von Tim Schäfer, New York
Solche Spezialbehandlungen schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Seit dem Marktdurchbruch des Immuntherapie-Anbieters Dendreon gegen Prostatakrebs ist der Markt in Bewegung gekommen. Eine Reihe von Deals ging seitdem über die Bühne: Ende Januar hatte Amgen den Forscher Biovex für eine Milliarde Dollar übernommen, Biovex hat sich auf experimentelle Impfungen gegen Krebs spezialisiert - mit dem Ziel, die Abwehrkräfte des Körpers anzuregen, die eigene Hautkrebszellen zu bekämpfen. Im März gab die Gesundheitsbehörde FDA dem Pharmariesen Bristol-Myers Squibb für ein ähnliches innovatives Präparat grünes Licht.
Northwest Biotherapeutics hat zwei Therapien jeweils in der Phase zwei der klinischen Erprobung. Zum einen werden Patienten mit Gehirntumoren, zum anderen mit Prostatakrebs behandelte. Um die hohen Kosten der klinischen Tests bei den Prostata-Patienten stemmen zu können, sucht Vorstandschefin Linda Powers nach einem Pharmapartner, um die abschließende dritte Phase finanziert zu bekommen. Ich sprach mit Powers kürzlich in New York, sie machte einen sehr pfiffigen, engagierten Eindruck auf mich.
1996 hatte der Wissenschaftler Alton Boynton den Betrieb gegründet. Im Juli stellte die Familienstiftung des Gründers der Best-Buy-Elektronikkette, Richard M. Schulze, 4,5 Millionen Dollar zu Verfügung. Schon im Mai hatte der milliardenschwere Hedgefonds Whitebox Advisors aus Minneapolis drei Millionen Dollar in den Emporkömmling investiert. Freilich ist der Börsenwert mit rund 40 Millionen Dollar noch immer winzig. Problem ist, dass bis dato keinerlei Umsätze durch die Bücher gehen und die Verluste aufgrund der hohen Forschungsausgaben enorm sind. 2009 und 2010 gingen jeweils rund 27 Millionen Dollar über die Wupper.
Die Aktie ist ein Pennystock, also nichts für schwache Nerven. Gelingt es dem Team, die Marktzulassung zu erhalten, dürfte der Kurs durch die Decke gehen. In Deutschland arbeiten die Forscher mit dem Fraunhofer Institut zusammen. Ständig meldet Chefin Powers neue Kooperationen. Gerade verkündete sie mit einem schwedischen Forschungsinstitut die Gehirntumortherapie weiter an Patienten zu testen. Im Kern geht es bei der Behandlung darum, dem Erkrankten eine individuelle Impfung zu verabreichen, die auf dessen Immunzellen basiert. Ein Biomarker, der aus den Tumorzellenproben zu erstellen ist, wird ebenfalls beigemengt. So soll die gesamte Immunabwehr motiviert werden, den Tumor auszulöschen.
Bisherige Studienergebnisse haben gezeigt, dass die Patienten im Schnitt drei Jahre lang leben, während die Durchschnittslebenserwartung nach der Standardbehandlungsmethode nur bei 14,6 Monaten liegt. Die Kosten der Behandlung für diesen sehr schweren Gehirntumor sollen sich auf 110.000 Dollar für drei Jahre belaufen. Unterstellt man nun, dass in den USA und Europa die Hälfte des Marktes nach der Zulassung erobert wird, so ergibt sich bei 12.000 Patienten ein Umsatzpotential von 1,32 Milliarden Dollar. Dem steht ein Börsenwert gegenüber, der nur einen Bruchteil dessen abbildet.
Gewiss ist eine Zulassung längst nicht in trockenen Tüchern. Solche Firmen, die nur zwei Hoffnungsträger im Portfolio haben, sind sehr riskant, daran besteht kein Zweifel. Es kann immer zu empfindlichen Rückschläge kommen. Gelingt indes der Durchbruch, steht eine Kurrallye ins Haus. Anleger sollten nur überschaubare Summen einsetzen. Ratsam ist ferner die Order mit einem strengen Preislimit zu versehen.

Tim Schäfer, US-Aktienexperte für Euro am Sonntag, empfiehlt Northwest Biotherapeutics