von W. Ehrensberger
K. Schachinger und K. Szola, Euro am Sonntag
Erstmals seit drei Jahren werden die Unternehmensgewinne im US-Index S & P 500 im dritten Quartal wieder sinken. Nach Daten des Finanzinformationsdiensts Thomson Reuters liegen sie durchschnittlich um 2,3 Prozent unter den Vorjahreswerten. Gleichzeitig notiert der Index der größten US-Konzerne in der Nähe eines Fünfjahreshochs.
22 der S & P-500-Konzerne haben ihre Bilanzen für das dritte Quartal bereits präsentiert. Davon waren 55 Prozent besser als erwartet. Die Quote liegt klar unter den 67 Prozent des Vorjahres und dem langfristigen Durchschnitt bei 63 Prozent. Die Erwartungen der Analysten sind niedrig: „Wenn man sich die Gewinnerwartungen im Jahresverlauf ansieht, so wurden sie seit dem ersten Quartal kontinuierlich gesenkt“, sagt M.M. Warburg-Analyst Matthias Thiel.
Gewinnrevisionen gestoppt
Seit ein paar Wochen hätten sich die Gewinnerwartungen jedoch stabilisiert. „Es gab keine weiteren Revisionen nach unten“, sagt Aktienstratege Thiel. Offiziell eröffnet wird die Berichtssaison am Dienstag mit der Bilanz des Aluminiumriesen Alcoa. Ausgerechnet im S & P-Segment Grundstoffe, dem Alcoa angehört, wird ein durchschnittlicher Gewinnrückgang um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet (siehe Tabelle unten). Dazu passt die Einschätzung von Alcoa-Boss Klaus Kleinfeld. Er registriert abgeschwächte Dynamik der Weltwirtschaft, wovon Alcoa besonders belastet werde.
Sonderrisiko „Fiscal Cliff“
Zu einer besonders schweren Belastung für die US-Wirtschaft, warnt Kleinfeld, könne die sogenannte „Fiscal Cliff“ werden. Gemeint ist damit auch das Auslaufen erheblicher Steuervergünstigungen zum Jahresende. Zusammen mit Staatsausgabenkürzungen könne das zu einem deutlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) führen. In Europa erwartet Kleinfeld für 2013 eine Rezession, in China deutlich langsameres Wachstum. Wegen des schwächeren Wirtschaftswachstums in Schwellenländern hatte bereits der weltgrößte Halbleiterkonzern Intel seine Umsatzprognose für das laufende Quartal nach unten korrigiert. Vor Kurzem warnte auch der angeschlagene Intel-Kunde Hewlett-Packard.
Dennoch sollte der Technologiesektor mit 2,3 Prozent Gewinnwachstum zu den Lichtblicken während der Berichtssaison gehören. Wie stark sich die Perspektiven des Techsektors in den Schwellenländern tatsächlich eingetrübt haben, wird die Bilanz des IT-Riesen IBM am 16. Oktober zeigen. Der US-Konzern macht einen erheblichen Teil seines Umsatzes und Gewinns in diesen Regionen und muss Konkurrenten wie HP derzeit kaum fürchten. Aufgrund der niedrigen Erwartung könnte eine Serie von Gewinnmitnahmen im Index auch bei wenigen positiven Überraschungen ausbleiben.
Aus charttechnischer Sicht ist der Aufwärtstrend des S & P 500 seit Juni intakt. Dem Jahreshoch bei 1.474 Punkten im September schloss sich eine seitwärts gerichtete Verschnaufpause an, die am Donnerstag mit dem Ausbruch nach oben aus der bis dato gebildeten Konsolidierung beendet sein dürfte. Somit sollte der US-Index tendenziell weiter zulegen, wenngleich in den nächsten Wochen mit erhöhter Volatilität zu rechnen ist. Das Rückschlagpotenzial sollte überschaubar bleiben, da im Bereich bei 1.440 und 1.400 Zählern ausgeprägte Unterstützungszonen zu finden sind.
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