-- Konjunkturelle Eintrübung belastet laufendes Geschäftsjahr
-- Gutes Ergebnis des Vorjahres wird wohl nicht erreicht
-- Vorstand dennoch nicht in Krisenstimmung
(NEU: Weitere Aussagen von Willbrandt)
Von Kirsten Bienk
DOW JONES NEWSWIRES
HAMBURG (Dow Jones)--Es ist kein leichtes Erbe, was Peter Willbrandt am 1. Januar als oberster Aurubis-Manager angetreten hat. Sein Vorgänger Bernd Drouven verabschiedete sich mit einem Gewinnsprung von Europas größtem Kupferhersteller. Doch zuletzt zeigten sich bereits die ersten Spuren konjunktureller Unsicherheit. Der neue Chef verzichtet deshalb vorerst auf konkrete Ziele, bezeichnet das "sehr gute" operative Vorjahresergebnis aber als nicht erreichbar. Schwarz sieht er dennoch nicht, der operative Gewinn soll 2011/12 robust und zufriedenstellend werden.
Gute Nachfrage nach Kupferprodukten, hohe Schmelzlöhne und gestiegene Verkaufspreise haben Aurubis im abgelaufenen Geschäftsjahr geholfen. Drouven hatte für die zwölf Monate bis Ende September einen Anstieg des operativen Vorsteuerergebnisses (EBT) auf deutlich mehr als 260 Millionen Euro in Aussicht gestellt und erreichte 292 Millionen Euro. Damit schnellte die zentrale Kennziffer des Konzerns um 84 Prozent in die Höhe. Der Umsatz stieg um mehr als ein Drittel.
Analysten hatten dies nicht ganz für möglich gehalten. Sie waren im Konsens auf ein operatives Ergebnis von 290 Millionen Euro gekommen. Ihre Prognose über die zu erwartende Dividende ging indes vollkommen daneben. Sie hatten im Mittel auf 1,41 Euro gesetzt. Aurubis will aber nur 1,20 Euro und damit ein Fünftel mehr als im Vorjahr zahlen. Für Willbrandt ist diese Ausschüttung ein gelungener Kompromiss zwischen dem guten Ergebnis des abgelaufenen Jahres und den Unsicherheiten, die die Eurokrise nun mit sich bringt.
Diese Unsicherheiten spürte Aurubis bereits im Schlussquartal durch die Zurückhaltung einiger Kunden. Außerdem reagierte der Kupferpreis bereits von Juli bis September auf die sich ausweitende Eurokrise. Als empfindlicher Indikator sanken die Preise des roten Metalls und wirkten sich auch auf die Ergebnisse der Hamburger aus. Dies lässt sich besonders an den Zahlen nach dem geltenden Rechnungslegungsstandard IFRS ablesen, da hier Metallbestände nach den jeweiligen Marktpreisen bewertet werden müssen.
So sank das IFRS-Vorsteuerergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 140 Prozent. Auf operativer Ebene, bereinigt um die Auswirkung der sinkenden Metallpreise, stieg diese Kennzahl aber um 99 Prozent.
Das IFRS-Ergebnis des abgelaufenen Gesamtjahres enthält zudem Bewertungseffekte aus dem Kauf eines Geschäftsbereiches von Luvata. Das Vorsteuerergebnis (EBT) sank deswegen um 6 Prozent und führte zu einem Rückgang des Gewinns je Aktie um 8 Prozent auf 7,33 Euro.
Für das laufende Geschäftsjahr bereitet sich der neue Vorstandsvorsitzende auf anhaltende Unwägbarkeiten vor. "Wir werden angesichts der unsicheren Entwicklungen im Umfeld unsere Strategie weiter verfolgen und an unserem Ziel, die Stärken im Unternehmen auszubauen, Chancen zu nutzen und die Widerstandsfähigkeit zu verbessern, festhalten", erklärte Willbrandt bei der Vorlage der Jahreszahlen. Nicht oder schwierig zu beherrschende Risiken, wie sie aus der Energiemarkt- und Konjunkturentwicklung entstehen, könnten dies allerdings erschweren.
Der Aurubis-Chef mochte die weitere Entwicklung nicht im Detail prognostizieren. Da keiner wisse, wie sich die Eurokrise weiterhin gestalte, könnte er auch die Auswirkungen auf das Geschäft nicht vorhersagen. Im Vergleich zur globalen Finanzkrise der Vergangenheit seien die Märkte aber gegenwärtig deutlich stabiler. Deswegen sehe er keinen Anlass zum Pessimismus.
Das können Analysten nur teilweise nachvollziehen. MM Warbung hatte im Viertquartal einen höheren operativen Gewinn erwartet und zeigte sich deswegen enttäuscht. Hauck & Aufhäuser bezeichnen die Zahlen des Schlussvierteljahres als gut und hoben ihr Gewinnziel an.
- Von Kirsten Bienk, Dow Jones Newswires,
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January 19, 2012 07:45 ET (12:45 GMT)
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