20.03.2012 14:00
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UPDATE2: Neuer Metro-Chef setzt erste Akzente - Wachstum im Fokus

   --Flächenbereinigtes Wachstum oberste Priorität

   --Maßnahmen gehen auf Kosten des Ergebnisses

   --Gewinn wird 2012 stagnieren

   --Umsatz- und Ergebnisrückgang 2011

   (Durchgehend neu)

Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES DÜSSELDORF (Dow Jones)--Der neue Chef des Handelskonzerns METRO setzt erste Duftmarken. Mit einem Mehrpunkteplan will Olaf Koch die verbesserungswürdige Produktivität des Düsseldorfer Unternehmens steigern und das erreichen, was sein Vorgänger Eckhard Cordes nicht schaffte: Ein flächenbereinigtes Umsatzwachstum. Dies wird jedoch auf Kosten des Ergebnisses gehen. Die Gewinne dürften daher in diesem Jahr stagnieren, auch weil der konjunkturelle Rückenwind fehlt.

   Investoren zeigten sich unentschieden, wie sie den ersten öffentlichen Auftritt Kochs in seiner neuen Rolle beurteilen sollen. Die Aktie startete am Dienstagmorgen im Minus, avancierte danach kurzfristig mit mehr als zwei Prozent Plus zu einem der größten DAX-Gewinner, um einen Großteil der Kurszuwächse später wieder abzugeben. Marktbeobachter bemängelten den eher mauen Ausblick. Analysten von J. P. Morgan bescheinigten dem Konzern strukturelle Defizite in den wichtigsten Vertriebslinien Cash & Carry und Media-Saturn. Die Wachstumsstrategie von Koch dürfte ihrer Meinung nach teuer werden.

   Koch redete bei seiner ersten Bilanzpressekonferenz nicht um den heißen Brei: "Wir haben unsere Ziele nicht erreicht." So habe sich das wirtschaftliche Umfeld in der zweiten Jahreshälfte deutlich eingetrübt. Ein enttäuschendes Weihnachtsgeschäft sorgte letztendlich dafür, dass Umsatz und Ergebnis im vergangenen Jahr sanken: Die Erlöse nahmen um 0,8 Prozent auf 66,7 Milliarden Euro ab, das operative Ergebnis vor Sonderfaktoren (EBIT) ging um 1,8 Prozent auf 2,37 Milliarden Euro zurück. Dennoch will Metro eine unveränderte Dividende von 1,35 Euro je Aktie zahlen.

   Insbesondere die Staatsschuldenkrise, eine hohe Arbeitslosigkeit und die Sparprogramme in vielen Ländern Europas führten zu einer Kaufzurückhaltung der Kunden. Vor allem das vierte Quartal, in das das wichtige Weihnachtsgeschäft fällt, enttäuschte. Umsatz und Ergebnis sanken in allen Vertriebslinien. Metro sei dennoch vorangekommen, betonte Koch: So wurden Online- und Multi-Channel in allen Vertriebslinien intensiviert, die Eigenmarken gestärkt, in neue Formate wie etwa Drive-in investiert und Vertriebsaktivitäten und Service ausgebaut. Diese Themen sollen weiter vorangetrieben werden.

   Dennoch: "Wir sind mitnichten da, wo wir sein wollen", gab sich Koch, der bis Jahresende noch Finanzvorstand war, selbstkritisch. So sei es nicht gelungen, die Umsatzproduktivität zu erhöhen. Dieses Ziel stehe nun auf der Prioritätenliste ganz oben. "Wir haben unsere Kostenziele mit Shape erreicht, sehen aber noch viel Potenzial in der Produktivität", sagte Koch. So setzt er auch auf Preissenkungen, um wettbewerbsfähig zu werden.

   Ein neues Restrukturierungsprogramm a la Shape 2.0 soll es jedoch nicht geben. Mit Shape 2012 hatte Vorgänger Cordes vor allem die Kosten getrimmt. Mehrere tausend Stellen fielen dem Programm zum Opfer. Das Thema Effizienz behält Koch weiter im Blick, das Thema soll stetig vorangetrieben werden, jedoch ohne aufwändige Programme. Sowohl bei Fix- als auch bei variablen Kosten sieht er hier Potenzial.

   Weiterhin soll die Expansion beschleunigt werden. Hier setzt Metro unverändert auf Asien und Osteuropa. Über 100 Neueröffnungen sind für dieses Jahr geplant, die Investitionen liegen mit 2 Milliarden Euro nur knapp unter dem Vorjahresniveau.

   Im Mittelpunkt des Koch'schen Konzeptes stehen aber die beiden Vertriebslinien Cash & Carry sowie Media-Saturn. Das Großhandelsgeschäft hat bereits die Management-Strukturen neu geordnet und bisher nach Regionen getrennte Bereiche unter der Leitung von Vorstandsmitglied Frans Muller zusammengeführt. Auch hier zeigte sich Koch selbstkritisch: "Die Organisation, die wir vor zwei Jahren eingeführt haben, hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht." Cash & Carry hat für Metro die größte Bedeutung: Rund die Hälfte des Gesamtumsatzes entfallen auf das Großhandelsgeschäft, beim Ergebnis sind es sogar rund 60 Prozent.

