15.05.2013 12:43
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UPDATE: Schwache Euroraum-Wirtschaft hält EZB unter Lockerungsdruck

   --Euroraum-BIP sinkt im ersten Quartal 2013 um 0,2 Prozent

   --Kernländer geraten in den Abwärtssog

   --Binnennachfrage anhaltend schwach

   (NEU: Reaktionen von Volkswirten, Hintergrund)

   Von Hans Bentzien

   Die Wirtschaft des Euroraums ist Anfang 2013 etwas stärker als erwartet geschrumpft und wird sich nach Einschätzung von Volkswirten auch im weiteren Jahresverlauf nicht deutlich erholen. Der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), ihre Politik locker zu halten oder noch weiter zu lockern, bliebt damit bestehen. Die Daten von Eurostat für das erste Quartal zeigen, dass die Rezession Südeuropa unverändert fest im Griff hat und darüber hinaus auch die Volkswirtschaften der so genannten Kernländer in den Abwärtssog geraten sind.

   Nach den Zahlen von Eurostat sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Währungsraums gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent und lag um 1,0 Prozent unter dem Niveau des ersten Quartals 2012. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten Rückgänge um 0,1 und 0,9 Prozent prognostiziert. "Damit ist das BIP das sechste Quartal in Folge gesunken und hat insgesamt 1,4 Prozent verloren", konstatierte Evelyn Herrmann, Volkswirtin bei BNP Paribas.

   Herrmann sieht für die Eurozone-Wirtschaft bisher keine Besserungszeichen. Zwar habe das Tempo des BIP-Rückgangs abgenommen - im vierten Quartal 2012 hatte das Minus noch 0,6 Prozent betragen - doch deuteten Frühindikatoren keine weitere Besserung, geschweige denn einen BIP-Anstieg an. "So wie es derzeit aussieht, bekommen wir im zweiten Quartal einen BIP-Rückgang in der gleichen Größenordnung", prognostizierte sie.

   Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil ist da etwas optimistischer. Seiner Einschätzung nach ist der Tiefpunkt beim BIP nun erreicht. Gerade für die Südeuropäer werde sich das weiter wie eine Rezession anfühlen, denn die Arbeitslosigkeit werde weiter steigen. "Damit wird auch der Druck auf die EZB hoch bleiben, die Geldpolitik weiter zu lockern", sagte er.

   Nach Einschätzung von Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, nimmt damit die Gefahr zu, dass in den betroffenen Ländern der Rückhalt für weitere Kürzungen und Reformen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit noch mehr schwindet. "Je nachdem, ob und wie lange die Geberländer dies akzeptieren werden, kann dies eine Spaltung der Währungsunion befördern. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich somit immer mehr zur Achillesferse der Währungsunion", merkte er an.

   Dass die Wirtschaft des Euro-Gebiets so schwach ist, hat laut Weil einzig und allein mit der schwachen Binnennachfrage zu tun. "Der private Verbrauch ist bis zuletzt weiter gesunken, die Nachfrage nach Bauleistungen leidet noch immer unter den Folgen der geplatzten Immobilienblase in vielen Euro-Ländern und bei den Staatsausgaben ist weiterhin Konsolidierung angesagt", rechnete er vor. Folglich investierten die Unternehmen derzeit nicht.

   Eine nationale Betrachtung der Daten zeigt, dass die Unterschiede im Euroraum weiter hoch sind. Deutschlands BIP stieg als einziges noch leicht (plus 0,1 Prozent), während die Volkswirtschaften Frankreichs und Italiens um 0,2 bzw. 0,5 Prozent schrumpften, die Spaniens um 0,5 Prozent und die der Niederlande um 0,1 Prozent. In Griechenland verringerte sich das Tempo des Abschwungs immerhin: Das BIP lag dort nur noch um 5,3 Prozent unter Vorjahresniveau. Im vierten Quartal waren es 5,7 Prozent gewesen und im ersten Quartal 2012 noch 6,7 Prozent.

   Die EZB hat ihren Leitzins erst Anfang des Monats auf ein neues Rekordtief von 0,50 Prozent gesenkt. Präsident Mario Draghi sagte zu, dass die EZB die hereinkommenden Wachstumsdaten genau beobachten wird. Manche Beobachter wollen deshalb nicht ausschließen, dass die EZB ihre Zinsen noch weiter senken wird.

   Kontakt zum Autor: hans.bentzien@dowjones.com

   DJG/hab/chg

   (END) Dow Jones Newswires

   May 15, 2013 06:13 ET (10:13 GMT)

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