von Tim Schäfer, New York
Auf der Kundenliste von PDL BioPharma stehen große Namen wie Roche, Genentech, Elan, Biogen, Wyeth, Elli Lilly, Pfizer oder Novartis. Etwa 80 Prozent des Umsatzes erzielt der kleine Betrieb aus dem Städtchen Incline Village in Nevada mit der Schweizer Roche. Das einstige Forschungslabor vermarktet lediglich seine vor Jahren entwickelten monoklonalen Antikörper, die für die Behandlung von Krebs und Autoimmunkrankheiten eingesetzt werden. PDL hatte seine Forschungsabteilung vor Jahren wegen zu hoher Kosten und Risiken für 775 Millionen Dollar verkauft.
Seither kassiert Vorstandschef John McLaughlin für seine Antikörper eine Gebühr, eine sogenannte Royality. Es handelt sich um eine Umsatzbeteiligung zwischen 1,0 und 3,0 Prozent. Wenn Pillendreher wie Roche mit einem Wirkstoff Milliardensummen erlösen, fällt also eine schöne Summe für den Patentbesitzer ab. Die wichtigsten Antikörper sind Herceptin und Avastin. Um ein Kilogramm der Antikörper zu produzieren, entstehen für einen Pharmahersteller etwa 1000 Dollar Kosten. Der Patient muss für eine Behandlung allerdings zwischen 35.000 bis 40.000 Dollar bezahlen. Es bleibt für die Pharmaindustrie demzufolge eine prächtige Marge hängen.
Voriges Jahr brachte PDL den Umsatz von 294 auf 318 Millionen Dollar voran. Der Überschuss stieg von 68,3 auf 189,6 Millionen Dollar. Auf exzellente 93 Prozent summiert sich die operative Marge. Der Patenthändler ist eine Gelddruckmaschine! Im vergangenen Jahr verursachte der Mini-Betrieb mit seinen sieben Mitarbeitern nur Kosten von 21 Millionen Dollar. Schön für die Aktionäre, denn das Unternehmen schüttet eine fürstliche Dividende aus und kauft fleißig eigene Aktien über die Börse zurück. Im laufenden Jahr fließt eine Dividende von 1,00 Dollar je Aktie. Macht beim aktuellen Kurs von 5,24 Dollar eine Rendite von satten 19 Prozent.

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Größter Aktionär mit zirka zehn Prozent ist Fidelity, gefolgt von Bank of New York Mellon und andere namhafte Finanzinvestoren. Die Zahl der Anteilseigner ist rasant gestiegen. An der Nasdaq gehen täglich immerhin drei Millionen Stücke um. Die Börsenwaage zeigt 672 Millionen Dollar an. Allerdings steht PDL mit 372 Millionen Dollar netto mit Wandelanleihen in der Kreide, insofern ergibt sich inklusive der Schulden eine Bewertung von knapp einer Milliarde Dollar.
Analysten rechnen im laufenden und nächsten Jahr mit einem Ergebnis je Aktie von 0,95 beziehungsweise 1,28 Dollar. Daraus errechnet sich ein KGV von rund vier, was spottbillig ist. Gleichwohl gibt es einen Knackpunkt: So klagt MedImmune gegen den Patentinhaber und will die Gebühr nicht mehr bezahlen. Vorstandschef John McLaughlin sagte mir, dass MedImmune viele Geschäftspartner verklage. Er sieht die Angelegenheit gelassen. „Wir sind das vierte Unternehmen, mit dem sie streiten.“ Auch hat Roche im August per FAX mitgeteilt, keine Royaltys mehr für den europäischen Markt zahlen zu wollen.

Tim Schäfer, US-Aktienexperte für Euro am Sonntag, empfiehlt PDL BioPharma
Belastend kommt hinzu: Im Dezember 2014 laufen die Patente ab. Aber selbst danach dürften die Einnahmen noch kräftig sprudeln, denn entscheidend ist der Produktionszeitpunkt der Antikörper und nicht der Verkauf. Die Wirkstoffe können zwei bis drei Jahre in eisgekühltem Zustand gelagert werden. Zudem will McLaughlin weitere Patente zukaufen, um den langfristig Cashflow abzusichern. Trotz der Auseinandersetzungen mit den zwei Kunden ist der Kurs auf dem ausgebombten Niveau, einem Elf-Jahres-Tief, einen Blick wert. Das KGV ist ein Witz und die Dividendenrendite mit 19 Prozent ein Kaufargument.
Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.
Bildquellen: BASF