von Tim Schäfer, New York
AT&T übernimmt die US-Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile. Für 39 Milliarden Dollar wollen sich die Amerikaner T-Mobile schnappen. Wenn das Justizministerium den Deal genehmigt, beherrschen Verizon Wireless und AT&T gemeinsam fast 80 Prozent des Marktes. Der drittgrößte Anbieter, Sprint Nextel, läuft Sturm gegen den Deal. Sprint-Chef Daniel Hesse warnt, dass die Telefongebühren steigen, Innovationen behindert, die Angebote durch den reduzierten Wettbewerb begrenzt würden. Finanzen.net geht der Sache auf den Grund.
Die Behörden brauchen voraussichtlich ein Jahr, um den Deal zu prüfen. Ob die Kartellwächter schließlich grünes Licht geben oder die Verschmelzung untersagen, lässt sich noch nicht absehen. Es spricht jedoch viel für eine Genehmigung. AT&T ist schließlich einer der größten Spender und Lobbyisten in Washington. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Im Falle eines Zusammenschlusses würde das Duo AT&T und T-Mobil 130 Millionen Kunden auf sich vereinen. Gefolgt von Verzion mit 93 Millionen Verträgen und Sprint mit 49 Millionen Kunden.
Wenn man die Fusionswelle zu Ende denkt, könnte Sprint eines Tages in den Händen von Verizon landen. So könnten zwei große Betreiber den Markt zu 90 Prozent dominieren. Insofern besteht für Sprint Übernahmephantasie. Den Rest des Kuchens teilen sich die Wiederverkäufer. Hier tummeln sich etwa die börsennotierten Händler von Pre-Paid-Karten und Verträgen, MetroPCS Communications oder Leap Wireless. Diese Aktien sind nun ebenfalls am Steigen, weil die Wall Street auch hier mit Übernahmen rechnet. Mit rund 15,8 Milliarden Dollar ist Sprints Börsenwert überschaubar, verglichen mit T-Mobile sind sie nicht halb so viel wert. Aus diesem Grund ist es kein Wunder, dass sich der auf Value-Aktien spezialisierte Hedgefondsmanager David Einhorn mit Sprint-Aktien eingedeckt hat.

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Der Börsenwert deckt nur einen halben Jahresumsatz ab. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis beträgt moderate 1,1. Es fließen allerdings keine Dividenden. Sprint steckt nämlich tief in den roten Zahlen. Verluste muss Vorstandschef Hesse seit fast vier Jahren Quartal für Quartal melden. Im ersten Quartal 2011 war es nicht anders: 439 Millionen Dollar gingen über die Wupper. Jedoch hat sich das Minus gegenüber dem Vorjahreszeitraum halbiert und operativ schrieb der Mobilfunker den ersten Gewinn seit dem Jahr 2007. Der Umsatz kam leicht von 8,1 auf 8,3 Milliarden Dollar voran. Im ersten Quartal gelang es Nextel außerdem, unterm Strich neue Kunden zu gewinnen, was überraschend war. Vor allen Dingen war das auf günstigere Vertragspakete zurückzuführen.

Tim Schäfer, US-Aktienexperte für Euro am Sonntag, empfiehlt Sprint Nextel
Hoffnung macht der Cashflow. In den vergangenen beiden Jahren warf das Geschäft jeweils immerhin 4,8 Milliarden Dollar Bares ab. Im ersten Quartal summierte sich der operative Cashflow sogar auf 1,5 Milliarden Dollar. Es muss jedoch etwas Bahnbrechendes geschehen, um das negative Konzernergebnis ins Plus zu drehen. Darauf setzen wohl die Investoren, die auf dem niedrigen Kursniveau einsteigen. Zu den größten Anteilseignern zählen Fidelity, Bank of New York Mellon und Goldman Sachs. Der Aktienkurs befindet sich seit Dezember im Höhenflug.
Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.