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aktualisiert: 02.11.2011 08:59

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TJX: Das Schnäppchen-Imperium

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Bei TJX wird SPAREN groß geschrieben
Konzerne wie TJX lieben die Anleger. Der größte Preisbrecherkonzern der Welt wächst in guten wie in schlechten Zeiten. Wie das Erfolgsmodell funktioniert, wie die weiteren Aussichten für die Aktie sind.

von Andreas Pilmes, €uro am Sonntag

Ein Mantel von Joop für 199,99 statt für 695 Euro, Hemden von Hilfiger oder DKNY für 36,99 statt für 75 Euro, Poloshirts der Prollmarke Ed Hardy für 29,99 statt 105 Euro. Oder auch Weißweingläser von Riedl für 10,95 statt 19,95 Euro. Kurz vor der Kasse liegen dann noch die originalen Karamellbonbons aus Großbritannien, ein Drittel günstiger als anderswo.

Es könnte ein Kaufrausch werden. Na gut, das Ambiente ist deutlich näher an einer Fabrikhalle als an einer Boutique, einer dieser typischen Schnäppchenmärkte eben. Verkaufspersonal gibt es nicht, nur Kassenkräfte. Und die Tüten sind alles andere als repräsentativ. Aber der Preis stimmt: Markenware bis zu 60 Prozent unter dem unverbindlichen Verkaufspreis des Herstellers, das verspricht die Werbung von TK Maxx.

Die Ladenkette, seit 2007 auch in Deutschland aktiv, ist Teil von TJX Companies, dem größten Schnäppchenkonzern der Welt. Damen-, Herren- und Kinderbekleidung, Schuhe, dazu Wohnaccessoires und diverser Schnickschnack werden unter verschiedenen Labels in den USA und Kanada sowie in Deutschland, Großbritannien und Polen feilgeboten. Mit großem Erfolg.

Nahezu 22 Milliarden Dollar Jahresumsatz macht die Company aus dem Städtchen Framingham westlich von Boston. Dort sind übrigens auch der Büromulti Staples, Telekomdienstleister International Data Corporation und Hi-Fi-Hersteller Bose beheimatet. Angesichts dieser Ballung von internationalen Unternehmen dürfte der örtliche Country Club eine Aufnahmegebühr weit jenseits der Sonderangebotsdimension haben.

Markenware auf der Resterampe
In den verschiedenen Ladenketten von TJX Companies kaufen dagegen Preisbewusste, die sich dennoch Markenware gönnen möchten. Der klassische TJX-Kunde wird vom Konzern als weiblich, zwischen 25 und 54 Jahre alt, modebewusst und der mittleren bis höheren Einkommensschicht angehörend definiert. Mithin keine Ramschkundschaft, aber eine, die auch aufs Geld schaut. Oder schauen muss. Schließlich gerät nicht nur in den USA die Mittelschicht zunehmend finanziell unter Druck. Um der Klientel preisgünstige und gleichzeitig hochwertige Ware bieten zu können, beschäftigt TJX ein Heer von Einkäufern. Die schnappen sich Überkapazitäten bei namhaften Herstellern oder Sonder- und Restposten von Kaufhäusern, wenn die sich bei der Bestellung verkalkuliert haben. Das kann eine stinknormale Brax-Cordhose sein, aber auch schon mal ein Designerkleid von Alexander McQueen. Täglich neue Ware versprechen die Shops von TJK – und immer rund 30 000 Artikel pro Laden. So wird Einkaufen zum Überraschungsei.

Off Price nennt sich dieses Prinzip. Ähnlich funktionieren die Outlet-Stores, in denen etliche Hersteller Artikel aus der letzten Saison oder leicht fehlerhafte Stücke besonders günstig anbieten. Rund 4.300 Off-Price-Stores unterhält TJX weltweit unter den Labels TJ Maxx (in Europa ersetzt ein K das J), Marshalls und Winners. Für alles rund ums Wohnen sind in Nordamerika StyleSense, HomeGoods und HomeSense zuständig, Letztere gibt es zudem in Großbritannien.


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Krisenresistentes Geschäftsmodell
Dieses Geschäftsmodell ist in den USA nichts Neues, hierzulande steckt es noch in den Anfängen. Vor allem aber ist es krisenresistent. Seit 1982 hat die Welt sechs Rezessionsjahre erlebt, das nächste steht womöglich vor der Tür. In keinem dieser Jahre sank der Umsatz von TJX – im Gegenteil. Überhaupt verzeichnet die 34-jährige Firmengeschichte bislang nur ein einziges Jahr mit rückläufigen Umsätzen.

Das TJX-Management um CEO Carol Meyrowitz, die den Konzern seit 2007 führt und die „Forbes“ unter den 50 mächtigsten Frauen der Welt wähnt, hat einen Plan für gute und für schlechte Zeiten. Derzeit gilt der für die eher miese Weltlage: Schon seit zwei Jahren werden die Kosten gedrückt, etwa durch möglichst geringe Lagerhaltung und größtmögliche Flexibilität beim Einkauf. Die Rechnung ist bislang aufgegangen: Die Profitabilität des Konzerns steigt konstant. Gleichzeitig hat Meyrowitz die Expansion in Europa vorangetrieben. Mit aller Macht: „2010 sind wir ein bisschen zu schnell gewachsen“, gesteht sie, was nichts anderes heißt, als dass das Geschäft nicht profitabel war. Die Chancen, dass dies in diesem Jahr gelingt, stehen jedoch gut.

Die Aktie jedenfalls schnurrt beinahe unbeirrt nach oben. Mittlerweile seit drei Jahren. In dieser Zeit hat sich ihr Wert verdoppelt. Dabei ist TJX einer jener altmodischen Werte, deren Geschäftsmodell für jeden verständlich ist und in deren Kasse reales Geld liegt. Old Economy eben, die funktioniert.

„Enormes Wachstumspotenzial“ sieht Managerin Meyrowitz noch für ihre Company, vor allem in Europa. Geht es nach ihr, soll TJX eines Tages doppelt so groß sein wie heute. Wenn es mit der Mittelschicht weiter bergab geht, würde das sicher helfen.

TJX Companies
Konservative Aktie

Mit einem 14er-KGV für 2012 ist die Aktie kein Schnäppchen mehr. Dennoch sieht das Gros der Analysten TJX weiterhin als Kauf. Auch die Dividendenerhöhung zum 1. Dezember ist angesichts einer Dividendenrendite von 1,3 Prozent eher ein symbolischer Akt. Dennoch, TJX ist ein konservativer Wert mit einem überzeugenden Geschäftsmodell, das in wirtschaftlich guten wie in schlechten Zeiten funktioniert. Die Expansionsmöglichkeiten des US-Unternehmens sind immens. Kaufen.

Bildquellen: Getty Images

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