(NEU: Ergebnisse zweites Quartal, Marken, Aktienkurs)
Von Katharina Becker
DOW JONES NEWSWIRES
WOLFSBURG (Dow Jones)--Die Volkswagen AG hat dank steigender Autoverkäufe und günstiger Wechselkurse im zweiten Quartal rasant zugelegt. Zwischen April und Juni verdiente Europas größter Automobilkonzern mit 1,3 Mrd EUR mehr als vier Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum, wie die Wolfsburger am Donnerstag mitteilten. Das war deutlich mehr als die von Dow Jones Newswires befragten Analysten erwartet hatten, was die Aktie prompt auf ein neues Jahreshoch steigen ließ.
Volkswagen trat jedoch sogleich auf die Euphoriebremse. Nach der überraschend rasanten Aufholjagd der Automobilmärkte sei in den kommenden Monaten mit einer leichten Abschwächung der Wachstumsdynamik zu rechnen, was sich auch in den Einnahmen und im Ergebnis niederschlagen dürfte.
Vor allem dank der anziehenden Nachfrage in China, Brasilien und den USA hatte Volkswagen im ersten Halbjahr mit 3,6 Millionen Golf, Polo, Passat, Audi, Skoda und Co 16% mehr Autos verkauft. Allerdings waren die Vorjahreszahlen sehr schwach: Zu Jahresbeginn 2009 hatten die Kunden in der Wirtschaftskrise einen großen Bogen um die Autohäuser gemacht. Erst mit der Abwrackprämie stiegen auch die Verkäufe wieder, wovon Volkswagen stark profitierte.
Dabei erwies sich Audi im ersten Halbjahr erneut als Ertragsperle des Konzerns. Mit 1,3 Mrd EUR stemmten die Ingolstädter fast die Hälfte des operativen Konzerngewinns von 2,8 Mrd EUR. Darin sind jedoch die 804 Mio EUR aus dem Geschäft in China, mittlerweile Volkswagens größtem Markt, nicht enthalten.
Die Modelle Polo, Golf, Passat und Co der Kernmarke VW brachten operativ 1 Mrd EUR ein. Der Ergebnisanteil der tschechischen Tochter Skoda verdoppelte sich nahezu auf 227 Mio EUR. Die spanische Tochter Seat konnte ihr Ergebnis kaum verbessern und schrieb einen Verlust von 157 Mio EUR.
Nach dem Verkauf des brasilianischen Lkw-Geschäfts an MAN verdienten die Nutzfahrzeugsparte in den ersten sechs Monaten nur noch 118 Mio EUR. Der schwedische Lkw-Hersteller Scania, an dem VW rund 72% der Stimmrechte hält, trug 577 Mio EUR bei. Das Ergebnis der Finanzdienstleistungstochter stieg leicht auf 362 Mio EUR.
Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 22% auf 33,2 Mrd EUR. Operativ verdiente der Konzern mit 2 Mrd EUR doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum und deutlich mehr als von Analysten erwartet. Dabei profitierte VW auch von günstigen Wechselkursen. Der aufgrund der Schuldenkrise einiger europäischer Staaten im Vergleich zum US-Dollar schwache Euro macht aus Europa in die USA exportierte Autos billiger.
Der staatliche Verschrottungsbonus hatte VW 2009 trotz Wirtschaftsflaute einen neuen Verkaufsrekord beschert. Mit 6,3 Millionen Neuwagen übertrafen die Wolfsburger den Vorjahreswert um 1,1% und kamen dem Ziel, Toyota bis 2018 an der Weltspitze zu überholen, ein Stück näher. Die staatlichen Prämien kurbelten jedoch vor allem die Verkäufe günstigerer und weniger profitabler Kleinwagen an.
Im laufenden Jahr will die weltweite Nummer drei dank zahlreicher neuer Modelle einen Verkaufsrekord aufstellen und auch operativ deutlich mehr verdienen.
An der Frankfurter Börse sorgten die überraschend gut ausgefallenen Zahlen von Volkswagen für Kauflaune. Der Preis der Vorzugsaktien kletterte um 3% auf 81,00 EUR, damit gehörte das Papier zu den Gewinnern im DAX.
Webseite: www.volkswagenag.com
-Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires,
+49 (0)69 29725 112, katharina.becker@dowjones.com
DJG/kat/has
(END) Dow Jones Newswires
July 29, 2010 05:54 ET (09:54 GMT)
Copyright (c) 2010 Dow Jones & Company, Inc.- - 05 54 AM EDT 07-29-10