von Tim Schäfer, New York
Die beiden Brüder Henry Bloch und Richard Bloch schufen eine Franchise-Ikone. Für sie arbeiten heute mehr als 100.000 Berater. 22 Millionen Menschen stehen auf der Kundenliste. Eine von sieben Steuererklärungen in den USA stammt aus dem Hause. Für die meisten Amerikaner befindet sich eine der insgesamt 12.500-H&R-Filialen im Umkreis von nur fünf Meilen. Das Produktportfolio ist umfangreich. Es reicht von Online-Software, die beim Ausfüllen der Steuererklärung hilft, bis hin zum Vertrieb von Bank- und Finanzprodukten.
In den vergangenen zwei Jahren musste jedoch Vorstandschef Alan Bennett den Verlust von zwei Millionen Kunden beklagen. Eines der Kernprobleme war die Wirtschaftskrise verbunden mit der hohen Arbeitslosigkeit. "Wir wollen hart kämpfen, um diesen Kundenverlust wieder wettzumachen. Wir möchten die Kundenzahlen über alle Einkommensklassen hinweg wieder aufbauen, um langfristig den Grundstein für Wachstum und Gewinn zu legen„, gab sich Bennett zuletzt kämpferisch.
Belastend kam in den vergangenen Jahren hinzu, dass sich die Gesellschaft während des Immobilienbooms im Hypothekenmarkt tummelte, was zu hohen Abschreibungen führte. Doch Bennett, der 2007/2008 zunächst als Interims-Vorstandschef angetreten war, machte sich umgehend an die Sanierung. Er stieß Randgeschäfte ab und räumte die Bilanz auf. Er übernahm den Vorstandsposten dauerhaft und sprüht nun vor Zuversicht: "Ich bin optimistisch für unsere Firma. Ich sehe Umsatz und Gewinn in der Zukunft wieder wachsen.„
Bis Ende 2012 will er 100 bis 150 Millionen Dollar an Kosten einsparen. Einen großen Schritt machte Gruppe bereits mit dem Verkauf von Filialen an Franchisenehmer. Außerdem wurde Personal abgebaut. Für Schwung soll jetzt ein kostenloses Angebot sorgen, dass beim Ausfüllen eines Steuer-Formulars hilft. Bis Mitte April müssen nämlich die Amerikaner ihre Steuerunterlagen für 2010 bei den Behörden einreichen. Und mit dem Kostenlos-Service will der Konzern nun seine Filialen füllen. Ziel ist es, den Kunden weitere Dienstleistungen zu verkaufen. 60 Prozent der Bürger nutzen in den USA Steuerberater, andere greifen auf Dienste zurück wie sie der Branchenführer H&R anbietet oder sie erledigen die Formalitäten am heimischen PC mit Softwareprogrammen wie TurboTax des Konkurrenten Intuit. Im Schnitt gibt ein Steuerzahler 258 Dollar für seine jährliche Erklärung aus.

Tim Schäfer, US-Aktienexperte für Euro am Sonntag, empfiehlt H&R Block
Was macht die Aktie so interessant? Der Chart scheint seit einigen Monaten einen stabilen Boden ausgebildet zu haben. In der Spitze hatte das S&P-500-Papier im Sommer 2005 schon 30 Dollar gekostet, derzeit notiert es bei nicht einmal der Hälfte dessen. Der Börsenwert beträgt nur 4,2 Milliarden Dollar und entspricht nur zirka einem Jahresumsatz. Im Geschäftsjahr 2009/2010 (endete im April) summierte sich der Umsatz auf 3,9 Milliarden Dollar. Es blieb ein Überschuss von 479 Millionen Dollar übrig. Das KGV beträgt je nach Analystenschätzung zwischen acht und neun, was sehr günstig ist. Nicht zuletzt sprechen zahlreiche Aktienkäufe durch Insider für den Titel. Im Juli, September und Oktober hatten sich Manager zu Kursen zwischen zwölf und 15 Dollar eingedeckt. Ebenfalls ist die Dividendenrendite in Höhe von 4,4 Prozent nicht von schlechten Eltern.
Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.
Bildquellen: Michela Lietti