Tim Schäfer, New York
Der kalifornische Biotech-Pionier erforscht und vermarktet Medikamente gegen lebensbedrohliche Viruserkrankungen wie HIV oder Hepatitis. Vor 24 Jahren wurde Gilead gegründet und hat heute schon 14 Medikamente auf dem Markt. Ein Großteil des Umsatzes entfällt auf Aids-Medikamente. Erfolgsrezept sind Kombinationstherapien. Die Pipeline ist mit neuen Wirkstoffkandidaten gut gefüllt. Seit 2005 baute der Vorstand den Umsatz jedes Jahr um rund eine Milliarde Dollar aus. Nur 2011 fiel das Plus mit 436 Millionen Dollar geringer aus. Kerngesund sind die Margen. Bei einem Umsatz von 8,3 Milliarden blieb immerhin zuletzt ein Ergebnis von 2,8 Milliarden Dollar übrig. Nur wenige Rivalen weisen wie Gilead Nettoumsatzrenditen von 33 Prozent aus.
Im Januar übernahmen die Kalifornier den US-Biotech-Konzern Pharmasset für elf Milliarden Dollar, einen Spezialisten für Hepatitis-C-Behandlungen. Analysten hatten den hohen Kaufpreis kritisiert. Als dann Mitte Februar ein Patienten-Test gegen Hepatitis C nicht wie erhofft Wirkung zeigte, stürzte der Kurs ab. Solche Rückschläge kommen in der Branche immer wieder vor. Bei Qualitätsfirmen erweisen sich Hiobsbotschaften oftmals als gute Einstiegsgelegenheit. Der Kurs hat mittelfristig das Potential, wieder an das Allzeithoch bei knapp 35 Euro anzuknüpfen. Fundamental sieht es nämlich nach wie vor exzellent aus: Für das laufende Jahr erwarten Analysten einen Umsatz- und Ergebnisanstieg auf 9,0 beziehungsweise 2,9 Milliarden Dollar. Das KGV ist mit 12 moderat.
Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.