06.07.2012 12:30
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Prognose- und Analysehaus IHS - Wissen ist Wachstum

IHS ist der heimliche Star der US-Börse
US-Aktien-Tipp
Der heimliche Star der US-Börse liefert Daten, Szenariorechnungen und Prognosen für Schlüsselindustrien wie Automobil-, Chemie- und Energiewirtschaft, aber auch an die Politik.
€uro am Sonntag

von C. Habrich-Böcker, Euro am Sonntag

Regierungen tun es, Verbände tun es — und mindestens 80 Prozent der Unternehmen auf der Top-500-Liste des US-Wirtschaftsmagazins „Fortune“. Wie 10.000 weitere Firmen aus aller Herren Länder stützen sie sich bei Planungen und Entscheidungen auf Daten von IHS.

IHS ist der breiten Öffentlichkeit weit weniger bekannt als die großen Marktforschungsinstitute wie Nielsen oder GfK, für die Schlüsselindustrie aber umso wichtiger. Denn der US-Konzern bereitet sowohl übergreifende als auch spezifische Informationen auf, die den Firmen als Entscheidungsgrundlage dienen.

Es begann mit Mikrofilmen
Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1959 zurück, als man erstmals einen gedruckten Katalog auf Mikrofilm aufzeichnete. Doch derart gemütliche Zeiten sind im modernen Informationszeitalter längst vorbei. Heute arbeiten weltweit rund 6000 Mitarbeiter an Prognosen und Analysen für Wirtschaft und Politik in über 200 Ländern.

„Der Fokus richtet sich dabei auf mehrere Säulen“, sagt Deutschland-Chef Johannes Lapré: „Energie und Rohstoffe, Chemie, Auto und Verkehr, Technologie, Produktion, Regierung, Verteidigung und Sicherheit. Und seit Neuestem Umwelt.“

In mehr oder weniger allen Segmenten, in denen es unterwegs ist, hat das Unternehmen mit Abstand die Führungsrolle übernommen. In der Autoindustrie beispielsweise wären Absatz- oder Produktionsplanung ohne IHS-Datenbanken und -Prognosen kaum mehr denkbar. Und dabei ist der Komplex Auto und Verkehr bei Weitem nicht der größte im IHS-Portfolio. Aber das Segment wird — neben dem Umweltthema — seit Jahren ausgebaut.

Aktie läuft wie am Schnürchen
Die Aktienperformance kann sich sehen lassen. Ob im Vergleich zum Wettbewerb oder zum marktbreiten US-Index S & P 500 — der Informations-Goliath lässt alle hinter sich. Der kontinuierliche Wertzuwachs basiert auch auf der soliden Entwicklung der Kennziffern: Der Umsatz steigt durchschnittlich pro Jahr um ein Fünftel. Zum Börsengang im Jahr 2005 erlöste der Konzern 476 Millionen US-Dollar, fürs abgelaufene Geschäftsjahr meldete das Unternehmen stolze 1,326 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn belief sich auf rund 136 Millionen.

Das stramme Wachstumstempo ist auch Folge des Übernahmehungers, der das Management antreibt. IHS schluckt Anbieter für Anbieter — und habe den nächsten Übernahmekandidaten schon im Visier, heißt es in Insiderkreisen.

Über 40 Zukäufe in fünf Jahren
In den vergangenen fünf Jahren kaufte IHS mehr als 40 Firmen zu. „Allein 2011 wurden 700 Millionen Dollar in die Expansion gesteckt“, sagte Vorstandschef Jerre Stead bei der Vorlage des Geschäftsberichts. Und das Tempo geht unvermindert weiter. So kaufte IHS zum Beispiel im März für acht Millionen BDW Automotive, einen deutschen Spezialisten für die intelligente Verarbeitung von Daten für die Automobilindustrie. Vor einigen Wochen verleibte man sich für 28 Millionen XeDar, einen Provider für Geodaten, ein. Und die Shoppingtour ist noch nicht zu Ende. Auch weiterhin will man sich durch Partnerschaften oder Übernahmen verstärken.

Da der Markt für Informationsdienstleistungen dank World Wide Web nahezu unendlich ist, gelingt es IHS, den Eindruck zu vermeiden, es würde ein Monopol aufgebaut, weshalb die Kartellbehörden den Kaufrausch bislang tolerieren. Die Begründung der IHS-Führungsriege klingt plausibel: Das Unternehmen ständig zu verstärken tue Not, sagt etwa Deutschland-Chef Lapré, der auch das Automotive-Geschäft leitet, da die Anforderungen der Kunden ex­trem steigen. „Hatten wir früher alle paar Jahre einen Schock zu verdauen, werden die Abstände seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 immer kürzer. Daraus folgt, dass wir immer schneller rechnen müssen, denn heute können in einem einzigen Quartal mehrere Ereignisse auftreten, die wesentlichen Einfluss auf unsere Prognosen haben.“

Denken in Szenarien
Auf die immer kürzeren Zyklen zwischen Boom und Baisse reagieren die Kunden und verlangen ständig aktualisiertes Material zu immer mehr Szenarien. Lapré: „Wir können alles Denkbare durchspielen. Ob es sich um die Transformation der Energiewirtschaft in eine CO2-arme Zukunft handelt oder um die Auswirkungen geopolitischer Verschiebungen.“ Oder welche Konsequenzen das Auseinanderfallen der Eurozone haben könnte. Auf diese oder ähnliche Szenarien müssen die Entscheider der global agierenden Unternehmen heute vorbereitet sein.

Damit ist IHS einer der Profiteure der vorherrschenden Unsicherheit. Und die wird noch lange anhalten, glaubt man der unternehmens­eigenen Prognose.

Investor-Info

Abgesehen von zwei krisenbedingten Korrekturen im Herbst 2008 und im Sommer 2011 läuft IHS seit dem Börsengang vor sieben Jahren stabil im Aufwärtstrend. Das liegt an den konstant hohen Wachstumsraten. Der Umsatz stieg im ersten Quartal 2012 um 17 Prozent auf 343 Millionen US-Dollar. Fürs Gesamtjahr 2012 erwartet IHS mindestens 15 Prozent Umsatzplus auf 1,525 bis 1,575 Milliarden Dollar. Falls die Prognosen für die eigene Zukunft so zuverlässig sind wie die für externe Auftraggeber, könnte die Aktie noch ein gutes Stück weiterlaufen.
ISIN: US4517341073

Bildquellen: istock/ozlemonal
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