04.11.2012 11:53
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EU fordert von UPS deutliche Zugeständnisse bei TNT-Übernahme

UPS-TNT
Der US-Paketdienstleister UPS hat sich bei der geplanten Übernahme der niederländischen TNT Express NV mit schweren Bedenken der EU-Wettbewerbshüter herumzuschlagen.
Es seien "große Zugeständnisse" seitens der Unternehmen notwendig, bevor die EU-Kommission die Transaktion genehmigen könne, sagte Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia während einer Konferenz im italienischen Cernobbio. In einer Rede gab er einen Abriss über die wichtigsten Kartellverfahren, an denen er derzeit arbeitet.

   Die Wettbewerbshüter fürchten seit längerem die entstehende Marktdominanz des neuen Paketkonzerns in vielen europäischen Ländern. Deswegen hatten sie im Oktober eine vertiefte Prüfung der Transaktion angekündigt. UPS will einen Verkauf von Unternehmensteilen aber nur hinnehmen, solange dadurch nicht die Sinnhaftigkeit der gesamten Transaktion in Frage gestellt wird. UPS hatte einen Zusammenschluss mit TNT seit gut einem Jahrzehnt erwogen und schließlich den Deal im März auf den Weg gebracht. Größere Stolpersteine sah die Konzernführung zunächst nicht: Das Ja der Wettbewerbshüter galt als ziemlich sicher.

   Aber die Kommission rückte das umstrittene Thema des Marktanteils ins Zentrum ihrer Überprüfung. "Die geplante Transaktion verringert unter anderem die Zahl der Konzerne, die die europaweiten Paketnetzwerke kontrollieren, auf drei", hatte Almunia bereits im vergangenen Monat gesagt. Nach Ansicht der Kommission verblieben nur noch DHL - der Paketdienst der Deutschen Post - und Federal Express als einzige ernsthafte Konkurrenten von UPS in Europa. Dabei ist Federal Express auch noch markant kleiner als seine beiden Wettbewerber.

   UPS bezweifelt allerdings vehement die EU-Position, dass der europäische Markt derzeit nur aus vier sogenannten "Integratoren" besteht, das sind Firmen, die über umfassende Netzwerke im Luft- und Straßentransport verfügen und damit einen Rund-um-die-Uhr-Service bieten. UPS entgegnet der Kommission: Auf dem europäischen Markt tummeln sich Dutzende von Rivalen. Dazu zählten kleine und mittlere Paketdienstleister, Speditionen und die Expresszusteller der nationalen Postunternehmen. Als einen anderen "Integrator" sieht UPS außerdem das französische Postunternehmen DPD an, dessen Mutterkonzern GeoPost Group nach eigenen Angaben Europas drittgrößter Express-Paket-Zusteller ist.

   Der Markt ist nach Ansicht von UPS dermaßen dynamisch, dass die Großen der Branche für neue Aufträge typischerweise bis zu 25 Wettbewerber aus dem Feld schlagen müssen. Zudem wirbele das zunehmende Geschäft mit E-Commerce den Logistiksektor derzeit auf. Der Markt wandele sich vom Geschäft mit Unternehmenskunden verstärkt zu einem mit Endverbrauchern um. Diese Entwicklung locke zahlreiche neue Unternehmen an, die auf die Bedürfnisse der Online-Käufer eingingen. "Der Markt steht nicht still, er wandelt sich", sagte Brutto. "Unserer Ansicht nach gibt es keinen Grund, warum die Übernahme scheitern sollte, sofern beide Seiten vernünftig sind."

   Hielte die Kommission an ihrer derzeitigen Marktdefinition fest, müsste UPS aber zumindest Teile des neu entstehenden Konzerns an einen ernstzunehmenden Rivalen veräußern.

   Auf der Konferenz in Italien äußert sich Almunia auch zu den anderen Kartellverfahren bei seiner Behörde. Dabei machte er klar, dass er auch die angestrebte Übernahme der France-Telecom-Mobilfunktochter Orange in Österreich durch Hutchison kritisch sieht. Auch hier forderte er Zugeständnisse der Unternehmen. Näher äußerte er sich aber nicht dazu.

   Zur Übernahme der ThyssenKrupp-Edelstahltochter Inoxum durch den finnischen Wettbewerber Outokumpu will Almunia in wenigen Tagen Stellung beziehen.

Dow Jones Newswires, Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 05 22 AM EST 11-04-12

Bildquellen: UPS

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