--Fusion von Volkswagen und Porsche ist auf absehbare Zeit vom Tisch
--Volkswagen könnte stattdessen restliche Anteile an Porsche-Sportwagensparte übernehmen
(NEU: Kontext, Hintergrund, Analystenkommentar)
Von Christoph Rauwald
DOW JONES NEWSWIRES
DETROIT (Dow Jones)--Die Fusion von Volkswagen und Porsche ist vom Tisch. Der Zusammenschluss sei wegen der rechtlichen Scharmützel "nicht mehr möglich", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Montag auf der Automobilmesse in Detroit. Volkswagen wird nun Alternativen suchen, um die Marke Porsche ins Unternehmen zu integrieren und dabei Kostensynergien zu heben.
"Wir wollen so bald wie möglich kooperieren", sagte Winterkorn zu Journalisten am Rand der North American International Auto Show. Der Manager steht sowohl an der Spitze der Wolfsburger als auch der Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE. Die Holding hatte im Dezember 2009 einen Anteil von 49,9 Prozent an der Porsche AG - dem Sportwagengeschäft - für 3,9 Milliarden Euro an Volkswagen verkauft.
Der ursprüngliche Plan von Porsche, die wesentlich größere Volkswagen AG 2008 in einem durch Fremdkapital finanzierten Schachzug zu übernehmen, ging nach hinten los als die Kreditmärkte in der Finanzkrise austrockneten. Am Ende musste das Management den Hut nehmen und der Stuttgarter Sportwagenbauer musste 2009 einem Zusammenschluss unter der Führung von Volkswagen zustimmen.
Im Jahr darauf verklagte eine Gruppe internationaler Investmentfonds Porsche sowie zwei führende Manager wegen des Verdachtes, den Kurs der VW-Aktie manipuliert zu haben. Zwar scheiterte die Klage vor einem US-Gericht. Dennoch verschoben die beiden Autokonzerne wegen der anhaltenden rechtlichen Unsicherheit im September ihre Fusion und prüften Alternativen.
Ende Dezember vergangenen Jahres reichte eine Gruppe von Investmentfonds beim Landgericht Stuttgart Klage gegen den Sportwagenbauer ein. Sie machen Schadensersatzansprüche für Schäden von knapp 2 Milliarden Euro geltend, die sie im Zuge des gescheiterten Übernahmeversuchs von Volkswagen durch die Porsche SE erlitten haben. Auch beim Landgericht Braunschweig haben Anleger eine ähnliche Klage eingereicht. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes von Marktmanipulation. Die Untersuchungen dauern an, ein Ende des Rechtsstreites ist bislang nicht abzusehen.
Nach Einschätzung des Branchenanalysten Georges Dieng bei der französischen Natexis Securities werden die Volkswagen-Pläne durch verschiedene Faktoren verkompliziert. Es sei schwierig für den nach Absatz größten Autokonzern Europas, ohne vollständige Fusion mit Porsche die Synergien zu maximieren. Gleichzeitig könne die Option zum Kauf des restlichen Sportwagengeschäftes nicht vor dem kommenden Jahr ausgeübt werden. Boomende Luxuswagen-Absätze hätten den Wert der Sportwagensparte in die Höhe getrieben, seit im Jahr 2009 die Fusion erstmals vereinbart worden sei.
"Das Beste wäre eine Erneuerung der umfassenden (Fusions-)Vereinbarung", so Dieng. Dadurch werde Zeit gekauft, in der die Risiken im Zusammenhang mit den Rechtsstreitigkeiten evaluiert werden könnten.
Volkswagen und Porsche haben gegenseitig ausübbare Call- bzw. Put-Optionen für den restlichen Anteil von 50,1 Prozent an der Sportwagensparte vereinbart, die die Volkswagen AG noch nicht hält. Würden die Optionen ausgeübt, bliebe die Porsche Holding als eigenständiges Unternehmen bestehen.
Volkswagen hat die Kostensynergien aus der vollständigen Integration der Sportwagen-Sparte im Konzern auf 700 Millionen Euro pro Jahr beziffert. Zu den Konzernmarken gehören bislang Audi, Bentley und VW.
-Von Christoph Rauwald, Dow Jones Newswires;
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January 09, 2012 14:20 ET (19:20 GMT)
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