--Auftragszuwächse durch Drupa erwartet
--Heidelberger Druck weiter in den roten Zahlen
--Konzern will von manroland-Pleite profitieren
(Neu: weitere Details)
Von Natali Schwab
DOW JONES NEWSWIRES
HEIDELBERG (Dow Jones)--Der Maschinenbauer Heidelberger Druck übt sich im Vorfeld der Branchenmesse Drupa in Optimismus. Von dem wichtigsten Treffen der Druckmaschinenindustrie erhofft sich Vorstandsvorsitzender Bernhard Schreier Auftragszuwächse. Von Euphorie ist jedoch angesichts einer aktuell schwachen Nachfrage aus den Industrieländern wenig zu spüren. Die Eurokrise hat die erwartete Erholung der Branche zunichte gemacht.
Heidelberger Druck schreibt weiter rote Zahlen und hat vor kurzem ein weiteres Restrukturierungsprogramm aufgesetzt, dass dem Konzern durch die Krise helfen soll. In den ersten neun Monaten summierte sich der Verlust bei den Heidelbergern auf 78 Millionen Euro. Umsatz und Auftragseingang waren rückläufig. Operativ zeigte sich mit einem kleinen Plus von 2 Millionen Euro im dritten Quartal ein Licht am Horizont - allerdings vor Sondereinflüssen.
Vor diesem Hintergrund will der Konzern Kosten sparen und die Kapazitäten weiter senken. 2.000 Arbeitsplätze weltweit sollen abgebaut werden, die Mehrheit in Deutschland. Bereits 2009 in der ersten Finanzkrise hatte Heidelberger Druck rund 4.500 Arbeitsplätze gestrichen.
Das ursprüngliche Ziel, in diesem Geschäftsjahr ein ausgeglichenes Vorsteuerergebnis zu erreichen, haben die Heidelberger längst gekippt. Das Unternehmen strebt lediglich ein verbessertes operatives Ergebnis vor Sondereffekten an. Der Umsatz soll unverändert bei rund 2,6 Milliarden Euro liegen, bekräftigte der Druckmaschinenhersteller.
Mit dem Restrukturierungsprogramm sollen im Geschäftsjahr 2013/14 Einsparungen von rund 180 Millionen Euro realisiert werden. Einen Großteil der Einzelmaßnahmen will das Unternehmen bereits kurzfristig im Kalenderjahr 2012 einleiten und umsetzen. Mit dem Betriebsrat laufen derzeit die Gespräche über den Stellenabbau. Darüber hinaus beinhaltet das Programm auch mittel- bis langfristige Maßnahmen, um die Organisation an die veränderten Strukturen anzupassen. So will Heidelberger Druck ein operatives Ergebnis von 150 Millionen Euro erreichen.
"Wir wollen absolut auf der sicheren Seite sein", verteidigte Schreier die Einschnitte. "Ich will nicht 2013 dastehen und sagen müssen: Es hat nicht gereicht." Eine weitere Restrukturierung soll es nicht geben müssen. Schreier gab zu, sich 2009 mit Blick auf eine mögliche Erholung der Druckmaschinenbranche verschätzt zu haben.
Heidelberger Druck ist damit jedoch nicht allein. Konkurrent Koenig & Bauer kämpft mit ähnlichen Problemen, der Traditionshersteller manroland ging letztes Jahr sogar in die Insolvenz und wird nun zerschlagen.
Die Unsicherheit ist derzeit groß unter den Kunden in den Industrienationen, die aufgrund der konjunkturellen Schwäche Investitionen zurückhalten. Die etwa alle vier Jahre stattfindende Drupa ist das wichtigste Treffen der Druckmaschinenindustrie und bringt allen Herstellern normalerweise einen Auftragsschub. "Noch nie" habe die Messe jedoch in einem so schwachen makroökonomischen Umfeld wie dieses Jahr stattgefunden, dämpfte Schreier zu hohe Erwartungen.
Es erscheint daher eher wie Zweckoptimismus, wenn Schreier von seinen Erwartungen über weiter wachsende Druckvolumina spricht, von der Ansicht, dass sich die Branche weiter erholen wird. Auch wenn mehr gedruckt wird: die Kunden tun dies bislang offensichtlich weiter lieber auf ihren alten Maschinen.
Die Drupa soll das möglichst ändern. Heidelberger Druck wird Schreier zufolge wieder der größte Aussteller auf der Messe sein und eine Vielzahl neuer Produkte vorstellen. Der Manager sieht die Leistungsschau damit auch als Chance, "dass die Zuversicht in unserer Branche wieder zunimmt".
Da sich die Investitionen in den Industrienationen bislang langsamer erholen als gedacht, setzt Schreier seine Hoffnungen auf die weiter robust wachsenden Schwellenländer, vor allem auf China.
In dem Restrukturierungsprogramm, das eine Verringerung der Kapazität um 15 Prozent anstrebt, sieht Schreier eine gute Ausgangsbasis für den Konzern. Heidelberger Druck konzentriert sich vor allem auf den Werbe- und Verpackungsdruck, weniger auf den Verlagsdruck, der durch veränderte Lesegewohnheiten der Bevölkerung und das Internet stark unter Druck steht. "Der Markt, der derzeit uneingeschränkt wächst, ist der Verpackungsdruck."
Dabei hat Schreier auch erkannt, dass die Herstellung von Druckmaschinen alleine nicht mehr ausreicht. Sein Ziel ist es, Lösungen für die ganze Prozessstrecke anzubieten - inklusive Software oder Verbrauchsmaterialien. Gerade letzteres ist ein Markt, der laut dem Vorstandsvorsitzenden noch viel Potenzial birgt.
Aber auch von der manroland-Pleite will Schreier profitieren. "Wir werden durch die Branchenkonsolidierung Marktanteile gewinnen", zeigte er sich zuversichtlich. So sind einige Kunden bereits zu Heidelberger Druck gewechselt. Die Umsatzchance aus der Insolvenz der Augsburger beziffert Schreier auf 50 bis 100 Millionen Euro auf das Jahr gerechnet. Abgewartet werden müsse, wie künftig das Produktportfolio aussehen werde. Bislang ist manroland eher im niedrigen bis mittleren Preissegment tätig, das die Heidelberger weniger adressieren.
Die Zerschlagung und den Verkauf der manroland-Werke in Augsburg und Offenbach bezeichnete er als "zweitbeste Lösung". Die beste wäre ein komplettes Verschwinden des Konkurrenten vom Markt gewesen.
-von Natali Schwab,
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February 08, 2012 06:17 ET (11:17 GMT)
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