07.03.2013 11:08
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UPDATE: Osram baut rund 8.000 Stellen ab - China-Verkauf "Meilenstein"

   --Siemens-Lichttochter nennt erstmals Gesamtzahl ihres geplanten Jobabbaus

   --Kreise: Unerwartet hohe Aufträge in Augsburg und Berlin

   --Fertigung in Shaoxing wird verkauft

   (NEU: Aussagen von Unternehmenskreisen zur Auftragslage und zur Kommunikationspolitik von Osram)

   Von Ursula Quass

   Die Siemens-Tochter Osram hat erstmals die Gesamtzahl ihres geplanten Jobabbaus genannt. Weltweit will der Konzern künftig bis zu 8.000 Mitarbeiter weniger beschäftigen, wie das Unternehmen mitteilte. Ein Teil der Mitarbeiter verliert dabei nicht den Arbeitsplatz, sondern wechselt schlicht den Arbeitgeber, weil Osram die entsprechenden Unternehmensteile verkauft.

   Bei der Bekanntgabe des verschärften Sparprogramms Ende November hatte Osram angekündigt, den bis dato kommunizierten Abbau um 4.700 zusätzliche Stellen zu erweitern. Im Anfang Dezember gemeinsam mit der Konzernmutter Siemens veröffentlichten Abspaltungsbericht hatte Osram dann die geplanten Stellenstreichungen einzeln aufgelistet - versteckt auf den Seiten 154 und 155 in dem 258 Seiten umfassenden Papier. Eine Gesamtzahl von bis zu 8.000 Stellen wurde damals aber nicht extra ausgewiesen.

   Der Großteil der Stellen soll im Ausland wegfallen, mehr als die Hälfte davon durch Werksverkäufe. Jüngster Schritt dabei ist der Verkauf des Werks in China mit rund 2.000 Mitarbeitern. Käufer sei das in Hongkong ansässige Unternehmen Super Trend Lighting (Group) Limited. Über die Vertragsdetails sei Stillschweigen vereinbart worden. "Gut die Hälfte" des weltweit geplanten Jobabbaus sei damit nun erreicht. In Deutschland plant Osram keine Werksverkäufe oder -schließungen.

   Aber auch in Deutschland will Osram Stellen streichen - und das, obwohl die Auftragslage in einigen Werken überraschend stark angestiegen ist, wie zwei mit der Situation des Unternehmens vertraute Personen dem Wall Street Journal Deutschland sagten. "Im laufenden zweiten Quartal ist es in Augsburg erstaunlich gut gelaufen", sagte eine der beiden Insider aus dem Umfeld des Unternehmens. "Die Nachfrage nach Leuchtstofflampen hat so angezogen, dass der dortige Betriebsleiter händeringend um Extraschichten gebettelt hat. Das passt für mich nicht zu dem Ziel, dort 300 Stellen abzubauen." Nach Informationen der zweiten Quelle hat auch die Einzelstückfertigung in Berlin einen "überraschend hohen Auftrag aus Asien" bekommen. Ein Osram-Sprecher wollte die Angaben zur Auftragslage in Deutschland auf Anfrage nicht kommentieren.

   Berlin gehört neben Wipperfürth in Nordrhein-Westfalen und München zu den drei Standorten, die Osram bei dem im November angekündigten verschärften Sparkurs als Schwerpunkte genannt hatte. Damals hieß es, dass über die bereits angekündigten 1.000 Stellen hinaus weitere rund 400 Stellen in Deutschland wegfallen sollen. 2012 hatte das Unternehmen weltweit bereits rund 1.900 Arbeitsplätze gestrichen, davon 300 Stellen an deutschen Standorten.

   Dass der Konzern erst am Donnerstag erstmals die Gesamtzahl des Stellenabbaus beziffert hatte, kritisierte eine der beiden informierten Personen als Verschleierungstaktik. Eine solche Klarheit hätte schon früher hergestellt werden müssen. "Osram macht ein Nebelkerzenspiel. Die sollen den Menschen einfach die Wahrheit sagen." Auch die Kritik an der Unternehmenskommunikation wollte ein Osram-Sprecher nicht kommentieren.

   Die geplante Abspaltung vom Mutterkonzern Siemens macht die Umsetzung der Stellenstreichungen nach Angaben einer der beiden Quellen nicht einfacher. So stehe Osram zum Beispiel in München vor dem Problem, im Zuge des Spin-offs etwa im Bereich Treasuring oder Compliance Leute einstellen zu müssen, während an anderer Stelle Personal abgebaut werden solle.

   Nach den Plänen von Siemens soll die komplett konzerneigene Tochtergesellschaft über einen Spin-off an die Börse gebracht werden. 80,5 Prozent der Anteile bekommen die Siemens-Aktionäre dabei in ihre Depots gebucht. Die Siemens AG selbst behält eine Minderheitsbeteiligung. Allerdings schwelt Berichten zufolge noch ein Streit mit einer Gruppe von Aktionären, die die geplante Abspaltung gerichtlich verhindern wollen.

   Osram will noch vor dem Börsengang für Investoren interessant werden. Dass der Konzern so viele Stellen einsparen will, liegt am starken Wandel auf dem Lichtmarkt weg von traditionellen Glühbirnen hin zu LED-Leuchten und dem harten Branchenwettbewerb. Alles in allem soll bis 2015 eine Milliarde Euro eingespart werden. Die Hälfte davon soll der Einkauf beitragen.

   Das erinnert an Pläne bei der Konzernmutter Siemens: Der DAX-Konzern will bis 2014 insgesamt 6 Milliarden Euro sparen; 3 Milliarden davon soll ein effizienterer Einkauf bringen. Wie die Konzernmutter strebt auch Osram in erster Linie eine Verbesserung der Margen an. Die Kosten für das verschärfte Sparprogramm hatte Osram im November auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag beziffert.

   Osram gehört mit einem Nettobuchwert von mehr als 2,3 Milliarden Euro zu den größeren Börsengängen, die für dieses Jahr erwartet werden. Siemens will sich von der Lichttochter trennen, da sie nicht mehr zu den Kernaktivitäten gehört. Weil ein Börsengang über ein öffentliches Angebot nicht durchführbar war, soll der Konzern nun über einen Spin-off an die Börse.

   Die Siemens-Aktionäre werden bei der Abspaltung von Osram zunächst Anteilseigner an einem Verlustbringer. Die Lichttochter steckt im dreistelligen Millionenbereich in den Miesen. 2013 soll der Verlust zumindest geringer ausfallen.

   Kontakt zur Autorin: ursula.quass@dowjones.com

   DJG/uqu/kgb/jhe

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   March 07, 2013 04:38 ET (09:38 GMT)

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