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13.11.2012 03:00

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Walt Disney: Die Einkehr der Jedi-Ritter

Walt Disney zu myNews hinzufügen Was ist das?


Der Kauf von Lucasfilm passt zur Strategie des Unterhaltungsgiganten Walt Disney. Er setzt auf starke Charaktere, die sich gut vermarkten lassen. Die Aktie gehört dieses Jahr zu den Top-Werten im Dow Jones.

von Andreas Pilmes, Euro am Sonntag

Zwei Millionen Dollar in bar spendet Disney für die Opfer von Hurrikan Sandy. Das ist einerseits nobel, andererseits wiederum könnte man behaupten, so viel sei das nun auch wieder nicht. Zumindest angesichts der gut vier Milliarden Dollar, die das Unternehmen just am Tag des Sturms für Lucasfilm zahlte. Aber gut, Disney tut noch mehr. Auf den hauseigenen Fernseh­kanälen und Internetseiten lässt der Konzern Spots laufen, in denen zu Spenden an das Rote Kreuz zugunsten der Hurrikanopfer aufgerufen wird.

Gestrichen wird dafür, allerdings erst ab 2015, Werbung für Fast Food, Schokoriegel oder Kartoffelchips. Angesichts der zunehmenden Fettleibigkeit von Kindern und Jugendlichen will Disney keine Sendeplätze mehr für ungesundes Essen hergeben und verzichtet freiwillig auf Werbeeinnahmen. Nicht nur Michelle Obama applaudierte. Derlei demonstrierte soziale Verantwortung ist beste Disney-Tradition.

In den 20er-Jahren begann Walt Disney ein Comic-Imperium zu errichten, das sich stets hochmoralisch präsentierte. Mitunter auch ein bisschen arg moralinsauer. Disney verzichtete konsequent auf alles, was in Amerikas konservativ-prüder Gesellschaft Anstoß hätte erregen können, und schuf stattdessen putzige, augenzwinkernde Vorbilder für die Kinderzimmer. Doch die Tage, da Disney allein der MickyMaus-Konzern war, eine pastellfarbene Welt von ebenso hosen- wie geschlechtslosen Figuren, durchsetzt mit kitschigen Prinzesschen und allenfalls mal einem „Schmatz“ als höchstem Zeichen des Zwischenmenschlichen, sind längst passé.

Heute ist das Unternehmen ein weltumspannendes Konglomerat verschiedenster Unterhaltungsformen. Der Konzern baut auf fünf Säulen auf: Senderketten, Filmstudios, Vergnügungsparks, Merchandising und Internet. Sogar eine eigene Kreuzfahrtlinie unterhält Disney. Vor allem aber hat Robert A. Iger, seit 2000 Chef des Unterhaltungsgiganten, eine klare Strategie: Er forciert den Aufbau von Charakteren mit großem Vermarktungspotenzial. Dabei besetzt Disney alle Kanäle, auf denen die Vermarktung stattfinden kann — ob Fernseher, Kinoleinwand, Handy, PC oder iPad. Für diesen Plan lässt Iger ordentlich Geld springen.

In seiner Amtszeit wurden gekauft: der Club Penguin, eine Onlinewelt für Kinder, für 700 Millionen Dollar, und für 800 Millionen der Spieleentwickler Playdom. Größere Brocken waren der Comic-Verlag Marvel mit Figuren wie Spider-Man, Hulk, X-Men oder den Fantastischen Vier für 4,2 Milliarden Dollar. 7,4 Milliarden blätterte Disney gar für Steve Jobs’ Studio Pixar hin, das mit seinen computeranimierten Filmen wie „Die Unglaublichen“, „Findet Nemo“ und „Toy Story“ dem Disney-Konzern im ureigensten Terrain das Wasser abzugraben drohte.

Der inzwischen verstorbene Apple-Gründer Jobs war durch den Deal zum größten Einzelaktionär von Disney aufgestiegen und hatte die Papiere nie verkauft. Ein Großteil des Vermögens, das er seiner Frau vererbte, besteht daher aus Disney- und nicht aus Apple-Anteilen.

Und nun also 4,1 Milliarden Dollar für George Lucas’ Filmfirma, die im Wesentlichen aus den Rechten an „Star Wars“ und „Indiana Jones“ besteht. „Lucasfilm passt perfekt zu Disneys strategischen Prioritäten“, verkündete Iger. Kaum war der Deal bekannt, wimmelte es im Web von Verballhornungen wie zum Beispiel Darth Vader mit Mäuseohren. Für 2015 ist nun der Start der nächsten Trilogie der Sternenkrieger-Saga angekündigt — kann gut sein, dass es dann Iger ist, der zuletzt lacht. Die bisherigen „Star Wars“-Filme haben 4,4 Milliarden Dollar eingespielt.

