--Umsatz und Gewinn schrumpfen spürbar
--Infineon sieht aber Zeichen der Stabilisierung
--Gesamtjahresprognose bekräftigt
(NEU: Zusammenfassende Berichterstattung mit Aussagen aus Telefonkonferenz)
Von Nico Schmidt
Dow Jones NEWSWIRES
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Konjunkturflaute hat dem Chiphersteller Infineon das Leben zum Auftakt des neuen Geschäftsjahres erwartungsgemäß schwer gemacht. Wegen der schwächeren Nachfrage nach Leistungshalbleitern für Industrieanwendungen und für Bezahlkarten sanken sowohl die Erlöse als auch die Gewinne im ersten Quartal 2011/12 deutlich, wobei das Unternehmen sich besser schlug als befürchtet. Es dürfte aber schon bald wieder aufwärts gehen: Der DAX-Konzern sieht Anzeichen einer Stabilisierung in den zuletzt eher schlecht laufenden Märkten.
Die Einnahmen des Chipherstellers schrumpften zwischen Oktober und Dezember im Vergleich zum Vorquartal wegen der Kaufzurückhaltung unter anderem der chinesischen Kunden um knapp ein Zehntel auf 946 Millionen Euro. Mit dem Umsatz gaben auch die Gewinne merklich nach: In den Segmenten Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit verdiente Infineon mit 141 Millionen Euro ebenso etwa ein Viertel weniger wie unterm Strich mit 96 Millionen Euro. Die operative Marge sank damit auf 15 Prozent.
Mit den vorgelegten Zahlen schnitt der Chiphersteller erwartungsgemäß ab, Umsatz und operatives Ergebnis lagen sogar ein Stück über den Analystenschätzungen und den eigenen Prognosen. Infineon selbst hatte im November für das Auftaktquartal ein prozentual zweistelliges Erlösminus und einen Margenrückgang auf 13 bis 14 Prozent in Aussicht gestellt. Den schwächer als befürchtet ausgefallenen Gewinnrückgang begründeten die Neubiberger mit niedrigeren Ausgaben für Forschung- und Entwicklung.
Entsprechend gut kommen die Zahlen am Markt an: Die Infineon-Aktie setzte sich am Morgen an die Spitze des deutschen Leitindex Dax und gehört aktuell mit einem Plus von 5,1 Prozent auf 7,33 Euro zu den größten Tagesgewinnern. Die Ergebnisse seien in allen Segmenten etwas besser als erwartet ausgefallen, sagte Cheuvreux-Analyst Bernd Laux.
"Infineon ist trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds weiterhin sehr profitabel", sagte Vorstandschef Peter Bauer. "Wir haben uns besser entwickelt als der Wettbewerb". Die Ergebnisse bestätigten die Strategie, sich auf weniger volatile Geschäftsbereiche zu konzentrieren
Die Halbleiterindustrie ist Zulieferer für viele andere Branchen und gilt daher als sehr anfällig für Konjunkturschwankungen. Auch wenn Infineons Geschäft seit der Trennung von der insolventen Speicherchiptochter Qimonda und dem Verkauf der Wireless-Sparte nach eigenem Bekunden mittlerweile weniger sensibel auf Wirtschaftsschwankungen reagiert, wirken sich Konjunkturdellen nach wie vor aus. Nicht selten schrieb Infineon früher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten rote Zahlen.
Dass die Zeiten für die Branche nicht ganz einfach sind, belegen die aktuellen Zahlen des europäischen Marktführers STMicroelectronics: Das französisch-italienische Unternehmen schrieb im letzten Vierteljahr 2011 sogar rote Zahlen. Für das laufende Quartal rechnet das Management mit einem Umsatzrückgang um bis zu ein Zehntel.
Für Infineon dagegen könnte es im zweiten Geschäftsquartal schon wieder Besserung geben. Vor allem die Kunden aus der Automobilindustrie, die sich die Stimmung durch das schwierige Wirtschaftsumfeld nicht vermiesen lassen und weiter in Kauflaune sind, machen die Bayern froh. Die Zuversicht der Autobranche bleibe groß, sagte Bauer. Infineon profitiert vor allem von der nach wie vor hohen Nachfrage nach Autos der deutschen Premiumhersteller BMW und Co., in denen viel Elektronik eingesetzt wird.
Auch im Chipkartenmarkt und im Markt für Unterhaltungselektronik wie Spielkonsolen und E-Books gebe es erste Anzeichen für eine Stabilisierung, erklärte der Manager. Das Industrie-Geschäft mit beispielsweise erneuerbaren Energien habe den Boden dagegen wohl noch nicht gesehen.
Im Vergleich zum Auftaktvierteljahr erwartet Infineon zwischen Januar und März daher im schlimmsten Fall einen leicht rückläufigen Umsatz und einen Margenrückgang um etwa einen Prozentpunkt. Der Abschwung für Infineon sei wohl kürzer gewesen als befürchtet, schätzt Analyst Laux.
An die Jahresprognose traut sich Infineon wegen des widrigen Wirtschaftsumfelds jedoch noch nicht heran. Man könne allerdings mittlerweile etwas zuversichtlicher sein als noch am Ende des vergangenen Geschäftsjahrs, sagte Bauer. Infineon rechnet 2011/12 weiter mit einem Erlösminus von rund 5 Prozent und einer Rendite im niedrigen bis mittleren Zehnerprozentbereich.
Längerfristig sieht Bauer das Unternehmen weiter auf einem "soliden Wachstumskurs". Infineon will den Umsatz über den Zyklus - also unter Berücksichtigung von konjunkturellen Aufs und Abs - um ein Zehntel steigern und eine operative Rendite von rund 15% erreichen. Als einen der größten Wachstumstreiber sieht das Unternehmen den zunehmenden Trend der Energieeffizienz.
-Von Nico Schmidt, Dow Jones Newswires,
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(Philipp Grontzki hat zu diesem Bericht beigetragen)
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