von Tim Schäfer, New York
Seit dem Jahr 2005 steigt der Überschuss im Schnitt um 9,5 Prozent per annum. Einen Großteil des Gewinns kehrt Vorstandschef Ron Jibson an seine Aktionäre aus, die Dividendenrendite beträgt saftige 3,2 Prozent.
Der Konzern wird höchst effizient geführt, die Eigenkapitalrendite kommt auf fast 20 Prozent. Wegen des niedrigen Gaspreises stehen viele Konkurrenten unter Druck, nur Questar nicht.
Es zahlt sich nämlich das preisaggressive Geschäftsmodell aus. Knapp eine Million Kunden sind schon bei dem Preisführer an Bord. Das eigene Pipelinenetz erstreckt sich über die Rocky Mountains. Angebunden sind 277 Städte in Utah, Colorado und Wyoming. „Wir haben in Utah ein starkes Wirtschaftswachstum. Stetig siedeln sich neue Firmen an. Zu den Neuankömmlingen zählen Ebay, Home Depot und Procter & Gamble“, sagte der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Craig Wagstaff in Manhattan vor Analysten.
Der günstige Gaspreis kommt nicht nur bei den Unternehmenskunden gut an, auch bei den Bürgern. 95 Prozent haben in dem Einzugsgebiet einen Gasanschluss, in den USA liegt die Penetration dagegen nur bei 60 Prozent.
Nun möchte Wagstaff mit Erdgas-Tankstellen den Lkw-Markt aufrollen. 28 eigene Tankstellen betreibt er schon entlang des Highways. Die Gallone kostet hier 1,49 Dollar, während Diesel 4,00 Dollar verschlingt. Konzernchef Jibson kündigte an, den abgestürzten Gaspreis nutzen zu wollen, um weitere Gas-Vorkommen zu akquirieren. Mit den Behörden hat er sich bereits abgestimmt. In wenigen Wochen ist mit einem Deal zu rechnen.
In sein bestehendes Gasfeld will er 550 bis 700 Millionen Dollar in den kommenden fünf Jahren investieren. Im ersten Halbjahr kaufte Jibson darüber hinaus für 50 Millionen Dollar eigene Aktien über die Börse zurück, in der zweiten Jahreshälfte möchte er die gleiche Summe aus dem Aktienrückkaufprogramm nutzen.
Der Chart sieht blitzsauber aus. Der Kursrutsch vom Sommer 2010 ist auf eine Abspaltung einer Tochter zurückzuführen, die neuen Anteilsscheine bekamen alle Altaktionäre in ihre Depots gebucht.
Kursziel: 21,00 Euro
Stopp: 15,50 Euro
Empfehlung: Kaufen
Zum Autor
Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.
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