aktualisiert: 29.10.2012 21:28
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Microsoft: Warum die Aktie für Überraschungen gut ist

US-Berichtssaison: Microsoft: Warum die Aktie für Überraschungen gut ist | Nachricht | finanzen.net
Microsoft: Der Softwareriese droht auf wichtigen Märkten den Anschluss zu verlieren
US-Berichtssaison
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Der Softwareriese droht auf wichtigen Märkten den Anschluss zu verlieren. Mit einem neuen Betriebssystem und ­eigener Hardware will der US-Konzern die Wende schaffen.
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von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag

Steve Ballmer gibt gern den Chef-Einpeitscher. Doch was der Microsoft-Boss am Donnerstag in New York zum weltweiten Start des neuen Betriebssystems Windows 8 ankündigte, war selbst für den bulligen Microsoft-Vorturner dick aufgetragen. „Windows 8“, versprach Ballmer, „wird das Bild von PCs für immer verändern.“

Tatsächlich lässt der Softwareriese aus Redmond bei seinem neuen Betriebssystem kaum noch einen Stein auf dem anderen. „Windows 8 ist eine der größten technologischen Veränderungen, die Microsoft in der Geschichte seiner Betriebssysteme je vorgenommen hat“, urteilt etwa Gartner-Analyst Michael Silver in einer aktuellen Studie.

Radikaler Neuanfang
Zum ersten Mal hat Microsoft sein Betriebssystem konsequent auf die Bedienung über berührungsempfindliche Bildschirme getrimmt und dabei gleich noch die Jahrzehnte alte Symbiose mit Intel gelockert. Windows läuft jetzt nicht nur auf Prozessoren des US-Weltmarktführers, sondern auch auf Chips des britischen Chipdesigners ARM. Außerdem schickt Ballmer ein eigenes Tablet an den Start. Mit dem Gerät namens ­Surface kommt der Konzern erstmals in seiner Geschichte seinen eigenen Hardwarepartnern in die Quere. In der Branche gilt dies als beispielloser Affront.

Aber für Microsoft steht viel auf dem Spiel. Im boomenden Smartphone-Markt bekommt der Konzern bislang kein Bein auf den Boden. Während Apple mit seinem iPhone eine Ikone des 21. Jahrhunderts geschaffen hat und Google mit seinem kostenlosen Betriebssystem Android inzwischen nahezu zwei Drittel des Markts dominiert, krebst der größte Softwarekonzern der Welt mit seinem Betriebssystem Windows Phone bei drei Prozent herum.

Bei den beliebten Tabletcomputern sieht es noch düsterer aus: Hier findet Microsoft praktisch überhaupt nicht statt. Dabei ist das Potenzial riesig. Allein zwischen 2010 und 2015 dürfte der Absatz der funky Rechenflundern weltweit von rund 18 Millionen auf 326 Millionen Geräte steigen. Das prognostiziert das US-Marktforschungsunternehmen Gartner. Um den Anschluss nicht zu verpassen, bläst Microsoft nun zur Aufholjagd. Allein für die Markteinführung von Windows 8 will Ballmer 1,5 Milliarden Euro springen lassen.

Doch Branchenexperten sehen die Aussichten für den Konzern eher skeptisch. Zwar wird Windows 8 ab sofort auf praktisch allen PCs vorinstalliert sein und so den Weg zum Privatanwender finden. Doch die Unternehmenskunden dürften das Betriebssystem zunächst wohl weitgehend sausen lassen, glaubt Rüdiger Spies vom Marktforscher IDC. „Ich sehe für Unternehmen keinen zwingenden Grund zu wechseln“, so Spies.

Für Microsoft wäre das allerdings keine Katastrophe. Rund 40 Prozent des Umsatzes stammen aus mehrjährigen Lizenzverträgen mit Großkunden, bei denen es egal ist, welche Windows-Version zum Einsatz kommt. Die größten Chancen sieht Microsoft ohnehin im Mobilgeschäft: „Das Wachstum liegt im Consumerbereich, bei Tablets und Smartphones“, sagt der seit wenigen Wochen amtierende Deutschland-Chef Christian Illek. Dort müsse Microsoft „einen Fußabdruck hinterlassen und wird es auch“.

Doch das wird wohl dauern. Der Preis für das Surface sei „ambitioniert“, findet Spies. Auch das Argument, wonach ­Tablets mit Windows 8 für die IT-Abteilungen von Unternehmen leichter zu verwalten seien, lässt Spies nicht gelten. „Viele Firmen haben sich damit abgefunden, dass sie Geräte mit verschiedenen Betriebssystemen verwalten müssen, egal ob iPhone, iPad, Blackberry oder PC.“ Für Microsoft könnte es also ein steiniger Weg werden. Dort gibt man sich ohnehin keinen Illusionen hin. „Den Erfolg von Windows 8 und Windows Phone 8 wird man nicht in zwei Quartalen sehen“, sagt Deutschland-Chef Illek. „Das ist ein langer Weg.“

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