16.01.2013 03:00
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Fords amerikanischer Traum: Die tun was für den Erfolg

US-Autohersteller
Mit neuen Modellen, drastischen Sparmaßnahmen und hohen Investitionen macht der US-Autobauer von sich reden. An der Wall Street ist die Aktie schwer gefragt.
€uro am Sonntag

von Tim Schäfer, Euro am Sonntag

Auch Ford hat seinen Golf: den F-150. Allerdings sieht der in den Vereinigten Staaten mit Abstand am häufigsten verkaufte Pkw — und das seit vielen Jahrzehnten  — etwas anders aus als der Verkaufsschlager aus Wolfsburg: 6,36 Meter lang, zwei Meter breit und über 1,90 Meter hoch. Das sind Ausmaße, die selbst ein VW-Bus nicht hat. Und das alles gibt es ab 24 000 Dollar, also zu Golf-Preisen.

Der Erfolg der F-Serie ist für Ford enorm wichtig — und sichert dem Konzern eine kernige operative Marge von zwölf Prozent. Doch neben dem Brot-und-Butter-Geschäft feiert Ford auch in anderen Bereichen Erfolge. Zuletzt stellten die Detroiter das Hybridmodell C-Max vor, von dem in den ersten vier Monaten nach Einführung gleich 13 000 Stück weggingen. In der Hybridkategorie ist das ein Rekord.

Was das Geschäft zusätzlich ankurbelt, sind die vielen Rostlauben auf den Highways. Im Schnitt haben die Fahrzeuge ein Alter von elf Jahren erreicht. Während der Rezession hatten viele Amis auf den Kauf eines neuen Wagens verzichtet. Der Nachholeffekt füllt jetzt die Auftragsbücher. Zusammen mit den erhöhten Listenpreisen ist das eine zündende Mixtur für die Wall Street. Binnen sechs Monaten schoss der Kurs um über 40 Prozent in die Höhe. Weitere Kurssteigerungen sind zu erwarten.

Mit 51 Milliarden Dollar ist der Börsenwert noch immer moderat angesichts eines Jahresumsatzes von geschätzten 131 Milliarden Dollar. Selbst unter Berücksichtigung der Verschuldung rangiert das Kurs-Umsatz-Verhältnis unterhalb von eins — die Aktie ist demnach billig.

Was Börsianer zudem erfreut, ist der Blick über den Pazifik. In China meldet Ford Monat für Monat neue Bestmarken bei den Verkäufen. Die zweistelligen Wachstumsraten beeindrucken, allein im Dezember türmte sich das Plus auf 43 Prozent. In dem asiatischen Riesenreich genießen die Amerikaner einen guten Ruf. Ford steht für hohe Qualität zu fairen Preisen.

Ein Sorgenkind bleibt Europa. Der Absatz ist auf eines der niedrigsten Niveaus seit Jahrzehnten eingebrochen, 2012 dürfte der Konzern mehr als 1,5 Milliarden Dollar Verlust gemacht haben. 2011 war es „nur“ eine Milliarde. Jetzt hat Konzernchef Alan Mulally die Geduld verloren. Im Oktober kündigte er die Schließung von drei Fabriken an. 5700 Arbeitsplätze fallen weg. Betroffen sind zwei Werke in Großbritannien und eins in Belgien. In der Bilanz werden die Schließungskosten durchaus Spuren hinterlassen. Doch mittelfristig kommt der Schnitt einem Befreiungsschlag gleich. Die Kapazitäten sind zu hoch, die Nachfrage zu gering. „Ford hat in der Branche den Weitblick und Mut bewiesen, harte Entscheidungen zu treffen, die sich langfristig auszahlen“, kommentiert Morgan-Stanley-Analyst Adam Jones die Sparmaßnahme.

Als einziger US-Autohersteller hatte Ford die Wirtschaftskrise ohne Staatshilfe überstanden. Das stärkte das Vertrauen der Konsumenten. General Motors (GM) und Chrysler mussten dagegen Insolvenz anmelden, nur Milliardenspritzen aus Washington sicherten ihr Überleben. Obgleich Mulally während des Crashs umstrukturierte, schwache Marken wie den Mercury aufgab und Volvo an ein chinesisches Konglomerat abtrat, schadete das dem Image nicht. Selbst der Verkauf der beiden Luxusmarken Jaguar und Land Rover an die indische Tata Group für 2,3 Milliarden Dollar im Jahr 2009 stieß in der Bevölkerung auf Verständnis angesichts der schwierigen Lage.

Das Wunder von Detroit
Was im Folgejahr geschah, war fast ein kleines Wunder: Ford verkaufte binnen eines Monats zum ersten Mal seit über 50 Jahren mehr Autos als GM. Mittlerweile ist General Motors zwar vor Ford zurück an der Spitze, trotzdem genießt das blaue Logo weiterhin einen guten Ruf.

Dass der Konzern derart gut durch die Krise kam, hängt mit einer Entscheidung zusammen, die ins Jahr 2006 zurückreicht, als sich Ford 23,6 Milliarden Dollar borgte. Damals brummte die Konjunktur. Manager Mulally sagte seinerzeit vo­rausschauend: „Es bietet ein Polster, um uns vor einer Rezession oder einem anderen unvorhersehbaren Ereignis zu schützen.“ Manch ein Analyst schüttelte damals nur den Kopf. Doch die hohe Liquidität half Mulally schon kurze Zeit später, ohne größere Beulen durch die schwere Krise zu steuern.

Ein weiteres Erfolgsgeheimnis ist: Mulally investiert wie besessen, egal wie schlecht die Wirtschaft läuft. Diese Strategie zieht der 67-Jährige jetzt in Europa durch. Mit neuen oder aufgefrischten Erfolgsmodellen aus den USA will er in Europa in die Produktion gehen. Sein Ziel ist es, alle Modelle rund um den Globus zu vereinheitlichen, um Kosten zu sparen.
Der Ford Focus ist mit dieser Strategie das meistverkaufte Auto der Welt geworden.

Investor-Info

Starkes Gewinnwachstum
Der Konzern ist klar auf Wachstumskurs. Im Schnitt wird erwartet, dass dieses Jahr der Umsatz um gut fünf Prozent auf über 131 Milliarden Dollar steigt, der Gewinn soll um neun Prozent auf 5,7 Milliarden zulegen. Bis 2015 wird mit einem Gewinn von 8,5 Milliarden Dollar gerechnet. Gemessen daran ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis von neun attraktiv. Analysten sehen Kurspotenzial bis maximal 11,50 Euro. Wir sind optimistischer. Gutes Langfristinvestment.
ISIN: US3453708600
Kursziel: 12,00 Euro
Stopp: 8,60 Euro

Bildquellen: Darren Brode / Shutterstock.com
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