von Tim Schäfer, New York
Statt eines erhofften Gewinns lief für das Unternehmen aus Carle Place im Bundesstaat New York ein Verlust von fünf Millionen Dollar auf. Der Quartalsumsatz sank um vier Prozent auf 165 Millionen Dollar. Der Nasdaq-Titel stürzte am Donnerstag um 17 Prozent auf 2,00 Dollar ab. Am Freitag fiel der Kurs abermals auf 1,91 Dollar. Anfang dieser Woche setzte sich die Talfahrt fort. Mindestens ein Finanzinvestor trennt sich derzeit von seinem Aktienpaket, das hat den Kurssturz verschärft. Bei dem Online-Händler bietet sich nun eine schöne Chance. Ein Sprecher von 1-800-Flowers.com bestätigte auf Anfrage von finanzen.net, dass die Aktie durchaus auf ein sehr attraktives Niveau gefallen sei und man erwäge, von dem Aktienrückkaufprogramm Gebrauch zu machen.
Gewiss ist das Marktumfeld schwierig. Die Amerikaner halten ihr Geld zusammen und sparen besonders an Geschenken. Der Händler vermarktet über das Internet und per Katalog Schnittblumen, Gourmetlebensmittel, Spielzeug, Süßigkeiten, Cookies, Schokolade und Poppkorn. „Die Konsumenten sind durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verunsichert, insbesondere die hohe Arbeitslosigkeit und der schwache Immobilienmarkt spielen hier eine Rolle“, klagte Gründer und Vorstandschef James McCann. „Der Fortbestand dieser Probleme führte zum schwächsten Konsumentenvertrauen, das wir jemals hatten.“ Kein Wunder, dass sich die Aktie nahe eines 52-Wochen-Tiefs befindet. Gegenüber dem Rekordkurs Ende 2007 brach die Notiz um 90 Prozent ein.
Es besteht kein Zweifel daran, dass dem Vorstand der Turnaround nicht schnell gelingen wird. Im Gegenteil: Es kann vermutlich einige Monate oder gar Quartale dauern, bis die Umsätze und Margen wieder anziehen. Dennoch scheint der Kurssturz übertrieben. Auf die Börsenwaage bringt das Unternehmen beim aktuellen Kurs von 1,74 Dollar nur noch 111 Millionen Dollar. Dem steht ein Jahresumsatz von zuletzt 676 Millionen Dollar gegenüber. Gemessen daran, billigt die Wall Street dem Floristen für jeden Dollar Umsatz nur 16 Cent zu. Das ist ein Witz. Zu Spitzenzeiten gingen schon 913 Millionen Dollar durch die Bücher. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis signalisiert mit 0,89 ebenfalls eine Unterbewertung. Freilich ist für eine Kurserholung die nachhaltige Ergebniswende nötig. Wer also Geduld hat, sollte ein paar Anteile auf dem ausgebombten Niveau einsammeln und abwarten.

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Schließlich handelt es sich um ein Traditionshaus, um ein kleines Monopol. Mit AOL, Yahoo!, Google und Microsoft hat das Imperium Werbepartnerschaften geschmiedet. Haupteinnahmequelle ist der Blumenversand, der seit der Gründung 1976 betrieben wird. Damals eröffnete McCann einen Blumenladen und baute seither das Geschäft immer weiter aus. Die McCann-Familie besitzt 55 Prozent des Grundkapitals. Die Familie hat in den vergangenen Jahren stetig die Kosten gekürzt und die Verschuldung zurückgefahren. Mit 71 Millionen Dollar ist die Nettokreditlast sicherlich kein Pappenstiel, jedoch lässt sich die Höhe rechtfertigen. Aus Kostengründer beauftragte McCann IBM mit der Betreuung der Website und der IT. Im laufenden Jahr sollen weitere Kostensenkungen umgesetzt werden.
Ein Blick in der Kapitalflussrechnung zeigt: Beim operative Cashflow kommt seit Jahren immer ein schöner zweistelliger Millionenbetrag zusammen, insofern ist das Geschäft im Kern solide. Analysten sind recht optimistisch. Sie rechnen im laufenden Turnus mit einem Umsatzanstieg auf 701 Millionen Dollar und einem Gewinn je Aktie von 18 Cent. Im Folgejahr sehen die Banker Umsatz und Gewinn auf 730 Millionen beziehungsweise 35 Cent je Aktie klettern.

Tim Schäfer, US-Aktienexperte für Euro am Sonntag, empfiehlt 1-800-Flowers.com
Kommt das Geschäft wieder in Schwung, dürfte Vorstandschef James McCann die Firmengruppe weiter ausbauen. Es gibt schon seit Jahren Pläne, nach Großbritannien zu expandieren. Bislang stammen fast 100 Prozent der Einnahmen aus Nordamerika. In der Gourmetsparte könnte er sich etwa Marmeladenhersteller oder Früchtevermarkter einverleiben. Kooperationen mit Persönlichkeiten wie der TV-Unternehmerin
Martha Stewart dürfte er forcieren. Mit der Stil-Ikone Stewart hatte er den Absatz hochpreisiger Blumensträuße angekurbelt. Auch den Weinversand will er ausbauen. Sollte sich der Kursverfall fortsetzen, bestehen gute Chancen, dass der Versandhändler zudem in das Übernahmevisier eines Konkurrenten gerät.
Tim Schäfer ist Journalist und schreibt seit 1998 über Börse, Aktien und Unternehmen. Seit 2006 lebt der studierte Diplom-Betriebswirt und DVFA-Aktienanalyst in New York und berichtet von dort über die Geschehnisse an der Wall Street, unter anderem für Euro am Sonntag. Bekannt ist Schäfer für seine Berichterstattungen über kleine Nebenwerte.
Bildquellen: NASDAQ