(NEU: Personalkostenabbau, Gespräche mit Conti)
Von Katharina Becker
Dow Jones NEWSWIRES
HERZOGENAURACH (Dow Jones)--Trotz erster Lichtblicke rechnet der fränkische Wälzlagerkonzern Schaeffler im laufenden Jahr mit deutlich weniger Einnahmen. Mit einem erwarteten Umsatzrückgang auf 7,5 Mrd EUR von 8,9 Mrd EUR im Vorjahr wollen die Franken jedoch besser durch die Krise steuern als die Konkurrenz, wie ein Sprecher der Herzogenauracher am Freitag zu Dow Jones Newswires sagte.
Angesichts der weltweit weggebrochenen Nachfrage nach Neuwagen dürften die Umsätze mit Kunden aus der Automobilindustrie um bis zu ein Viertel geringer ausfallen als im Vorjahr, sagte der Sprecher. Im Automobilgeschäft sieht Schaeffler die Talsohle bereits durchschritten. Die Autohersteller hätten inzwischen ihre Lager geräumt, und die ersten Neubestellungen lägen vor, wenn auch in geringerem Umfang als im Vorjahr.
Deutlich später als das Automobilgeschäft spüre nun auch die Industriesparte die Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Der Bereich verzeichnete im Auftaktquartal einen Rückgang von 12%, wie der Leiter der Industriesparte, Robert Schullan, erklärte. Während die Branche im Gesamtjahr einen Einnahmenrückgang im Industriegeschäft um bis zu ein Fünftel vorhersagt, rechnet Schaeffler mit einer sanfteren Landung. "In den weiterhin vorhandenen Wachstumsbranchen wie Erneuerbare Energien, insbesondere Windkraft, oder Verkehrsinfrastruktur, in denen wir hervorragend positioniert sind, konnten wir sogar Marktanteile gewinnen", erklärte Schullan. Positive Impulse erwartet er aus Asien, speziell aus China, "wo wir trotz einer Marktabschwächung weiterhin Wachstum generieren".
Der Familienkonzern, der Motor-, Getriebe-, Fahrwerksysteme und Lager für die Automobilbranche, Industrie sowie die Luft- und Raumfahrt herstellt, macht rund 60% seines Geschäftes mit der Automobilbranche und 40% mit der Industrie.
Im ersten Halbjahr habe Schaeffler trotz der schwierigen Wirtschaftslage operativ schwarze Zahlen geschrieben, betonte der Sprecher. Die Franken leiden jedoch unter einem Schuldenberg von rund 10 Mrd EUR. Schaeffler, seit Jahresbeginn mit knapp der Hälfte der Anteile größter Continental-Aktionär, hatte sich bei der Übernahme der drei Mal so großen Hannoveraner verhoben. Die Herzogenauracher müssen monatlich alleine Zinszahlungen in Höhe von etwa 70 Mio EUR aufbringen, so dass sie unter dem Strich rote Zahlen schreiben. Zudem ist auch Continental selbst seit der Übernahme der einstigen Siemens VDO ähnlich hoch verschuldet.
Schaeffler hatte angesichts der erodierten Kundenaufträge bereits harte Sparmaßnahmen angekündigt: Die Franken wollen allein in Deutschland jährlich 250 Mio EUR Personalkosten sparen, andernfalls stünden bis zu 4.500 Arbeitsplätze zur Disposition. Der Konzern sehe sich hier jedoch auf einem "guten Weg" und verfolge weiter das Ziel, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen, sagte der Sprecher. Die Gespräche über den Abbau der Personalkosten verliefen "konstruktiv", ergänzte er.
Entgegen anderslautender Medienberichte liefen die Gespräche mit Conti über ein Zusammengehen beider Automobilzulieferer weiter, sagte der Schaeffler-Sprecher. Bis Ende Juli solle die Prüfung abgeschlossen sein und damit feststehen, ob eine Fusion sinnvoll sei oder nicht. Um die monatelange Hängepartie in der Zusammenarbeit mit dem Großaktionär Schaeffler zu beenden, hatte der Conti-Vorstandsvorsitzende Karl-Thomas Neumann bis Ende Juli ein Gesamtkonzept zur Zukunft der beiden Unternehmen angekündigt.
Webseite: http://www.schaeffler-gruppe.com
-Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 112,
katharina.becker@dowjones.com
DJG/kat/jhe
Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
(END) Dow Jones Newswires
June 26, 2009 06:05 ET (10:05 GMT)
Copyright (c) 2009 Dow Jones & Company, Inc.- - 06 05 AM EDT 06-26-09