(NEU: Mit mehr Neumann, alktualisiertem Aktienkurs)
Von Katharina Becker
Dow Jones NEWSWIRES
HANNOVER (Dow Jones)--Die Absatzflaute in der Automobilindustrie hat der Continental AG im dritten Quartal die Ergebnisse verhagelt. Besserung sei nicht in Sicht, teilte der Hannoveraner Automobilzulieferer am Donnerstag mit und kündigte zusätzliche Sparmaßnahmen an.
Im ersten Halbjahr habe die gute Konjunktur in Europa und Asien die Nachfrageschwäche in Nordamerika noch ausgleichen können, erklärte der Continental-Vorstandsvorsitzende Karl-Thomas Neumann. "Im vergangenen Quartal zeigten sich jedoch drastische Bremsspuren in allen Märkten, wobei sich insbesondere die dramatischen Rückgänge in Europa negativ auf uns ausgewirkt haben. Diese Tendenz dürfte sich noch verstärkt bis weit ins Jahr 2009 hinein fortsetzen."
Als Reaktion auf die trüben Aussichten hat Conti zusätzlich zu dem laufenden Sanierungsprogramm weitere umfassende Sparmaßnahmen angekündigt. So werde in der Automotive Group die Zahl der Leiharbeiter bis Jahresende auf 5.000 weltweit halbiert, die Werksferien zum Jahreswechsel stark ausgeweitet und je nach Auftragslage die Arbeitszeit verkürzt.
Entlassungen von Stammpersonal seien im Moment nicht geplant, sagte Neumann im Interview mit Dow Jones Newswires. Er wollte jedoch nicht ausschließen, dass Conti im kommenden Jahr "schnell in solch eine Situation kommen könnte", wenn sich die Lage auf den Automobilmärkten weiter verschlechtert. "Darüber hinaus legen wir nicht dringend erforderliche Investitionen auf Eis", erklärte Neumann.
Nach der Übernahme von Siemens VDO konnte zwar der Umsatz im dritten Quartal deutlich zulegen. Die laufende Sanierung der Antriebssparte Powertrain, steigende Rohstoffpreise und schwache Fahrzeugverkäufe in Westeuropa und den USA haben den Conti-Gewinn unter dem Strich jedoch verhagelt.
Die Ergebnisse für das dritte Jahresviertel sind nur bedingt mit den Vorjahreszahlen vergleichbar, nachdem der DAX-Konzern seine Geschäftsfelder nach der 11,4 Mrd EUR teuren Übernahme von Siemens VDO Ende vergangenen Jahres neu geordnet hat.
Von Juli bis September erwirtschaftete der weltweit fünftgrößte Automobilzulieferer einen Umsatz von 5,89 Mrd EUR. Im Vergleich zu den Einnahmen des Vorjahresquartals - damals noch ohne VDO - von 3,01 Mrd EUR war dies ein Zuwachs um die Hälfte und etwas weniger als von Analysten erwartet. In den ersten neun Monaten kletterten die Einnahmen um knapp zwei Drittel auf rund 19,2 Mrd EUR.
Vor Zinsen und Steuern (EBIT), Abschreibungen auf Vermögenswerte aus dem Kauf von Siemens-VDO (PPA) sowie Restrukturierungs- und Integrationskosten sank der Gewinn im dritten Quartal um ein Viertel auf 342 (Vorjahr: 458) Mio EUR. Von Januar bis September ergab sich noch ein Plus von knapp 12% auf 1,57 Mrd EUR.
Wegen der Sanierungsaufwendungen für die Sparte Powertrain, in der ein Großteil der Siemens-VDO zusammengefasst wurde, der Absatzflaute bei den Automobilherstellern und der Zinszahlungen für die milliardenschweren Kredite zur Übernahme von VDO schrumpfte der Nettogewinn im dritten Quartal um 99% auf 2,4 Mio EUR und damit deutlich stärker als von Analysten erwartet. In den ersten neun Monaten halbierte sich der Gewinn unter dem Strich auf 364 Mio EUR.
Erst Mitte September war Conti angesichts schwächelnder Autoverkäufe und gestiegener Rohstoffkosten von den ursprünglichen Jahreszielen teilweise abgerückt. Statt der anvisierten Rendite von mehr als 9,3%, bereinigt um die Abschreibungen auf Vermögenswerte aus dem Kauf von Siemens-VDO (PPA) sowie um Restrukturierungs- und Integrationskosten rechnet der Automobilzulieferer nur noch mit einer EBIT-Marge von rund 8,5% im laufenden Jahr. In den ersten neun Monaten war die Rendite auf 8,2% (Vorjahr 11,8%) geschrumpft.
Für das Gesamtjahr schraubten die Hannoveraner angesichts der schwächelnden Konjunktur nun auch ihre Umsatzerwartungen nach unten. Statt die - inklusive VDO - rechnerischen Vorjahreseinnahmen von 26,4 Mrd EUR zu übertreffen, peilt der Konzern nun einen Gesamtumsatz von 25 Mrd EUR an.
An der Börse sorgten die Continental-Zahlen und Neumanns Aussagen für Kauflaune. Der Kurs der Aktie kletterte an der Frankfurter Börse bis zum Nachmittag um elf Prozent und notierte bei 31,20 EUR.
Webseiten: http://www.conti-online.com
http://www.schaeffler-gruppe.de
-Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 112,
katharina.becker@dowjones.com
DJG/kat/cbr
(END) Dow Jones Newswires
October 30, 2008 08:54 ET (12:54 GMT)
Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 08 54 AM EDT 10-30-08