(NEU: Mit mehr Porsche, aktualisiertem VW-Kurs)
Von Katharina Becker
Dow Jones NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Aussicht auf mehr handelbare Volkswagen-Aktien hat den Kurs von Europas größtem Automobilbauer nach den extremen Kurssprüngen der vergangenen Tage am Mittwoch in den Keller geschickt. Die Papiere wechselten an der Frankfurter Börse für 515 EUR den Besitzer, rund 46% günstiger als zum Schlusskurs am Dienstag. Zuvor hatte Porsche erklärt, Volkswagen-Aktien auf den Markt zu bringen, um die Kursturbulenzen zu beenden. Zudem hatte die Deutsche Börse angekündigt, das Gewicht der VW-Aktie im Leitindex Dax zu beschränken.
Die Kurskapriolen der vergangenen Tage waren auf die zu geringe Zahl verfügbarer VW-Aktien zurückgeführt worden, weil Porsche sich den Großteil der handelbaren Aktien bereits gesichert hatte.
Porsche wolle nun je nach Marktlage Optionen in Höhe von bis zu fünf Prozent der VW-Stammaktien auflösen, um die Zahl der handelbaren Aktien zu erhöhen, wie der Stuttgarter Sportwagenbauer am Mittwoch erklärte. Erste, kleine Mengen habe der Konzern bereits abgegeben, erklärte ein Sprecher. Porsche bleibe jedoch dabei, seinen Anteil auf 75% aufstocken zu wollen und werde dazu weiter VW-Aktien "zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen" kaufen.
Damit nimmt Porsche jedoch zunächst den Druck aus dem Handel. Investoren hatten am Dienstag zeitweise mehr als 1.000 EUR für eine Aktie der Wolfsburger gezahlt und das Unternehmen damit zum wertvollsten der Welt gemacht - noch vor dem US-Mineralölgiganten Exxon Mobil Corp. Gleichzeitig zog Volkswagen allein den DAX ins Plus.
Einige Analysten bezweifelten jedoch Porsches Intention, mit dem Schritt "weitere Kursturbulenzen zu vermeiden". "Wir sind der Meinung, dass Porsche zunächst an hohen Erträgen im Rahmen der Optionsgeschäfte interessiert sein dürfte", erklärte LBBW-Analyst Frank Biller. "Bei einem später niedrigeren VW-Aktienkurs wäre so die Finanzierung (...) für die 75%-Übernahme ohne weitere Fremdmittel möglich." Credit Suisse Analyst Arndt Ellinghorst bezweifelte, ob Porsche die Aufstockung auf 74% finanzieren könne.
Porsche wies jede Verantwortung für Marktverwerfungen und die daraus resultierenden Risiken zurück. Leerverkäufer, die mit geliehenen Aktien auf einen fallenden VW-Kurs spekulierten und nun die Papiere zu jedem Preis kaufen müssten, um sie zurückgeben zu können, hätten die Kursturbulenzen zu verantworten.
Nach Informationen von Dow Jones Newswires waren Ende September knapp 13% aller Volkswagen-Stammaktien verliehen. Das Land Niedersachsen betonte jedoch, von seinem 20,1-prozentigen Anteil zu keiner Zeit Aktien an Leerverkäufer gegen eine Leihgebühr weitergereicht zu haben zu haben.
Am Sonntag war klar geworden, wie wenige VW-Aktien tatsächlich am Markt verfügbar sind. Da hatte der Stuttgarter Sportwagenhersteller überraschend verkündet, er strebe nicht nur eine Dreiviertelmehrheit bei Volkswagen an, sondern habe sich bereits direkt und über Optionen 74,1% an dem Wolfsburger Konzern gesichert. Da Niedersachsen als zweitgrößter Aktionär knapp 20,1% der VW-Aktien besitzt, können theoretisch nicht einmal mehr 6% der VW-Aktien gehandelt werden. Entsprechend schwierig und teuer wurde es für Hedgefonds, die für Leerverkäufe geliehenen Aktien zurück zu kaufen.
Der rasante Anstieg der VW-Aktie kostet eine Reihe von Hedgefonds einem Bericht zufolge Milliarden. Nach Informationen des "Handelsblatts" (Mittwochausgabe) aus Bankkreisen hat der Londoner Hedgefonds Marshall Wace mehr als 5 Mrd EUR verloren. Auch der von der Wall-Street-Legende Richard Perry geführte Fonds Perry Capital und der Investor Greenlight Capital (New York) hätten sich demnach gigantisch verzockt.
Der Londoner Zeitung "Daily Telegraph" zufolge sitzen die spekulativen Investoren nach den missglückten Wetten auf fallende VW-Kurse auf Verlusten von insgesamt 30 Mrd EUR. "Dies ist ohne Frage der größte einzelne Verlust in der Geschichte der Hedgefonds", sagte ein Händler von North Square Capital dem Blatt.
Nach massiver Kritik reagierte auch die Deutsche Börse AG. Die Betreiberin der Frankfurter Börse beschloss, das Gewicht der Volkswagen-Aktie im deutschen Leitindex DAX ab Montag von derzeit 27% zu Handelsschluss am Dienstag auf 10% zu reduzieren. Damit müssten Indexfonds, die den DAX in ihrem Portfolio nachbilden, VW-Aktien verkaufen.
Webseiten: http://www.porsche-se.com
http://www.volkswagenag.com
http://www.niedersachsen.de/
- Von Katharina Becker, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 - 29725 112,
katharina.becker@dowjones.com
DJG/kat/cbr
(END) Dow Jones Newswires
October 29, 2008 08:40 ET (12:40 GMT)
Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 08 40 AM EDT 10-29-08