   Bei Cash & Carry will Koch nun den Eigenmarkenanteil mittelfristig auf über 20 Prozent erhöhen, Dienstleistungen wie etwa der Belieferungsservice sollen ausgebaut, Kosten gesenkt und Preise wettbewerbsfähig gestaltet werden. Dabei stellt Metro acht Länder in den Mittelpunkt: China, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Russland und Kasachstan sowie die Türkei und Spanien. Diese Länder sieht er mit Blick auf zukünftiges Marktwachstum und die strategische Bedeutung ganz vorne - auch wenn mit Italien und Spanien zwei Staaten dabei sind, die derzeit besonders unter der Staatsschuldenkrise leiden.

   Zweites Standbein ist die Elektronik-Tochter Media-Saturn, die vergangenes Jahr mit einem umfassenden Restrukturierungsprogramm begonnen hat. Media-Saturn hatte zunächst den Internetboom verschlafen. Diesen Fehler merzt der Konzern derzeit aus. Neue Onlineshops und ein Multichannelkonzept sollen dabei helfen, die Elektroniktochter in einem schwierigen Umfeld wieder nach vorne zu bringen. Koch kündigte dabei ein aggressives Vorgehen an: "Wir wollen aus dem Verdrängungswettbewerb als Sieger hervorgehen." Media-Saturn soll die verlorene Kostenführerschaft zurückerobern und wettbewerbsfähige Preise erreichen. Dabei orientiert sich das Unternehmen nicht am günstigsten Tagespreis im Internet - was ruinös wäre - sondern am durchschnittlichen Internetpreis.

   Das alles wird kosten - wieviel, ließ Koch offen. Die Kosten dürften sich kurzfristig in den Ergebnissen widerspiegeln. Hier erwartet der Konzern im laufenden Jahr bei steigenden Umsätzen eine Stagnation der Gewinne. Erst 2013 sollen neben den Erlösen auch das Ergebnis unter dem Strich wieder steigen.

   Um die Planungssicherheit zu erhöhen, will Metro ab 2013 das Geschäftsjahr umstellen. Ähnlich wie andere Handelskonzerne - etwa die Douglas Holding AG - soll das Geschäftsjahr statt analog zum Kalenderjahr künftig vom 1. Oktober bis zum 30. September laufen. Damit würde das wichtige Weihnachtsgeschäft, das den Löwenanteil zum Gewinn beiträgt, in das erste Quartal fallen.

   Weiter in den Hintergrund rücken die beiden anderen Metro-Vertriebslinien Kaufhof und Real. Insbesondere Kaufhof würde Koch ebenso wie sein Vorgänger Cordes gerne abgeben - aber nur unter bestimmten Bedingungen, die der Manager derzeit als nicht gegeben sieht. So lasse das Kapitalmarktumfeld einen Verkauf nicht zu, machte Koch klar. Einen Zeitrahmen für einen Verkauf wollte Koch nicht nennen: "Aktuell herrscht Sendepause."

   "Womöglich hat das Geschäft bessere Perspektiven außerhalb des Metro-Konzerns", sagte Koch jedoch. Vielleicht sei Metro der falsche Eigentümer. So liege die Kapitalrendite deutlich unter denen der Kerngeschäfte Cash & Carry oder Media-Saturn. Nach Ansicht von Koch wäre es der falsche Weg, Mittel aus den anderen Bereichen abzuziehen, um Kaufhof auf Augenhöhe zu bringen.

   Koch betonte aber, dass Kaufhof ein kerngesundes Geschäft sei: "Wir sind glückliche Eigentümer". Metro werde die Warenhaustochter nicht unter Wert verkaufen. Die Düsseldorfer versuchen seit Jahren, Kaufhof zu verkaufen, weil sich die Warenhauskette nicht internationalisieren lässt und damit weniger Wachstumsperspektiven hat als etwa Cash & Carry oder Media Saturn. Ein Verkauf war zuletzt Anfang des Jahres aufgrund des schwachen Kapitalmarktumfeldes geplatzt.

   Auch ein möglicher Verkauf der SB-Warenhaustochter Real scheint noch nicht vom Tisch. Seine Renditevorgaben hat der Geschäftsbereich noch nicht erreicht. In den nächsten Monaten müsse darüber gesprochen werden, ob die Ziele mittelfristig erreichbar seien, sagte Koch. Er halte dies für möglich. Eine Portfoliodiskussion über Real wolle er hier aber noch nicht beginnen.

   Womöglich auch in diesem Zusammenhang fällt eine Personalie: Der für Real zuständige Vorstand Joel Saveuse wird Metro zum 31. März verlassen. Koch selbst übernimmt nun zusätzlich die Verantwortung für Real. Der Vorstand besteht damit neben Koch aus Mark Frese (Finanzen), Heiko Hutmacher (Personal) und Frans Muller (Cash & Carry).

   Der 59-jährige Franzose Saveuse war seit 2008 im Vorstand. Koch wollte den Rückzug von Saveuse nicht kommentieren, dankte ihm aber für die Arbeit bei der SB-Warenhauskette. Saveuse hatte sich vergangenes Jahr erfolglos um die Nachfolge von Eckhard Cordes als Vorstandsvorsitzender beworben, der nach monatelangen Querelen um seine Vertragsverlängerungen das Handtuch geworfen hatte.

-Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires, +49 69 29725119, natali.schwab@dowjones.com DJG/nas/jhe (END) Dow Jones Newswires

   March 20, 2012 08:29 ET (12:29 GMT)

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