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26.07.2011 17:00

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US-AKTIEN

Qualcomm: Der kühne Visionär

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Qualcomm: Fantasie dank Smartphoneboom
Paul Jacobs, der Sohn des Qualcomm-Gründers, führt den Chipkonzern in neue Märkte. Warum der Aktie wieder Potenzial zugetraut wird.

von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag

Als Sohn des Qualcomm-Gründers zählt Paul Jacobs zu den Privilegierten dieser Welt. Doch der heutige Chef des US-Technologiekonzerns will beweisen, dass er mehr drauf hat als den Beruf Sohn: „Wer so denkt, unterschätzt mich“, sagt der promovierte Elektroingenieur. Sein Vater Irwin Jacobs (77) war Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und hat Qualcomm 1985 gegründet.

Seinen Sprössling hat er auf den Generationswechsel gut vorbereitet. Paul arbeitete während der Sommerferien regelmäßig in verschiedenen Bereichen der Entwicklungs­sparte. „Bis zur Hochschule hatte ich alles durch“, erzählt der heute 48-Jährige. Das zahlt sich aus. „Der Vater war der Professor, Paul ist in seinen Vorstellungen viel offener“, sagt Steven Mollenkopf, Chef der Chip­ent­wicklung. Sechs Jahre nach dem Rückzug von Jacobs senior ist Qualcomms Börsenwert um 60 Prozent gestiegen. Dank eines umfangreichen Patentportfolios ist der US-Konzern bei Chips sowohl für Smartphones als auch für Tablets vorn dabei.

Bei seinem bislang wohl größten Coup hält sich Jacobs allerdings bedeckt. Qualcomm soll künftig die Handychips für Apples iPhone liefern. Das Debüt des neuen Modells wird für September erwartet: „Apple möchte nicht, dass Zulieferer über so etwas sprechen“, entschuldigt sich Jacobs. Analysten gehen davon aus, dass es Qualcomm gelungen ist, Intel als iPhone-Lieferant an den Rand zu drängen. Der weltgrößte Halbleiterkonzern hatte die ehemalige Infineon-Mobilfunksparte, die Chips für das aktuelle iPhone produziert, 2010 für 1,4 Milliarden Dollar gekauft.

Qualcomm versorgt bislang nur diejenigen iPhones mit Chips, die über Verizon vertrieben werden. Im Netz des zweitgrößten US-Mobilfunkkonzerns wird nach amerikanischem CDMA-Standard telefoniert. Dafür hat Intel keine Chips im Programm. Qualcomms neue Halbleiter dagegen beherrschen sowohl den ­europäischen als auch den US-Standard. „Es ist deshalb sehr wahrscheinlich, dass überwiegend Qualcomm die Chips für das neue iPhone liefern wird“, bestätigt Jeff Kvaal, Analyst bei Barclays Capital.

Für Intel wäre Qualcomms Erfolg eine weitere Schlappe in einer Serie erfolgloser Versuche, in den rasant wachsenden Märkten für Smartphones und Tablets einen Fuß in die Tür zu bekommen. Das liegt vor allem an der weiter wachsenden Popularität der Chipbaupläne der britischen Firma ARM Technologies.


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Halbleiter mit ARM-Architektur verbrauchen deutlich weniger Energie als Intel-Chips. In Handys und Smartphones ist ARM deshalb längst Standard, und inzwischen auch bei Tablets. Microsoft, Intels Weggefährte in der alten PC-Welt, will sein neues Betriebssystem Windows 8 kompatibel zur ARM-Architektur machen. Es soll 2012 auf den Markt kommen. Qualcomm setzt sowohl bei Smartphones als auch bei Tablets auf ARM. Bei Tablets ist der Standard die Chance für Qualcomm, sich eine ähnliche Rolle zu erkämpfen wie Intel bei PCs. Dort sind die Prozessoren des größten Halbleiterkonzerns die zentralen Steuereinheiten und damit die wertvollsten Bausteine. Bei Tab­lets könnten Qualcomms Snapdragon und Nvidias Tegra-Chips diese Rolle übernehmen.

Intel ist nicht dabei. „In der Technologie hat Qualcomm zwei bis drei Jahre Vorsprung“, sagt Stuart Robinson, Marktforscher bei der Firma Strategy Analytics.

Der Wachstumsbeschleuniger soll Googles Betriebssystem Android werden. Bei Smartphones ist Android mit 36 Prozent Marktanteil bereits das populärste Betriebssystem. Und Qualcomm ist bei Mobilfunkchips für Android-Handys mit 41 Prozent der Umsätze die Nummer 1. Die Chancen, das auch bei Tablets zu schaffen, stehen gut. „Mobile Geräte sind die dominierende Computerplattform. Das ändert sich nicht mehr“, prophezeit Jacobs.

Anfang des Jahres wagte der Elektroingenieur mit dem 3,1-Milliarden-Dollar-Kauf von Atheros die größte Übernahme in Qualcomms Geschichte. Atheros ist ein Spezialist für drahtlose Datenübertragung (WLAN). Jacobs will sich auch jenseits von Smartphones und Tablets etablieren – zum Beispiel in medizinischen Geräten, die via Mobilfunk den Blutzuckergehalt von Patienten in Echtzeit übertragen.

Investor-Info

Der Markt
Smartphones und Tablets

Während der ersten drei Monate des Jahres hat sich Googles Android mit 36 Prozent Marktanteil zum populärsten Betriebssystem bei Smartphones gemausert. Im Vergleichsquartal des Vorjahres waren es Marktforscher Gartner zufolge erst 9,6 Prozent. Vom rasanten Aufstieg der Google-Software, die auch bei Tablets die stärkste ­Alternative zum Apple-Betriebssystem ist, profitiert Qualcomm am meisten. Der US-Konzern sahnt mehr als 40 Prozent der Umsätze mit Mobilfunkchips für Android-Handys ab. Bei Tablets hat Qualcomm Anfang Juni angekündigt, man wolle den Einsatz des firmeneigenen Snap­dragon-Chips für 250 weitere Geräte ermöglichen. Dominiert wird der Markt wohl auf absehbare Zeit von Apple. Der Konzern lässt seinen eigenen Chip bei Samsung fer­tigen und kommt auf knapp 65 Prozent des Markts.
Bei ­Tablet-Chips für die Konkurrenz von Apples iPad hält Qualcomm zehn Prozent des Markts, Nvidia 14 Prozent.

Der Konzern
Chips und Lizenzen

Mehr als 37 Prozent der 15,4 Milliarden Dollar Umsatz wird Qualcomm in diesem Jahr mit Lizenzen für die zahlreichen Mobilfunkpatente einfahren. Den Löwenanteil davon hat der US-Konzern beim US-Mobilfunkstandard CDMA und dessen Nachfolgerstandard WCDMA. Für den künftigen Mobilfunkstandard LTE hat der US-Konzern als erster Hersteller bereits Chips im Portfolio.

Die Aktie
Enttäuschung und Überraschung

Im laufenden Quartal will Qualcomm 120 bis 125 Millionen Chips ausliefern. Analysten hatten 130 Millionen erwartet. Das brachte die Aktie aber nur kurzfristig unter Druck. Denn die Bilanz fürs zweite Quartal war besser als erwartet. Im Gesamtjahr soll der Umsatz um 40, der Nettogewinn um 30 Prozent zulegen. Kaufgelegenheit.

Bildquellen: Klicker/Pixelio

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