Erfolgreich an der Börse
Doch schon jetzt dürfte seine Laune nicht schlecht sein. Am Donnerstag konnte er verkünden, dass die Walt Disney Company eines der besten Geschäftsjahre ihrer Geschichte hinter sich hat. Das dritte Quartal war sogar das beste jemals. „Es war ein phänomenales Quartal“, begeisterte sich Iger, „mit Steigerungen in jedem Geschäftsbereich.“

Medienaktien zählen bekanntlich nicht zu den favorisierten Titeln der Börsianer. Was nicht zuletzt daran liegt, dass dieses Business von Kreativität lebt, die teuer und schwer planbar ist. Dennoch zählt die Disney-Aktie zu den Erfolgsstorys dieses Jahres im Dow Jones: Sie kletterte von 33 auf rund 50 US-Dollar, das Allzeithoch aus dem vergangenen Jahrtausend ist nicht mehr weit entfernt. Nur wenige Analysten empfehlen das Papier nicht zum Kauf. Was auch daran liegt, dass Disney nicht mehr so abhängig ist von seinen traditionellen Kernprodukten, die vor allem auf Kinder abzielen.

Das begann schon in den 80er-Jahren, als der Konzern das Filmstudio Touchstone Pictures gründete, um auch ein Angebot für Erwachsene zu haben. Hier entstanden Blockbuster wie „Pretty Woman“.

Die größte Sparte des Konzerns freilich ist das Fernsehgeschäft, das für beinahe die Hälfte des Umsatzes von über 42 Milliarden Dollar sorgt. Im Wesentlichen sind das der weltweit führende Sportkanal ESPN und die Senderkette ABC mit über 220 Stationen in den USA. Die ABC Entertainment Group entwickelt die Inhalte und vermarktet sie. So haben denn auch etliche Bekannte aus unseren TV-Programmen ihre Heimat im großen Reich von Micky Maus — Fernsehserien wie „Grey’s Anatomy“, „Castle“ oder „Desperate Housewifes“ oder Formate wie „Let’s Dance“, das im Original „Dancing with the Stars“ heißt.

Hierzulande drängt Disney direkt ins TV-Geschäft. Ende September übernahmen die Amerikaner den Spartenkanal Das Vierte. Schon länger beteiligt sind sie an RTL II und Super RTL, bieten zudem unter dem eigenen Label Kanäle im Pay-TV an. Wie das Geschäft mit dem frei empfangbaren Sender aussehen wird, steht freilich noch in den Sternen.

Verlustreiche Filmtitel
Natürlich ist das Disney-Reich nicht frei von Niederlagen. Im April­ nahm Filmchef Rich Ross seinen Hut. Grund war der Flop des Fantasy­streifens „John Carter“, der Disneys Antwort auf „Avatar“ hätte sein sollen und einen Verlust von 200 Millionen Dollar brachte. Schon im Vorjahr hatte „Milo und Mars“ 70 Millionen Miese gebracht. Im Gegenzug meldete das Branchenblatt „Hollywood Reporter“ gerade, dass Disneys neuester Animationsfilm „Ralph reicht’s“ zum Kinodebüt 50 Millionen einspielte. Anfang Dezember kommt er bei uns in die Kinos.

Und dann besitzt man ja noch Blockbuster wie „Fluch der Karibik“, deren Leben in immer neuen Folgen beliebig verlängert werden kann. Symptomatisch für Hollywood: Statt auf neue Stoffe zu setzen, werden erfolgreiche Themen fortgeführt. Das wird von Kritikern schon mal als Feigheit gebrandmarkt, aber es funktioniert. Speziell bei Disney. Eigentlich fehlt jetzt nur noch einer, um den Reigen dort komplett zu machen: James Bond. Der gehört noch den MGM-Studios. Aber man weiß ja: Sag niemals nie.

Investor-Info

Die Aktien
Kleiner Dämpfer
Die Zahlen, die Disney am Donnerstag nach Börsenschluss veröffentlichte, waren auf den ersten Blick enttäuschend. Der Umsatz stieg im jüngsten Quartal — etwas weniger stark als erwartet — auf 8,5 Milliarden Euro, der Gewinn lag mit 942 Millionen Euro im Rahmen der Erwartungen. Vor allem das Fernsehgeschäft und die Freizeitparks füllten die Kasse. Relativ schwach zeigte sich die Filmsparte, die einige Flops verkraften musste. Das wird sich wieder ändern, auch dank der angekündigten neuen „Star Wars“-Trilogie. Am Freitag gab die Aktie deutlich nach. Dennoch bleiben die Analysten eher positiv. Nach den Zahlen kamen neun Banken mit aktualisierten Studien heraus. Allesamt raten, die Aktie zu halten oder zu kaufen. Im Schnitt sehen sie 6,2 Prozent Kurspotenzial. Wir meinen: Die Strategie stimmt, langfristig aussichtsreich. Klarer Kauf.

WKN: 855686
Kursziel: 45,00 Euro
Stopp: 34,90 Euro

Bildquellen: Katherine Welles / Shutterstock.com

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