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01.04.2010 12:30

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US-AKTIEN

Amerikaner fliegen auf Tupperware und Co

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Tupperware so gefragt, wie nie
Angesichts der jüngsten Rezession sparen sich viele Amerikaner Restaurantbesuche und kochen zu Hause. Doch inzwischen ist aus der Not eine Tugend geworden. Anbieter von Gartöpfen oder Plastik­geschirr können sich vor Kunden kaum retten.

von Tim Schäfer, New York

Die schwerste Wirtschaftskrise seit der Großen Depression hinterlässt ihre Spuren. Der Häusermarkt kommt nur schwer auf die Beine, die Staatsverschuldung liegt auf Rekordniveau, und die Amerikaner besinnen sich auf sich selbst. Sparen ist wieder eine Tugend. Viele Verbraucher bleiben daher öfter daheim. Sie kochen häufiger und feiern Partys bevorzugt zu Hause. Selbst der Urlaub ist aus der Mode gekommen. Die freien Tage verbringen die Amerikaner lieber auf der Terrasse.

„Die Küche ist zum Lebensmittelpunkt geworden“, freut sich Alejandro Pena, Manager beim Haushaltswarenanbieter Jarden. „In der Küche verbringen die Konsumenten mittlerweile zwischen drei und vier Stunden täglich. Sie ist ein sozialer Treffpunkt geworden. Haushaltsgeräte sind keine Werkzeuge mehr, sondern werden als Einrichtungsgegenstände angesehen, die zum Stil der Küche passen müssen.“

Jarden vermarktet alles, was das Herz von Hausfrauen und -männern höher schlagen lässt. Von Toastern über Kaffeemaschinen bis hin zu kleinen Elektroöfen, batteriebetriebenen Cocktailmixern und Weinspendern. Das Geschäft boomt. „Es war ein Rekordjahr für uns“, freute sich unlängst Andrew Hill, Chef von Jardens Konsumentensparte, auf einem Investorentreffen in New York.

Produktneuheiten sind gefragt wie nie, einige Artikel waren bereits kurz nach dem Marktstart ausverkauft. Der Konzern mit Sitz in Rye im Bundesstaat New York vertreibt seine Waren über Einzelhändler wie Wal-Mart, Target, Macy’s oder Bed Bath & Beyond. Besonders gefragt sind derzeit die Langsamkocher, sogenannte Slow Cooker: In diesen Elektropfannen werden Gerichte bis zu sechs Stunden lang zubereitet. Dank der langen Garzeit wird selbst zähes, billiges Fleisch zart. Gefragt sind ferner die Kunststofffoliengeräte namens FoodSaver, die zum Einschweißen von Nahrungsmitteln dienen. Hat der Supermarkt am Eck beispielsweise frische Steaks oder Hähnchen im Sonderangebot, nimmt die amerikanische Hausfrau neuerdings große Mengen mit und friert den Vorrat ein.

Zunächst kochten viele Amerikaner lediglich wegen der Rezession verstärkt selbst. Doch mittlerweile ist Kochen ein beliebtes Hobby. Der Kochsender Food Network erfreut sich hoher Einschaltquoten. Mehr als 90 Millionen Haushalte schauen den Kanal, der Kochwettkämpfe von Profi- wie auch Hobbyköchen zeigt. Kultstatus genießt bei dem New Yorker Sender Moderator Alton Brown. In seiner Show „Good Eats“ zeigt der 47-Jährige witzig und schlagfertig, wie man gesunde Mahlzeiten zubereitet.

Einer neuen Studie der Konsumforscher von Harris Interactive zufolge finden 63 Prozent der Frauen es „sexy“, wenn der Partner kocht. Dagegen finden es nur 33 Prozent der Frauen anziehend, wenn sie ins Restaurant eingeladen werden. Erst unlängst erklärte Tupperware-Chef Rick Goings, er wolle mit seinem Sortiment auch Männer ansprechen. Angesichts des Kochbooms bietet das Plastikschüsselimperium zudem mehr Produkte für die Essenszubereitung an. Neuester Hoffnungsträger ist der „Quick Chef“, das Gerät hackt Gemüse ähnlich wie eine Salatschleuder.


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Beliebt sind auch Koch-Websites. Im vergangenen Jahr zählten die Internetforscher von comScore 1,5 Milliarden Zugriffe auf Kochseiten beziehungsweise elf Milliarden Besuche auf allgemeinen Seiten mit speziellen Nahrungsmittelthemen. Angaben des landesweiten Restaurantverbands zufolge schrumpfte im vergangenen Jahr der Umsatz des Gaststättengewerbes um 2,9 Prozent und um 1,2 Prozent im Turnus zuvor. Im Februar stiegen die Zugriffszahlen auf die vier führenden Websites um Foodnetwork.com und Allrecipes.com um 39 Prozent gegenüber 2007.

Angesichts der hohen Arbeitslosenquote von fast zehn Prozent legen die Verbraucher bevorzugt günstige Lebensmittel in den Einkaufskorb. „Unsere 120 Jahre alte Pfannkuchenmarke zieht an. Ein einzelner Pfannkuchen kostet umgerechnet nur zehn Cent“, schwärmte Jaya Kumar, der Chef des US-Lebensmittelriesen Quaker, auf einer Investorenveranstaltung der Muttergesellschaft Pepsi am Montag. Auch das Fertigreisgericht Rice-A-Roni aus dem Haus Quaker ist ein Verkaufsschlager: „Für weniger als fünf Dollar kann man eine ganze Familie damit ernähern, das ist ein außergewöhnlich guter Preis.“ Ein Ende des Kochbooms ist nicht in Sicht. „Zu Hause kochen“, glaubt Bob Goldin, Vizechef des Beratungshauses Technomic, „wird auch nach der Rezession ein Wachstumsmarkt bleiben.“

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