--Kernumsatz soll 2012 um zehn bis zwölf Prozent steigen
--Betriebsergebnis soll um 7,2 bis 11,5 Prozent zulegen
--Mittelfristige Prognose bleibt bestehen
(NEU: Mit Aussagen von der Bilanz-Pressekonferenz)
Von Jörn Rehren
DOW JONES NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die SAP AG erwartet für 2012 trotz der angespannten Konjunkturlage erneut deutliches Wachstum und Rekordgewinne. Damit setzt sich die Walldorfer Softwareschmiede sowohl von Unternehmen in der eigenen als auch in anderen Branchen ab. Branchenübergreifend ist die Tonlage angesichts der unvorhersehbaren Entwicklung der Staatsschuldenkrise und der verbreiteten Angst vor einer Konjunkturdelle meist eingetrübt, zumindest aber sehr vorsichtig. Nicht so bei SAP.
"Unser Geschäft entwickelt sich hervorragend", sagten die beiden Vorstandschefs Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott. Auf der Bilanz-Pressekonferenz erklärte Snabe, dass er aus Gesprächen mit Unternehmensführern durchaus die schwierige Situation der SAP-Kunden in einem unsicheren Umfeld kenne. Gerade in einem solchen Umfeld sei es jedoch wichtig für die Kunden, schnell zu wissen, wie das eigene Unternehmen laufe. SAP biete mit innovativer und schneller Software die Möglichkeit, gerade in schwierigen Zeiten die Effizienz zu steigern und Wachstum zu generieren.
Wachstumstreiber bei SAP sind laut Snabe vor allem mobile Dienstleistungen und die superschnelle Datenanalyse-Technologie HANA. Während der Softwarehersteller im Mobil-Bereich nach der Übernahme von Sybase die Marktführerschaft behaupten will, soll HANA, das laut Snabe nach Umsätzen am schnellsten wachsende SAP-Produkt aller Zeiten, künftig die Grundarchitektur für alle SAP-Anwendungen bilden. Vor allem in Asien sei die Nachfrage schon riesig, sagte McDermott.
Auch bei Internet-basierter Mietsoftware, dem so genannten Cloud-Computing, soll es mit dem geplanten Kauf von SuccessFactors schnell vorangehen. Die 3,4 Milliarden Dollar schwere Übernahme des kalifornischen Cloud-Spezialisten soll im ersten Quartal abgeschlossen werden. Ziel von SAP ist es, in diesem Bereich bis 2015 einen Umsatz von zwei Milliarden Euro zu erzielen. Außerdem wollen die Walldorfer mit ihrer Vertriebsmacht "der profitabelste Cloud-Anbieter werden", sagte Snabe, der darauf verwies, dass bisher noch niemand mit dieser Anwendung Geld verdiene.
Auf dieser Grundlage rechnet SAP für 2012 beim Kernumsatz, das sind Erlöse aus dem Verkauf von Software-Lizenzen und aus Wartungsdiensten, mit einem Anstieg um zehn bis zwölf Prozent. Dabei berücksichtigt sind bis zu zwei Prozentpunkte, die SuccessFactors beisteuern soll. Das Betriebsergebnis soll zwischen 5,05 und 5,25 Milliarden Euro liegen, was einem Plus von 7,2 bis 11,5 Prozent zu 2011 entspricht. Die Prognosen beziehen sich auf Geschäftszahlen, die um Wechselkurseinflüsse und Sondereffekte wie Akquisitionskosten und Aktienoptionsprogramme bereinigt sind.
Analysten bezeichnen diesen Ausblick als solide und den Erwartungen entsprechend. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten zuvor im Schnitt für 2012 bei den Kernumsätzen ein Plus von rund neun Prozent erwartet, beim Betriebsergebnis einen Anstieg um gut elf Prozent. Für Thomas Becker, Analyst bei der Commerzbank, ist jetzt vor allem die Frage, ob der Ausblick als konservativ gesehen wird oder nicht.
Der Optimismus bei SAP wirkt sich auch mittelfristig aus. "Damit sind wir auf dem besten Weg, bis 2015 unser Umsatzziel von 20 Milliarden Euro zu übertreffen und eine operative Marge von 35 Prozent zu erreichen", sagte Finanzvorstand Werner Brandt. Er betonte, dass man an dem Margenziel trotz des verwässernden Effekts aus der Übernahme der noch nicht profitablen SuccessFactors festhalte. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 14,2 Milliarden Euro und die Marge bei 33,1 Prozent.
Dabei war Europas größter Softwarekonzern schon zuletzt erstaunlich gut durch konjunkturell schwierige Zeiten gekommen und hat insbesondere den Erzrivalen Oracle und andere Software-Anbieter wie die Software AG hinter sich gelassen. Vor zwei Wochen hatte der DAX-Konzern bereits vorab Rekordergebnisse für das vierte Quartal mitgeteilt, die er nun bestätigte. Unter anderem stiegen die Softwareerlöse, die für die Zukunft stabile Wartungsumsätze generieren und deshalb von Analysten stark beachtet werden, um 16 Prozent auf 1,74 Milliarden Euro. Die eigenen Umsatz- und Margenziele für 2011 hat SAP übertroffen. Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn stieg im vergangenen Jahr um knapp ein Viertel auf 3,37 Milliarden Euro.
Die SAP-Aktie konnte am Mittag allerdings nicht von dem Optimismus des Konzerns profitieren. Wie der Gesamtmarkt verlieren SAP-Aktien am Mittag 0,6 Prozent auf 44,13 Euro. Immerhin haben SAP-Aktien seit Jahresbeginn um rund 8 Prozent zugelegt, nachdem sie im Vorjahr viertgrößte Gewinner im deutschen Standardindex waren.
-Von Jörn Rehren, Dow Jones Newswires,
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January 25, 2012 06:36 ET (11:36 GMT)
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