(NEU: Fasst zusammen)
Von Nico Schmidt
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Europas größter Autobauer Volkswagen hat im Jahr 2011 auf dem Weg an die Weltspitze einen Etappensieg errungen. Das Jahr endete für die Wolfsburger mit einem Verkaufsrekord von konzernweit knapp 8,16 Millionen Pkw weltweit nach 7,14 Millionen Einheiten im Vorjahr. Damit kam das Unternehmen seinem Ziele einen großen Schritt näher, bis spätestens 2018 die Marke von 10 Millionen Verkäufen zu knacken und General Motors und Toyota an der automobilen Weltspitze abzulösen.
Um dieses Ziel zu erreichen, will Europas Branchenprimus den Absatz in den USA deutlich steigern, die Präsenz in Südostasien ausweiten und massiv in die Kapazitäten in den wichtigen BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China investieren.
In den USA sieht sich die Volkswagen AG bereits in der Erfolgsspur. Das Ziel für 2012 laute, konzernweit mehr als 500.000 Autos in dem Land zu verkaufen, sagte der für das US-Geschäft zuständige VW-Manager Jonathan Browning kurz vor Beginn der Automesse in Detroit. Die Marke von einer halben Million hatten die Niedersachsen in den USA zuletzt 1973 geknackt.
Im vergangenen Jahr entschieden sich in den USA 444.192 Käufer für ein Auto einer Volkswagen-Marke, wobei die Vertriebsgesellschaft erstmals seit 2003 profitabel war. Im laufenden Jahr erwartet der Konzern somit ein Absatzplus von über 12,5 Prozent. Damit dürfte VW in den USA stärker zulegen als der Markt, dem die meisten Experten nur ein mittleres bis hohes prozentual einstelliges Wachstum zutrauen.
VW schätzt US-Markt 2012 auf 13,5 bis 14 Millionen Autos
VW-US-Chef Browning rechnet damit, dass der gesamte US-Markt 2012 die Erholung des vergangenen Jahres fortsetzen und auf 13,5 bis 14 Millionen Autos zulegen wird. Die alten Hochs von mehr als 17 Millionen Neuzulassungen dürften damit aber noch in weiter Ferne bleiben. Branchenkenner sind sich aber einig, dass die USA in diesem Jahr eine der Wachstumslokomotiven für die Automobilbranche sein wird, zumal sich wichtige Märkte wie Europa zuletzt spürbar eingetrübt haben.
Der ehemalige Spitzenmanager der US-Hersteller General Motors und Ford soll das ambitionierte Ziel der Niedersachsen verwirklichen, die Verkäufe in den USA bis 2018 auf mehr als 1 Million Autos zu steigern. Erfolgsgaranten für die Wolfsburger sollen in den kommenden Jahren vor allem die neuen Modelle Jetta, Passat und Beetle sein. Der Volkswagen-Konzern liege leicht vor dem Zeitplan, sagte Browning. Es sei aber noch einiges an Arbeit zu erledigen.
Allein für Audi hat sich VW in den USA im Jahr 2018 einen Jahresabsatz von 200.000 Einheiten vorgenommen. 2011 waren es gut 117.500. Der Ingolstädter Premiumhersteller hat es in den USA seit Jahrzehnten schwer. Denn in den 1980er Jahren kam es zu einer Reihe von mysteriösen Unfällen mit dem extra für den US-Markt aufgelegten Audi 5000, bei denen viele Menschen verletzt wurden und einige sogar ums Leben kamen. Angeblich beschleunigte sich das Auto vom Fahrer ungewollt von selbst. Obwohl sich der Verdacht nie bestätigte, war der Imageschaden für Audi enorm und ließ die Verkaufszahlen einbrechen.
US-Markt soll VW Weg an die Spitze ebnen
Der US-Markt ist für Volkswagen ein wichtiger Eckpfeiler beim ehrgeizigen Vorhaben, an die automobile Weltspitze vorzustoßen. Daher wurden die Investitionen für das US-Geschäft zuletzt deutlich hochgefahren. So eröffnete Volkswagen unlängst das für 1 Milliarde US-Dollar in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee gebaute Werk, in dem mehr als 2.000 Stellen geschaffen werden und jährlich 150.000 Autos gebaut werden können.
Mit Einkauf und Produktion in der Dollar-Zone will der Konzern ab 2013 wieder schwarze Zahlen im US-Geschäft schreiben. 1988 hatten sich die Niedersachsen mangels ausreichender Auslastung von einer Vor-Ort-Produktion in den USA verabschiedet. Seither schlagen Wechselkursschwankungen auf das Ergebnis durch.
Auf dem Branchentreffen in Detroit werden die Wolfsburger eine Hybridversion des Jetta präsentieren - das mit Abstand wichtigste Auto von VW in den USA. Inklusive der sportlicheren Version wurden in den USA 2011 knapp 177.500 Jettas verkauft, fast eineinhalbmal so viel wie im Jahr davor. Damit steht der Jetta für mehr als die Hälfte der Gesamtverkäufe von VWs Kernmarke in den Vereinigten Staaten.
Von Nico Schmidt,
Dow Jones Newswires,
+49 (0)69 29725 114; nico.schmidt@dowjones.com
DJG/ncs/bam/jhe
(END) Dow Jones Newswires
January 09, 2012 06:21 ET (11:21 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 06 21 AM EST 01-09-12