von Tim Schäfer, New York
Zudem wird der Sektor von einer Konsolidierungswelle erfasst. So übernimmt gerade CenturyLink den Konkurrenten Qwest Communications, also die Nummer fünf greift nach der Nummer drei. Und Frontier kündigte im Mai 2009 an, einen Teil der Festnetzsparte von Verizon Communications für 8,6 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Insgesamt kaufte Frontier 4,8 Millionen Telefonanschlüsse von Privathaushalten und kleinen Geschäftsbetrieben in 14 Bundesstaaten.
Mit dem Deal, der offiziell am 1. Juli 2010 über die Bühne ging, verdreifachte Vorstandschefin Mary Agnes Wilderotter die Firmengröße. Nun summiert sich der Umsatz auf mehr als sechs Milliarden statt zuvor rund zwei Milliarden Dollar. "Wir fügen nun etwas viel größeres zu unserer Firma hinzu und behalten trotzdem unsere günstigen Kostenstrukturen bei„, schwärmte Wilderotter auf einer Analystenkonferenz in New York. Finanzen.net war dabei. "Wir haben schon 250 Millionen Dollar an jährlichen Kosten gekürzt.„ Auf 550 Millionen Dollar sollen sich die Synergien insgesamt belaufen. Bis zum Jahr 2013 soll das Einsparziel erreicht sein. Widerotter: "Wir haben über 100 Initiativen gestartet, um Kosten zu kürzen.„ Ein großes Kostenprojekt ist die IT: Während die zugekaufte Einheit 250 Millionen Dollar für IT ausgibt, kommt Frontier auf ein überschaubares IT-Budget von nur 50 Millionen Dollar.
Nun ist Frontier zum Branchenprimus aufgestiegen, man ist in 27 Staaten aktiv. Zum Brot- und Buttergeschäft zählen Internetzugänge, digitale Fernsehangebote, Orts- beziehungsweise Ferngespräche. Das Management des in Stamford im US-Bundesstaat Connecticut ansässigen Riesen will jetzt die neuen Mitarbeiter auf das neue Firmenleitbild einschwören. "Es ist ein kultureller Wechsel wichtig. Wir machen schon gute Fortschritte. Wir haben jetzt 15.000 Mitarbeiter, 10.000 kamen hinzu„, erläuterte die Chefin die Herausforderung des Deals. So hat die zugekaufte Organisation eine Churnrate (Kündigungsrate) von 2,12 Prozent, während das bisherige Stammgeschäft nur eine halb so hohe Kündigungsrate hat.
Es gehe nun darum, die Wechselbereitschaft der Stammkunden zur Konkurrenz zu reduzieren. Etwa könne dies durch Preissicherungsverträge geschehen, die den Preis für die kommenden zwei oder drei Jahre fixiere. Flatrates für Ferngespräche kämen ebenfalls gut an. "Wir müssen die Gesprächsqualität verbessern. Die Qualität war nicht gut.„ Insgesamt herrscht Aufbruchsstimmung. Wilderotter berichtete, dass Mitarbeiter in ihren Vorgärten mit Schildern für den schnellen Internetanschluss werben. Allerdings werden die sogenannten "Heavy User„ unter den Kunden überwacht. Wer das Internet zu intensiv nutzt, soll künftig zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Zudem soll die Zahl der Gewerbekunden von derzeit 380.000 stark ausgebaut werden.

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Prächtig ist die Dividendenrendite mit 7,8 Prozent. Damit ist Frontier einer der Dividendenkönige an der Wall Street. Bei besonders üppigen Ausschüttungen stellt sich natürlich die Frage, ob das Geld aus der Substanz bezahlt oder es tatsächlich erwirtschaftet wird. Denn eine hohe Dividende ist umso attraktiver, je stabiler sie ist. Jedoch zeigt ein Blick in die Kapitalflussrechnung, dass das Geschäft in den vergangen Jahren mit 700 bis 800 Millionen Dollar reichlich Cash per anno abgeworfen hat. Als Dividende wurde davon immer nur rund 300 Millionen Dollar ausgekehrt.

Tim Schäfer, US-Aktienexperte für Euro am Sonntag, empfiehlt Frontier Communications
Kurzum: Die Dividende scheint keine Eintagsfliege zu sein. Studien zufolge können Dividenden bis zu 40% der Gesamtrendite einer Aktie ausmachen, sie ist also nicht zu unterschätzen. Starinvestor Warren Buffett setzt seit Jahrzehnten überwiegend auf solide Dividendentitel. Konzernchefin Wilderotter betonte, dass 75 Cent je Aktie als Dividende sicher seien. Ein Knackpunkt bleibt allerdings: Mit rund acht Milliarden Dollar sind die Nettoschulden kein Pappenstiehl. So kommt das Eigenkapital auf lediglich fünf Milliarden Dollar. Jedoch ist das Geschäft sehr kapitalintensiv, praktisch alle Telefonkonzerne haben ein großes Schuldenpaket zu schultern. Im September und Dezember kauften zwei Manager die Frontier-Aktie. Sie griffen zu einem Kurs von 7,69 beziehungsweise 9,33 Dollar zu. Nicht zuletzt dieser Vertrauensbeweis spricht für das Papier.
Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.
Bildquellen: Michela Lietti