--Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Bestechung und Untreue gegen einen Vorstand
--Provisionszahlungen in Höhe von 26,7 Mio EUR in Südkorea werden untersucht
--Zudem werden Zuwendungen an südkoreanische Militärs beleuchtet
--Tognum sichert Behörden uneingeschränkte Unterstützung zu
(NEU: Daimler-Stellungnahme im vorletzten Absatz)
Von Nico Schmidt
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Staatsanwaltschaft Ravensburg hat erstmals Details zu den möglichen Compliance-Verstößen beim Motorenhersteller Tognum öffentlich gemacht. Unter anderem werden Provisionszahlungen an Vertriebsvermittler in Südkorea in Höhe von rund 26,7 Mio EUR auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft, wie die Strafverfolgungsbehörde am Mittwoch mitteilte. Mehr als die Hälfte des Geldes, das zwischen 2000 und 2011 geflossen ist, floss nach Angaben der Ermittler auf Offshore-Konten.
Beleuchtet werden von der Staatsanwaltschaft zudem Zuwendungen an südkoreanische Militärs, etwa in Form von Reisen nach Thailand und Besuchen in Etablissements, für die zwischen 2000 und 2007 von den Vertriebsvermittlern und dem Unternehmen etwa 160.000 EUR ausgegeben wurden. Die Zahlung sei allerdings nur zu einem "kleineren Teil" von der Tognum-Tochter in Asien getätigt worden. Tognum wollte sich am Mittwoch nicht zu dem Sachverhalt äußern.
Bereits am Montag hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, wegen des Verdachts der Bestechung und Untreue Ermittlungen gegen einen amtierenden Tognum-Vorstand eingeleitet zu haben. Den Namen nannte weder die Staatsanwaltschaft noch Tognum selbst.
Die im Zentrum des Korruptionsverdachts stehende Tognum-Tochter MTU Asia Ltd wurde zwischen 2004 und 2010 von Peter Kneipp geleitet, der seit Anfang dieses Jahres auch Vorstandsmitglied der Tognum AG ist. Im Konzern verantwortet er die Geschäftsbereiche Engines und Onsite Energy und ist außerdem Geschäftsführer der MTU Friedrichshafen GmbH.
Laut Staatsanwaltschaft hat Tognum den Ermittlungsbehörden die "uneingeschränkte Unterstützung bei der Aufklärung" der Sache zugesichert. Der Aufsichtsrat des Unternehmens, das vor kurzem von Daimler und Rolls-Royce übernommen worden ist, wird sich den bisherigen Angaben zufolge am Donnerstag mit der Materie und den möglichen Konsequenzen beschäftigen.
Der Motorenbauer vom Bodensee hatte den Stein selbst ins Rollen gebracht und vergangene Woche die Staatsanwaltschaft über möglichen Unregelmäßigkeiten in Asien Kenntnis gesetzt. Tognum-Chef Joachim Coers gestand in einem im Intranet des Motorenherstellers veröffentlichten Interview mögliche Verstöße gegen interne Richtlinien ein und stellte das "sofortige Beenden von Missständen" in Aussicht.
Für Daimler hat sich die Sachlage durch das Bekanntwerden der Details nicht geändert. Man äußere sich nicht, da es eine Angelegenheit von Tognum sei, bekräftigte eine Sprecherin: "Wir gehen davon aus, dass Tognum den Fall mit höchster Sorgfalt zur Klärung bringen wird. Compliance ist von Daimler von zentraler Bedeutung". Teile der zwielichtigen Zahlungen fanden möglicherweise in der Phase statt, als die damalige MTU Friedrichshafen noch zu den Stuttgartern gehörte. Daimler hatte die Ex-Tochter 2005 an den schwedischen Finanzinvestor EQT verkauft, der die damalige MTU Friedrichshafen dann 2007 als Tognum an die Börse brachte.
Im Frühjahr folgte dann die "Rolle rückwärts": Daimler sicherte sich im Zuge eines 3,4 Mrd EUR schweren Übernahmeangebots gemeinsam mit Rolls-Royce fast alle Anteile des Traditionsunternehmens. Das deutsch-britische Duo will den Hersteller von Motoren unter anderem für Yachten, Panzer und Lokomotiven zu einem Marktführer für Industriemotoren weiterentwickeln.
-Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires,
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October 26, 2011 10:16 ET (14:16 GMT)
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