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10.07.2012 14:00

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Raven Industries: Das Geheimnis des Überfliegers

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Raven Industries: Von Krise keine Spur
Vor 56 Jahren legte ein Tüftler aus South Dakota den Grundstein für ein Konglomerat mit außergewöhnlichem Börsenerfolg.

von Tim Schäfer, New York

An der Börse sieht man einen Ballon nach dem anderen aufsteigen — und zerplatzen. Nur wenige bleiben in Erinnerung. Zu diesen Ausnahmen zählt Raven Industries.

Der Aufstieg des eigentümlichen 1400-Mitarbeiter-Konglomerats begann in den 50er-Jahren, als vier Beschäftigte des Getreidegiganten General Mills beschlossen, Heißluftballons für Militär, Freizeit und Indus­trie herzustellen. Weil der Siegeszug der Flugzeugindustrie längst begonnen hatte, wurde das Quartett um Ed Yost, einen Eigenbrötler aus der Forschungsabteilung von General Mills, anfangs belächelt.

Die Ballonfahrt galt als vergleichsweise teuer, langsam und unkomfortabel, vielleicht gerade noch tauglich zur Überwachung von Getreidefeldern. Mehr traute man den antiquierten Fluggeräten nicht zu, zumal sich in den Gondeln nur geringes Gewicht transportieren ließ. Doch Yost verfügte über exzellente Kontakte zur Marine und wusste, dass dort trotz des anbrechenden Zeitalters der Überschalljets neue Technologien für Heißluftballons erforscht wurden.

Ein Prototyp des Tüftlers begeisterte die Verantwortlichen der Navy derart, dass sie Yost und seinen Mitstreitern einen Zuschuss von 47.000 Dollar besorgten. 1956 hatte das Quartett das Kapital beisammen, um die Vision in Sioux Fox, South Dakota, Wirklichkeit werden zu lassen. Den Firmensitz hatten sie wegen der günstigen Windverhältnisse gewählt. Start und Landung der Ballons gelangen hier nahezu senkrecht.

Affen im Weltall
Wegen nicht für möglich gehaltener Flughöhen ließen Marine und Luftwaffe ständig neue Anwendungen erforschen. Und Yost verblüffte sie ein ums andere Mal. Mäuse und Affen schickte er an den Rand der Stratosphäre und darüber hinaus — bis ins Weltall. Weil die Ballons zum Großteil aus Kunststoff bestanden, gewann Yost wertvolle Kenntnisse auf dem Gebiet der Materialforschung und lernte viel über die Elektronik, die auf den Testflügen mit­geführt wurde. Ende der 60er-Jahre entwickelte Yost spezielle Funkgeräte für die Armee. Später kamen Jacken und Skibekleidung dazu.

In den 80er- und 90er-Jahren übernahm Raven Industries reihenweise Kunststoff- und Elektronikfirmen. Daraus erwuchs ein Konglomerat, das heute Kunststoffcontainer, Fiberglastanks, Komposter, Frostschutzausrüstung, Befeuchtungs­anlagen und Sprinkler vermarktet. Dank seiner Innovationskraft trotzte der Konzern bislang jeder Rezession.

Ob elektronische Überwachung von Ackerbau und Viehzucht oder automatisierte Lösungen für Aussaat, Düngen, Spritzen und Ernte — Raven macht Farmern das tägliche Leben leichter. Zu den he­rausragenden Erfindungen zählt ­neben programmierbaren Sprüh­anlagen etwa ein Lenkungssystem namens SmartSteer, mit dem Traktorfahrer freihändig übers Feld tuckern können und dabei zentimetergenau in der Spur bleiben. Im Prinzip können Landwirte heute per Smartphone und GPS fast ihren gesamten Hof managen.

Performance wie Buffett
Auch wenn Yost bis zu seinem Tod im Jahr 2007 eher den Ruf eines kauzigen Erfinders als den eines Börsengurus genoss, mussten sich weder er selbst noch seine Nachfolger vor Warren Buffett verstecken. Eine Auswertung des Finanzdienstleisters Wilshire Associates ergab, dass Raven mit einer Rendite von 22,6 Prozent pro Jahr (inklusive Dividende) zu Amerikas Top-Ten-Aktien auf Sicht von 30 Jahren zählt.

Auch unter dem aktuellen Vorstandschef Daniel Rykhus blieb die Bilanz blitzsauber. Raven Industries hat keinerlei Finanzschulden, die ­Eigenkapitalrendite erreicht stolze 30 Prozent. Die Bewertung mit mehr als dem dreifachen Jahresumsatz lässt die Aktie zwar nicht als Schnäppchen erscheinen, aber Qualität hat eben ihren Preis. Vor allem, wenn sie dank eines großartigen Tüftlers aus heißer Luft entstand.

Investor-Info

Raven Industries
Gewinn hebt ab
Von Krise keine Spur: Im Geschäftsjahr 2011/12 (endete im Januar) stieg der Umsatz von 314 auf 381 Millionen Dollar. Der Überschuss kletterte von 40 auf 50 Millionen Dollar. Im ersten Quartal legten Erlös und Ertrag um 16 beziehungsweise 21 Prozent weiter kräftig zu – stärker als von Analysten erwartet. Die operative Marge lag im ersten Quartal bei 24,1 Prozent, die Nettoumsatzrendite bei 16,1 Prozent. Die Perspektiven könnten kaum besser sein.
WKN: 867419
Kursziel: 80,00 Euro
Stopp: 64,00 Euro

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