Der wichtige US-Automarkt verliert etwas an Schwung. Vor allem die beiden Traditionskonzerne General Motors und Ford mussten im Juli Federn lassen. Die relativ hohe Arbeitslosigkeit und das schwache Verbrauchervertrauen in den Staaten drücken auf die Stimmung der Kundschaft. Das zeigt sich auch bei den Verkäufen der bisherigen Wachstums-Champions. Chrysler, Toyota und auch Volkswagen konnten zwar erneut kräftig zulegen - insgesamt schwächte sich das Wachstum aber etwas ab.
Das nicht mehr ganz so robuste Geschäft spiegelt sich auch in verhalteneren Tönen zum Jahresausblick wider. Der US-Autobauer Ford schätzt den Juli-Absatz hochgerechnet aufs Gesamtjahr nun eher auf 14,5 Millionen als auf die bisher in Aussicht gestellten 15 Millionen Fahrzeuge. Obwohl noch nicht alle Daten für den Juli vorliegen, dürfte das leicht abgekühlte Klima in den USA nichts daran ändern, dass der Markt angesichts der kriselnden Geschäfte in Europa eine wichtige Stütze der Autobauer bleibt.
Chrysler bleibt trotz geringerer Wachstumsraten auf der Überholspur. Die Nummer drei unter den US-Herstellern legte weiter kräftig zu - allerdings weniger stark als noch zuvor. Der einst insolvente US-Autobauer trumpft schon seit Monaten durch sein starkes Leasinggeschäft und neue Modelle auf. Regelmäßig liegen die Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich, auch dank der niedrigen Vorjahreswerte.
Seit der Übernahme durch Fiat hat sich zudem die Qualität der Modelle wesentlich verbessert. In den Kunden- und Händlerumfragen schließen die Fahrzeuge mittlerweile mit besseren Noten ab. Im Juli verdankt Chrysler dieser Entwicklung ein Plus der Absatzzahlen von 13 Prozent, der Hersteller kommt dabei auf rund 126.000 verkaufte Autos. Trotz des bereits mehr als zweijährigen Aufwärtstrends ist der Abstand zur US-Konkurrenz aber nach wie vor gewaltig.
Marktführer bleibt unangefochten General Motors. Trotz schrumpfender Absätze verkaufte der Traditionskonzern im Juli rund 70.000 Fahrzeuge mehr als Chrysler. Aber der Vorsprung bröckelt. Während die Fiat-Tochter Monat für Monat zulegt, nehmen die Absätze bei der Nummer Eins das erste Mal seit April wieder ab: Im Juli musste der Konzern ein Minus von 6,4 Prozent auf rund 200.000 Fahrzeuge verkraften. Grund für den Rückgang waren insbesondere geringere Verkäufe an Autovermieter. Diese brachen um rund zwei Fünftel ein.
Wachstumssieger nach absoluten Zahlen in den USA bleibt der japanische Auto-Konzern Toyota mit einem Plus von rund 30.000 Fahrzeugen. Wie bereits in den Vormonaten erobert der Traditionskonzern verlorenes Terrain zurück. Das Erdbeben und der nachfolgende Tsunami vor über einem Jahr hatten die japanische Autoproduktion wegen kaputter Fabriken und fehlender Bauteile für mehrere Monate einbrechen lassen. Die Hersteller konnten deshalb weltweit die bestellten Autos nicht liefern. Die Probleme sind inzwischen behoben, so dass die aktuell recht guten Verkaufszahlen mit einer besonders schwachen Vorjahresbasis verglichen werden.
Toyota berichtete über ein Verkaufsplus von 26 Prozent. Damit knüpfen der Traditionskonzern an die goldenen Zeiten in den USA an. Nur noch rund 2.000 Fahrzeuge fehlen den Japanern, um Konkurrent Ford vom zweiten Platz in der Absatzrangliste zu verdrängen.
Bei den deutschen Herstellern dominiert wie in den vergangenen Monaten der VW-Passat die Autoverkäufe. Das extra für den US-Markt entwickelte Modell befeuert die Geschäfte des DAX-Konzerns von Monat zu Monat. Rund ein Viertel trägt der Passat zum US-Absatz der Wolfsburger bei. Mit insgesamt gut 37.000 verkauften Autos bleibt Volkswagen aber noch ein relativ kleines Licht in den USA, trotz des beeindruckenden Zuwachses von 27,3 Prozent.
Während VW sein Wachstumstempo in Übersee stabil halten konnte, legte die Konzerntochter Audi bei der Eroberung neuer Kunden sogar noch einen drauf und steigerte ihren Absatz um 28 Prozent. Der wachstumsverwöhnte Sportwagen Porsche konnte da nicht mithalten. Das neue Mitglied im VW-Bund hielt seine Verkäufe in den USA lediglich stabil. Und auch BMW schaffte nur durch ein sattes Plus der Konzernmarke Mini einen leichten Zuwachs um vier Prozent. Die Münchner kämpfen in den USA mit Modellwechseln und setzen darauf, im zweiten Halbjahr wieder eine größere Anzahl Fahrzeuge an die Kunden zu bringen.
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August 01, 2012 15:16 ET (19:16 GMT)
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