von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag
Nach dem eher schwachen Start der Berichtssaison in den USA wächst an der Wall Street die Befürchtung, dass die flaue Konjunktur auf die Gewinne der US-Konzerne durchschlagen könnte. Nach einer Umfrage der US-Bank Citigroup gehen die meisten US-Fondsmanager zwar nicht davon aus, dass die US-Wirtschaft im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im November in eine Rezession rutscht. Doch die Gewinnschätzungen im S & P 500 seien immer noch zu hoch, meint die Hälfte der befragten institutionellen Anleger. Angesichts der Skepsis steigt die Cashquote in vielen Depots von Profi-Investoren.
Dennoch bleibt der US-Aktienmarkt ihre bevorzugte Region. Tobias Levkovich, Citigroup-Chefanlagestratege für den US-Aktienmarkt, erwartet für das zweite Quartal im S & P 500 ein durchschnittliches Gewinnwachstum von 6,5 Prozent. Damit ist er optimistischer als viele Analysten. Sie prognostizieren im Schnitt ein Plus von 5,3 Prozent.
Beim vom Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld geführten US-Aluminiumkonzern Alcoa reichte der Quartalsverlust, der geringer als erwartet ausfiel, am Montag nicht aus, um Optimismus zu verbreiten. Weil die Quartalssaison traditionell mit der Alcoa-Bilanz startet, gilt die Reaktion der Anleger auf die Zahlen des Konzerns als Stimmungsbarometer.
Das größte Enttäuschungspotenzial dürften nach Einschätzung von Analysten der Sektor Grundstoffe sowie die Öl- und Gasunternehmen haben. Dort könnten die Gewinne jeweils über zehn Prozent abschmelzen. Favoriten bleiben dagegen die Technologieaktien. Nach Daten des Datendienstleisters Thomson Reuters könnten die Gewinne von Intel, IBM und Co. im zweiten Quartal im Schnitt um 7,5 Prozent besonders kräftig steigen.
Die Zahlen der Tech-Schwergewichte Intel (Dienstag), IBM und Ebay (Mittwoch) sowie Microsoft (Donnerstag) könnten damit auch die Stimmung an der Wall Street etwas aufhellen. Während Analysten bei Intel und IBM in ihren Schätzungen zuletzt vorsichtiger geworden waren, haben sie ihre Prognosen bei Ebay in den vergangenen drei Monaten erhöht.
Ebay hatte kürzlich vor allem von den boomenden Geschäften bei seinem Online-Bezahldienst Paypal profitiert. Er dürfte auch im jüngsten Quartal zu den wichtigsten Gewinntreibern gehört haben.