfunknetze sowie entsprechende Installations-, Wartungs- und Beratungsleistungen. Seit seiner Gründung im Jahr 2007 schreibt das Gemeinschaftsunternehmen wegen des großen Wettbewerbsdrucks trotz mehrfacher Restrukturierungsanläufe mit mehreren Stellenabbau-Runden ständig rote Zahlen.
-Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires,
+49 - (0)69 297 25 114; nico.schmidt@dowjones.com
DJG/ncs/jhe
(END) Dow Jones Newswires
January 31, 2012 06:57 ET (11:57 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 06 57 AM EST 01-31-12