05.02.2013 19:08
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UPDATE: Streik bei RWE vorerst abgewendet

   -- Gewerkschaften wollen Verhandlungen wieder aufnehmen

   -- RWE bietet Verlängerung der Beschäftigungssicherung und größeres Lohnplus an

   (NEU: Stellungnahme von RWE, interne E-Mail an Führungskräfte, mehr Details)

   Von Hendrik Varnholt

   Beim Energiekonzern RWE ist ein unbefristeter Streik vorerst abgewendet. Die Gewerkschaften Verdi und IG BCE erklärten sich am Dienstagnachmittag zu neuen Gesprächen mit dem Arbeitgeber bereit. Die Aussicht auf Arbeitsniederlegungen habe RWE offenbar "zu einem Einlenken" bewegt, sagte Verdi-Verhandlungsführer Peter Lafos. Nach seinen Worten hat das Unternehmen eine Verlängerung der bestehenden Regelungen zur Beschäftigungssicherung um bis zu zwei Jahre in Aussicht gestellt. Damit bestehe eine "grundlegend neue Situation". Die Verhandlungsführer der Gewerkschaften hatten die Gespräche in der vergangenen Woche abgebrochen.

   Eine Sprecherin von RWE bestätigte, dass der Konzern ein neues Angebot unterbreitet habe. Sie sagte: "Wir haben immer betont, dass wir auf den sozialen Dialog setzen, und begrüßen die Fortsetzung der Gespräche." Zu Details des Angebots äußerte sich die Sprecherin aber nicht.

   Eine Verlängerung der Beschäftigungssicherung in ihrer bisherigen Form käme überraschend: Wie eine mit den Verhandlungen vertraute Person berichtete, hatte sich RWE bislang Änderungen gewünscht. Das Unternehmen wollte sich demnach die Möglichkeit sichern, Mitarbeiter einfacher als bislang über Spartengrenzen hinweg zu versetzen.

   Die RWE-Spitze hatte etwa in einer E-Mail an Führungskräfte des Konzerns von der Notwendigkeit zu mehr Flexibilität gesprochen. RWE stehe "angesichts der teilweise dramatischen Veränderungen auf unseren Märkten" vor "enormen Herausforderungen", hieß es in dem Memo, in das das Wall Street Journal Deutschland Einsicht hatte. Es seien deshalb "flexible Modelle, die auch einen Wechsel der Mitarbeiter in andere Konzernbereiche zulassen", nötig. RWE sei gleichwohl verhandlungsbereit, "um mit intelligenten Lösungen die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten", wurde in der E-Mail der neue Konzern-Personalvorstand Uwe Tigges zitiert.

   RWE leidet wie andere Energieversorger unter den paradoxen Folgen der Energiewende: Während Strom für Verbraucher immer teurer wird, sinken die Großhandelspreise. Gründe dafür sind das zeitweise bestehende Überangebot an Strom aus Erneuerbaren Energien und die derzeit verhaltene Nachfrage in Deutschland sowie den Nachbarländern. Weil Elektrizität etwa aus Windkraft und Sonnenenergie Vorrang bei der Einspeisung hat, sind konventionelle Kraftwerke immer seltener am Netz.

   Der Energiekonzern reagiert mit Kostensenkungen und Desinvestitionen auf die Entwicklung. RWE will nach Plänen aus dem Jahr 2011 unter anderem durch den Verkauf von Konzernteilen weltweit 8.000 Arbeitsplätze abbauen. Rund 2.400 Stellenstreichungen könnten hinzukommen, wenn RWE konzernweit Abteilungen zusammenlegt, die die Unternehmenssparten bislang getrennt unterhalten.

   Von betriebsbedingten Kündigungen ist bei RWE gleichwohl keine Rede. "Den resultierenden Anpassungsbedarf wollen wir weiterhin fair und vor allem sozialverträglich gestalten", heißt es in der E-Mail an Führungskräfte.

   Das Unternehmen und die Gewerkschaften streiten in den Tarifverhandlungen für rund 30.000 Mitarbeiter in Deutschland außer über die Details der Beschäftigungssicherung auch über Lohnerhöhungen. Die Arbeitnehmervertreter fordern ein Plus von sechs Prozent. Der Arbeitgeber hat bislang offiziell eine Erhöhung um 1,5 Prozent und zwei Einmalzahlungen von jeweils 500 Euro angeboten. Nach Verdi-Angaben stellte der Konzern nun auch ein verbessertes Lohnangebot in Aussicht.

   Auch das Energieunternehmen E.ON hat mit den Gewerkschaften noch keine endgültige Einigung über einen neuen Tarifvertrag erzielt. Bei dem RWE-Konkurrenten war es schon in der vergangenen Woche zu einer Urabstimmung gekommen. Mehr als 90 Prozent der bei E.ON beschäftigten Mitglieder von Verdi und IG BCE sprachen sich für einen unbefristeten Streik aus. Nach einem Spitzengespräch mit dem Arbeitgeber signalisierten die Gewerkschaften aber neue Verhandlungsbereitschaft. Über das weitere Vorgehen bei E.ON wollen Verdi und IG BCE am morgigen Mittwoch entscheiden.

   Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@dowjones.com

   DJG/hev/jhe

   (END) Dow Jones Newswires

   February 05, 2013 12:37 ET (17:37 GMT)

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