--Britische Tochter geht an die International Airlines Group
--Verkauf rechnet sich für Lufthansa in rund einem Jahr
--Lufthansa weist bmi-Zahlen 2011 nicht mehr im operativen Ergebnis aus
(NEU: IAG, Analysten, Aktienkurs, weitere Details)
Von Kirsten Bienk
Dow Jones NEWSWIRES
HAMBURG (Dow Jones)--Die Deutsche Lufthansa wird nicht länger auf den Verlusten ihrer defizitären Tochter British Midland International (bmi) sitzen bleiben. Deutschlands größte Airline verkauft bmi zwar mit Verlust. Der DAX-Konzern entlastet aber seine Bilanz um einen dicken Brocken. Stimmt die Europäische Kommission dem Deal zu, kann die Lufthansa dieses Kapital innerhalb des ersten Quartals 2012 schließen. Am ihrem Ausblick ändert die Airline allerdings nichts.
Die britische Fluglinie bmi geht für einen Bruttokaufpreis von umgerechnet rund 207 Mio EUR an die International Airlines Group (IAG). Mitbewerberin Virgin Atlantic Airways unterlag mit ihrem Gebot. Gewinn macht die Frankfurter Fluglinie mit dem Geschäft jedoch nicht: Unter Berücksichtigung der vereinbarten Anpassungen wird der Nettokaufpreis den weiteren Angaben vom Donnerstag zufolge voraussichtlich deutlich negativ sein. Grund dafür ist unter anderem der Pensionsfonds von bmi, den eine britische Holdinggesellschaft von Lufthansa übernimmt.
Lufthansa hatte bmi Ende 2009 vollständig übernommen. Einen Gewinn lieferte das Sorgenkind aber bis heute nicht ab. In jüngster Zeit leidete die Airline besonders unter den politischen Unruhen in Nordafrika und das ausbleibende Interesse an Flügen in diese Region.
Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Christoph Franz zeigte sich über den Abschluss des bindenden Vertrages zufrieden. Kunden, Aktionäre und Mitarbeiter der Airline würden künftig von einem geschärften Unternehmensprofil und einer stärkeren finanziellen Aufstellung des Konzerns profitieren, betonte er. Beides sieht der CEO als Voraussetzungen für profitables Wachstum. Den Verkauf an IAG, der Dachgesellschaft von British Airways und Iberia, bezeichnete er als nachhaltigste Zukunftsperspektive für die britische Tochter. Der Deal soll sich in rund einem Jahr amortisieren.
In der Bilanz von Lufthansa führt die Vereinbarung bereits im laufenden Jahr zu einer Veränderung. Die Zahlen von bmi laufen 2011 nicht mehr in das operative Ergebnis des Konzerns ein, sondern sind im Ergebnis aus nicht fortzuführender Geschäftstätigkeit zu finden. Für Lufthansa bedeutet dies, dass das operative Ergebnis 2011 nun besser ausfällt als geplant. bmi hatte allein in den ersten neun Monaten einen Verlust von 154 Mio EUR eingeflogen. Eine Veränderung der Gesamtjahresprognose nimmt das Management dennoch nicht vor. Das Unternehmen rechnet weiterhin mit einem operativen Ergebnis im oberen dreistelligen Mio-EUR-Bereich.
Der Markt reagierte positiv auf diese Entwicklung. Der Verkauf bedeute das Ende eines verlustbringenden Engagements, sagte Heino Ruland von Ruland Research. Ein sehr positives Kursmomentum erwartet er jedoch nicht. "Es gibt wichtigere Dinge für die Lufthansa", sagte der Analyst mit Verweis auf das am Vortag ergangene Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu den Emissionsrechten. Hier könnte sich langfristig eine Konfrontation mit den USA und den Schwellenländern anbahnen. Für Lufthansa seien mögliche protektionistische Maßnahmen dieser Länder kritisch, da es sich um lukrative Ziele handele.
Der Kurs der Lufthansa-Aktie stieg bis 13.10 Uhr in einem freundlichen Umfeld um 1,2% auf 9,13 EUR.
Silvia Quandt Research sprach ebenfalls von einer positiven Nachricht. Hier rechnet man damit, dass das operative Ergebnis des Konzerns 2011 um 200 Mio EUR höher ausfällt als erwartet. Auch 2012 prognostizieren die Analysten angesichts der wegfallenden Belastungen durch bmi eine deutlich bessere operative Entwicklung. Zwar werde Lufthansa bei dem Geschäft voraussichtlich einen Verlust verbuchen, langfristig überwögen aber die positiven Effekte.
Für die Käuferin IAG sind vor allem die zahlreichen Start- und Landerechte von bmi am Londoner Flughafen Heathrow interessant, denn diese sind Mangelware. Dieser Slot-Anteil von 10% könnte nach Einschätzung von Marktbeobachtern dazu führen, dass die EU-Kommission einen sehr genauen Blick auf das Vorhaben wirft und den Kauf erst genehmigt, wenn IAG einige Rechte zugunsten anderer Wettbewerber veräußert. Denn durch den Zukauf würde IAG rund 53% alle Start- und Landerechte in Heathrow halten.
Genau dieser Aspekt ist der unterlegenen Bieterin Virgin Atlantic ein Dorn im Auge. Die Airline von Richard Branson kündigte umgehend Protest gegen diese Entwicklung an und begründete dies mit Nachteilen für Kunden, Industrie und Großbritannien.
IAG rechnet indes damit, dass die EU-Kommission das Vorhaben durchwinkt. CFO Enrique Dupuy De Lome Chavarri begründete seine positive Einschätzung mit entsprechend hohen Marktanteilen anderer großer Carrier. Seinen Angaben zufolge verfügt Lufthansa an ihrem Heimatflughafen in Frankfurt über 66% aller slots, Air France-KLM in Paris-Charles de Gaulle über 59%.
-Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires;
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December 22, 2011 07:15 ET (12:15 GMT)
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