--Frankfurter Flughafen wird Donnerstag und Freitag bestreikt
--Fraport und Airlines rechnen mit hohen Ausfällen
--Gewerkschaft hofft auf schnelles Einlenken von Fraport
--Ausländische Airlines kaum betroffen
(NEU: weitere Details, Hintergrund)
Von Kirsten Bienk
Dow Jones NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Chaotische Zustände herrschen ab heute Nachmittag auf dem Frankfurter Flughafen. Der Streikaufruf für rund 200 Beschäftigte auf dem Vorfeld und in der Verkehrszentrale wird spätestens ab 15 Uhr das plangemäße Starten und Landen der Maschinen verhindern. Flughafenbetreiber und Airlines arbeiten mit Hochdruck daran, die Auswirkungen zu minimieren. Hohe Flugausfälle und Verspätungen werden aber nicht zu verhindern sein. Fraport prüft derzeit auch, ob ein Gericht den Streik noch stoppen kann.
Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), in der 190 der insgesamt 200 Beschäftigten engagiert sind, sieht schwarz für einen geregelten Flugbetrieb. Sie geht davon aus, dass heute höchstens 10 bis 15 Prozent aller geplanten Flüge abgewickelt werden können.
Die Beschäftigten auf dem Vorfeld und in der Verkehrszentrale gehören mit zu den wichtigsten Personen auf dem Rhein-Main-Drehkreuz. Sie sind dafür verantwortlich, dass die Flugzeuge die richtigen Wege zu den Start- und von den Landebahnen nehmen und auf den richtigen Parkpositionen zum Halten kommen. Außerdem kontrollieren sie Start- und Landebahnen auf Beschädigungen.
Der Flughafen-Betreiber Fraport versucht nun, dieses Nadelöhr am Donnerstag und Freitag zu umgehen. Das Unternehmen hat ehemalige Mitarbeiter dieser Arbeitsbereiche verpflichtet und andere Beschäftigte geschult. Abstriche an der Sicherheit gebe es nicht, sagte Sprecher Mike Schweitzer. Wie viele Mitarbeiter Fraport als Ersatz einsetzt, sagte er aber nicht.
Die Gewerkschaft bezweifelt dagegen, ob die nach ihrer Auffassung gut ausgebildeten Mitarbeiter so einfach durch andere Beschäftigte der Fraport ersetzt werden könnten. Dies sei zumindest nicht möglich, ohne jedenfalls die Sicherheit zu gefährden.
Der Flughafenbetreiber ist aber zuversichtlich, an beiden Tagen mehr als die Hälfte aller Starts und Landungen durchführen zu können. Trotzdem spricht auch er von "massiven" Störungen des Flugbetriebs. Lufthansa hat für Donnerstag vorsorglich schon einmal für den Zeitraum von 15 bis 23 Uhr 50 von 158 aus Frankfurt abgehenden Verbindungen gestrichen. Sie will ihren Kunden eine möglichst große Planungssicherheit geben. Wie viele Flüge Deutschlands größte Airline am Freitag in Frankfurt abwickeln kann, entscheidet sich erst im Laufe des Tages. Aus diesem Grund mag die Airline auch noch keine Angaben über Umsatz- und Ergebniseinbußen machen.
Die großen ausländischen Fluggesellschaften sind von dem Streik am Frankfurter Flughafen kaum betroffen. Die beiden US-Gesellschaften Delta Air Lines und American Airlines führen planmäßig ohnehin während des Streiks am Donnerstagnachmittag weder Ab- noch Anflüge durch. Auch die französische Fluggesellschaft Air France erwartet durch den Streik kaum Auswirkungen auf ihren Flugbetrieb. Allerdings würde das Unternehmen seine Flugzeuge sicherheitshalber mit mehr Benzin versorgen. Verspätungen seien möglich.
Die Gewerkschaft hatte heute früh mitgeteilt, dass Fraport bisher auf die Forderungen nicht reagiert habe und der Arbeitskampf deswegen am Freitag zwischen 8 und 22 Uhr fortgesetzt werden soll. Es liegt nach Angaben der Arbeitnehmer allein in den Händen von Fraport, dieses Chaos zu verhindern beziehungsweise schnell zu beenden. Der Flughafenbetreiber hatte in der laufenden Tarifauseinandersetzung den vom Schlichter vorgeschlagenen Kompromiss abgelehnt. Die Gewerkschaft hatte seine Empfehlungen indes angenommen. Um ihren Forderungen nun Nachdruck zu verleihen und Fraport zur Annahme des Schlichterspruchs zu bewegen, will die Gewerkschaft streiken.
Die Gewerkschaft weist Forderungen des Flughafenbetreibers nach einer Rückkehr an den Verhandlungstisch zurück. Die Gewerkschaft habe ja den Kompromiss des Schlichters angenommen und sich damit auf den Arbeitgeber zubewegt.
Fraport sieht dies anders. Sie wirft ihren Beschäftigen Kompromisslosigkeit vor. Der Flughafenbetreiber habe den Spruch des Schlichters nicht annehmen können, weil er zu nahe an den überzogenen Forderungen der Gewerkschaft liege. Aus diesem Grund sei eine Annahme auch weiterhin nicht möglich.
Möglich dagegen hält Fraport Verhandlungen mit der Gewerkschaft, und für diese zeigte sich der Flughafenbetreiber auch weiterhin bereit. Allerdings sollen die Arbeitnehmer dann von ihren bisherigen Forderungen nach höheren Gehältern und veränderten Arbeitszeiten Abstand nehmen. Die Forderungen seien extrem hoch und würden in keinem Verhältnis zu vergleichbaren Tätigkeiten in anderen Bereichen stehen.
Unverständnis für den Streik zeigte auch Lufthansa. Die Fluggesellschaft ist an den Tarifverhandlungen nicht beteiligt, leidet aber unter den Auswirkungen. Aus diesem Grund wiederholt Lufthansa ihre Forderungen an die Politik. Wenn ein Streik von so wenig Beschäftigten so gravierende Auswirkungen auf Unbeteiligte habe, müsste es neue Spielregeln für Arbeitskämpfe beziehungsweise deren Reichweite geben, sagte eine Sprecherin.
- Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires;
+49 (0) 40 3574 3116, kirsten.bienk@dowjones.com
(Hans Bielefeld in Frankfurt hat an der Meldung mitgewirkt.)
DJG/kib/kla
(END) Dow Jones Newswires
February 16, 2012 06:20 ET (11:20 GMT)
Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 06 20 AM EST 02-16-12