30.11.2012 12:39
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UPDATE: Osram drückt noch stärker auf die Kostenbremse

   --Osram will bis 2015 Kosten um 1 Milliarde Euro drücken

   --Siemens-Lichttochter streicht weltweit weitere 4.700 Stellen

   --Großteil der Stellen soll im Ausland eingespart werden

   --Jobabbau in Berlin, Wipperfürth und München

   (NEU: Details, Marktreaktion)

   Von Ursula Quass

   Siemens setzt beim Lampenhersteller Osram vor der geplanten Abspaltung noch einmal massiv den Rotstift an. In den kommenden zwei Jahren sollen mehr als zehn Prozent der Stellen wegfallen. Bis Ende 2014 will Osram 4.700 Jobs streichen, 4.300 und damit der Großteil davon im Ausland. Mehr als die Hälfte der Stellen sollen im Ausland durch Werksverkäufe wegfallen. In Deutschland seien keine Verkäufe der Werksschließungen geplant.

   Osram reagiert damit auf den starken Wandel auf dem Lichtmarkt und den harten Branchenwettbewerb. Schon im Geschäftsjahr 2012 hatte Osram weltweit rund 1.900 Jobs abgebaut, davon 300 in Deutschland. Von den neuerlichen Jobkürzungen sollen nun im Wesentlichen die Standorte Berlin, Wipperfürth (Nordrhein-Westfalen) und München betroffen sein. Wo im Ausland Stellen wegfallen sollen, sagt Osram nicht. Die Kosten für die neuerliche Restrukturierung werden mit einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag veranschlagt.

   Bis 2015 will Osram so die Kosten um insgesamt eine Milliarde Euro zu drücken. Die Hälfte davon soll im Einkauf eingespart werden. Das erinnert an Pläne bei der Konzernmutter Siemens: Der DAX-Konzern will bis 2014 insgesamt 6 Milliarden Euro sparen; 3 Milliarden davon soll ein effizienterer Einkauf bringen. Wie die Konzernmutter strebt auch Osram in erster Linie eine Verbesserung der Margen an.

   Osram will noch vor dem Börsengang für Investoren interessant werden. Nach den Plänen von Siemens soll die komplett konzerneigene Tochtergesellschaft über einen Spin-off an die Börse gebracht werden. 80,5 Prozent der Anteile bekommen die Siemens-Aktionäre dabei in ihre Depots gebucht. Die Siemens AG selbst behält eine Minderheitsbeteiligung. Billigt eine Dreiviertelmehrheit auf der Hauptversammlung im Januar die Pläne, erhalten die Siemens-Aktionäre für je zehn Siemens-Aktien eine Osram-Aktie. Die Siemens AG will nach dem Spin-off 17 Prozent und der Siemens Pension Trust 2,5 Prozent an Osram halten.

   Den Siemens-Kurs bewegten die Details zum Umbau von Osram zunächst kaum. "Es gibt kaum etwas Neues, fast alles war in den vergangenen Wochen bereits in der Presse zu lesen", sagte ein Händler. Die Aktionärsversammlung dürfte grünes Licht für das Spin-off geben und dieser bis Mitte kommenden Jahres über die Bühne gehen. Damit wäre dann ein positiver Schritt für die Bilanz von Siemens getan, sagte er.

   Ursprünglich sollte Osram schon viel früher aufs Börsenparkett gebracht werden. Die weltweit heftig schwankenden Aktienkurse und die schlechte Konjunktur im Geschäft mit Leuchtdioden (LED) hatten Siemens im September vergangenen Jahres aber von einer Platzierung Abstand nehmen lassen. Der richtige Zeitpunkt sei verpasst worden, gestand Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser vor einem Jahr ein.

   Eigentlich hätte der Osram-Börsengang der größte in Deutschland seit vielen Jahren werden sollen. Als das Marktumfeld noch besser war, wurde die mögliche Bewertung von Osram auf bis zu 7 Milliarden Euro geschätzt. Lange hatte Siemens an einem echten Börsengang festgehalten, erst im Juli wurden die ursprünglichen Pläne ad acta gelegt und eine Abspaltung entschieden.

   Osram zählt zu den führenden Lichtherstellern der Welt. Der über Jahrzehnte technisch wenig anspruchsvolle Lichtmarkt ist stark im Umbruch, weil die LED-Technologie sich immer mehr durchsetzt. Dominierten früher die drei großen Hersteller Philips, Osram und General Electric den Markt, drängt nun Konkurrenz vor allem aus Asien auf den Markt. In dem hart umkämpften Umfeld sinken die Preise rapide. Osram beziffert den jährlichen Preisverfall auf rund 20 Prozent.

   Mit den nun genannten Einsparungen wird es somit auf lange Sicht nicht getan sein. "Wie bei allen Unternehmen in der Lichtbranche ist auch bei Osram das Thema Restrukturierung eine fortwährende Geschichte", sagt Volker Stoll, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. "Wahrscheinlich wird man in fünf Jahren erneut überlegen müssen, wie es weitergeht." Die nun vorgestellten Maßnahmen seien der "nächste Wurf", um langfristig Profitabilität gewähren zu können. Um seine Technologien und Patente müsse sich Osram derweil nicht sorgen, die seien ohnehin wettbewerbsfähig, sagte er.

   Mit den Sparplänen ist das Münchener Unternehmen nicht allein: So hat sich zum Beispiel der Wettbewerber Philips ein Sparprogramm quer durch alle Geschäftsbereiche verordnet. Ihre Kosten wollen die Niederländer bis 2014 um 1,1 Milliarden Euro drücken und weltweit rund 6.700 Stellen streichen.

   Um sich gegen die Wettbewerber zu behaupten, baut Osram aber auch Kapazitäten auf. In einem LED-Montagewerk in China sollen bis 2017 1.700 neue Jobs entstehen. Osram investiert in den Aufbau des Werks in der Provinz Jiangsu einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag.

   Auch hierzulande baut Osram in zukunftsträchtigen Bereichen Kapazitäten auf. So wurde am Standort Eichstätt eine neue Halogen-Fertigungslinie in Betrieb genommen und mit dem Bau einer weiteren begonnen. Augsburg will Osram zum Kompetenzzentrum für Fertigungsprozesse von LED-basierten Produkten ausbauen. Auch die dortige Leuchtstofflampenfertigung soll erweitert werden. Insgesamt wurden im vergangenen Geschäftsjahr in Deutschland rund 200 Stellen geschaffen.

   Das Beratungsunternehmen McKinsey geht davon aus, dass der weltweite Lichtmarkt von 2011 bis 2016 um durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr wächst. Das Marktvolumen für LED soll sich dabei mehr als vervierfachen. Gleichzeitig soll jedoch das Marktvolumen von traditionellen Produkten wie Glühbirnen um rund 15 Prozent sinken, so die Prognose.

   Im Geschäftsjahr 2012 per Ende September hatten die Münchener einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro erzielt. Weltweit arbeiten derzeit rund 39.000 Menschen bei Osram, davon etwa 10.000 in Deutschland

   Kontakt zur Autorin: ursula.quass@dowjones.com

   DJG/uqu/sha

   (Mehr zu diesem Thema und weitere Berichte und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf www.WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)

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