--Software AG verfehlt eigene Umsatz- und Ergebnisprognose
--Grund ist vor allem Kaufzurückhaltung in den USA
--Aktie bricht um 20 Prozent ein
(NEU: durchgehend neu mit weiteren Details und Aussagen aus dem Analystencall)
Von Jörn Rehren
Dow Jones NEWSWIRES
DARMSTADT (Dow Jones)--Debakel für die Software AG: Die Kaufzurückhaltung vor allem der amerikanischen Kunden hat dem Darmstädter Softwareunternehmen das vierte Quartal verhagelt. Das schwierige konjunkturelle Umfeld veranlasst die Unternehmen offenbar, Investitionen zumindest zurückzustellen. Ihre Jahresprognosen kann die Software AG deshalb nicht erreichen. Die Aktie reagiert nach der überraschenden Warnung mit einem kräftigen Kurssturz und bricht am Vormittag um rund 20 Prozent auf 24,36 Euro ein.
Der Nettogewinn des MDAX-Konzerns ist im Schlussquartal um etwa ein Viertel eingebrochen. Nach ersten Schätzungen soll er bei 45 bis 50 Millionen Euro liegen, während im Vorjahreszeitraum noch 65 Millionen Euro zu Buche standen. Zur Erfüllung der eigenen Jahresprognose, in der eine Gewinnsteigerung um 10 bis 15 Prozent in Aussicht gestellt worden war, hätte die Software AG im vierten Quartal unter dem Strich mindestens 68 Millionen Euro verdienen müssen.
Der Umsatz im Schlussvierteljahr sank auf 290 bis 295 Millionen Euro, nachdem der Konzern im Vorjahr noch 327 Millionen Euro erzielt hatte. Die Konsensschätzung der Analysten lag leicht über dem Vorjahreswert. Das Gesamtjahr hat das Unternehmen nach eigenen Angaben voraussichtlich mit währungsbereinigt stabilen Erlösen von 1,1 Milliarden Euro abgeschlossen. In Aussicht gestellt hatten die Darmstädter aber ein Wachstum von zwei bis fünf Prozent.
Die Umsatzflaute betrifft beide wichtigen Konzernbereiche. Im Wachstumssegment BPE, in dem Integrations- und Prozess-Software angeboten wird, lagen die Produkterlöse mit 97 bis 100 Millionen Euro knapp unter dem Vorjahresniveau. Dabei peilt die Software AG hier normalerweise zweistellige Steigerungsraten an. Grund für die Enttäuschung sind erhebliche Umsatzrückgange in den USA, die auch durch starkes Wachstum bei den Lizenzerlösen im erweiterten Europa (EMEA) nicht kompensiert wurden.
Die Schwäche in den USA will die Software AG laut Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Streibich unter anderem mit einer neuen US-Einheit beheben. Diese soll formale Vorgaben erfüllen, die es den Darmstädtern ermöglichen, endlich auch bei lukrativen Aufträgen des öffentlichen Sektors in den USA zum Zuge zu kommen. Angesichts des starken Lizenzwachstums in Europa sieht Streibich den BPE-Bereich aber weiter als Wachstumstreiber, der zuvorderst organisch wachsen soll.
Im traditionellen Geschäftsbereich ETS, der 'cash cow' des Unternehmens, ist laut Software AG dagegen der saisonal übliche Umsatzschub im vierten Quartal ausgeblieben. Statt eines stabilen Produktumsatzes, der für diesen Bereich angestrebt wird, brach dieser um gut ein Viertel auf 83 bis 85 Millionen Euro ein. Grund sei ein wegen struktureller Umstellungen erwarteter starker Umsatzrückgang in Brasilien, der in den übrigen Regionen nicht ausgeglichen wurde.
Jonathan Crozier, Analyst bei der WestLB, verweist auf Aussagen der Software AG im Oktober, dass einige Kunden Preissenkungen forderten. Diese habe das Unternehmen jedoch in dem Glauben verweigert, dass die Kunden letztlich doch zahlen würden. Dies scheint ein Trugschluss gewesen zu sein. Vor allem in der Finanzindustrie hätten sich die Kunden wegen der schwierigen Konjunkturlage stark zurückgehalten, sagte Streibich.
Die Software AG scheint damit ähnliche Erfahrungen auf dem IT-Markt zu machen wie Oracle. Der US-Softwareriese hatte kurz vor Weihnachten ebenfalls Warnsignale ausgesendet und bei den Lizenzumsätzen lediglich ein Plus von 2 Prozent gemeldet. Nach Aussage der Finanzchefin waren etliche Verträge zum Ende des im November endenden Quartals nicht mehr unterzeichnet worden. Offenbar sorgt die wachsende konjunkturelle Unsicherheit dafür, dass die Unternehmen Investitionsentscheidungen nochmals überprüfen oder verschieben.
Der deutsche Branchenprimus SAP hatte dagegen nach dem Rekordergebnis im dritten Quartal weiter Optimismus verbreitet und trotz der drohenden Konjunkturschwäche auch im Herbst von einem guten Geschäftsverlauf gesprochen. Die Walldorfer dürften sich in den nächsten Tagen dazu äußern, wie ihr traditionell starkes Schlussquartal tatsächlich gelaufen ist.
-Von Jörn Rehren, Dow Jones Newswires,
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(Matthias Goldschmidt hat zu der Meldung beigetragen)
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January 10, 2012 06:27 ET (11:27 GMT)
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