17.01.2013 13:07
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US-Telekomriese AT&T erwägt Einkaufstour in Europa - Kreise

   Der US-Telekommunikationskonzern AT&T lenkt sein Augenmerk offenbar nach Europa. Das Unternehmen sucht nach Angaben informierter Personen ausgerechnet auf dem derzeit krisengeschüttelten Kontinent nach Wachstumsmöglichkeiten. Zur Debatte stehe die Übernahme eines größeren europäischen Pendants. Das Kalkül von AT&T: In einen noch nicht gesättigten Mobilfunkmarkt einsteigen, die Technologie modernisieren und eine lukrative Preisstrategie am Markt durchsetzen.

   Das Unternehmen analysiere derzeit mögliche Übernahmeziele, sagten die Personen weiter. Ein Deal könne sich durchaus vor Ablauf des Jahres ergeben. Eine solche Übernahme würde aber erhebliche Risiken für den Konzern aus Dallas bergen. Für Telekommunikationskonzerne fällt die Bilanz mit internationalen Strategien nämlich bestenfalls durchwachsen aus.

   Ein wichtiges Übernahmemotiv würde für AT&T bei einer europäischen Akquisition ebenfalls entfallen: Tiefe Kosteneinschnitte ließen sich nicht erreichen, da sich die Netze beider beteiligter Unternehmen kaum überschneiden würden.

   AT&T würde auch in einen Markt drängen, der deutlich wettbewerbsintensiver ist als in den USA. Gleichzeitig bekäme es der Konzern mit einer ganzen Reihe neuer Aufseher zu tun. Die AT&T-Vorstandsetage debattiert, ob ein solcher Schritt in einen Auslandsmarkt überhaupt sinnvoll ist. Einige der Direktoren wittern dabei die einmalige Chance, einen Telekommunikationsbetreiber in Großbritannien, Deutschland oder den Niederlanden zu kaufen.

   Die Absichten von AT&T kommen knapp zwei Jahre, nachdem Unternehmenschef Randall Stephenson seinen 39 Milliarden US-Dollar schweren Übernahmeplan für T-Mobile USA publik machte. US-Wettbewerbshüter machten dem Konzern aber einen Strich durch die Rechnung und verhinderten eine weitere Expansion auf dem Heimatmarkt.

   AT&T wägt derzeit die Chancen eines Einstiegs auf einem der großen westeuropäischen Märkte gegen das Risiko ab, in der Heimat an Durchschlagskraft zu verlieren. Hier droht härterer Wettbewerb durch die japanische Softbank, sobald deren Übernahme von Sprint Nextel abgeschlossen ist. Im Laufe dieses Jahres dürfte diese Transaktion in trockenen Tüchern sein.

   Es ließ sich nicht herausfinden, ob AT&T derzeit mit europäischen Konkurrenten verhandelt oder welche der US-Konzern ins Visier genommen hat. Immerhin wird gemunkelt: Die größte niederländische Telekommunikationsfirma Royal KPN und Everything Everywhere, einer der größten britischen Mobilfunkanbieter, befänden sich auf dem Radar von AT&T.

   Der lateinamerikanische Telekomriese America Movil hält bereits 28 Prozent an KPN. An America Movil wiederum besitzt AT&T einen kleinen Anteil. Haupteigner Carlos Slim ist ein enger Freund von Stephenson. KPN wollte seine belgischen und deutschen Mobilfunktöchter im vergangenen Jahr verkaufen. Die Pläne wurden später verworfen. Everything Everywhere ist in gemeinsamem Besitz von Deutsche Telekom und France Telecom.

   AT&T erwägt einen transatlantischen Kauf seit mehr als einem Jahrzehnt. Momentan erscheinen die Umstände vielen bei AT&T aber als besonders günstig. Anleger haben sich angesichts der Wirtschaftsflaute und des harten Wettbewerbs in großem Stil von europäischen Telekomtiteln getrennt. Damit sind die Unternehmen derzeit billig zu erwerben. Die europäischen Konkurrenten tun sich auch relativ schwer damit, hochmoderne 4G-Mobilfunknetze aufzubauen und lukrative Preismodelle durchzusetzen.

   Noch verlassen sich die europäischen Carrier insbesondere auf Gebühren je Anruf und Textbotschaft. Ihre US-Pendants haben radikal auf neue Pläne umgestellt und kassieren bei ihren Kunden je nach genutzter Datenmenge.

   AT&Terzielte in den ersten neun Monaten 2012 einen Gewinn von elf Milliarden Dollar. Der Konzern schaffte es, von seinen Smartphone-Kunden höhere Preise für mobile Datenübertragung zu verlangen. Der Vorgänger SBC Communications hielt bereits vor einer Dekade kleinere Anteile an europäischen Mobilfunkbetreibern, darunter in Dänemark, Belgien und Frankreich. Aber ab 2004 trennte sich der Konzern von diesen Beteiligungen.

   In den vergangenen fünf Jahren schaute sich AT&T nach Möglichkeiten in Indien um und bemühte sich erfolglos um eine Beteiligung an der Telecom Italia, sagen mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die geplatzten Pläne kümmerten den Konzern nicht weiter: In den USA lockten durch den beginnenden Boom bei Smartphones enorme Wachstumsmöglichkeiten.

   AT&T hat zusammen mit Verizon Wireless den US-Markt fest im Griff. Beide Konzerne teilen sich das lukrative Geschäft mit Vertragskunden mehr oder weniger untereinander auf. In Europa käme auf die Amerikaner ein heftiger Wettbewerb zu und eine Schuldenkrise, die den Kontinent auch weiterhin erschüttern wird.

   Jetzt, wo die meisten US-Kunden bereits ein Smartphone verwenden, schwinden aber dort die Möglichkeiten, Handynutzer für teurere Tarife zu gewinnen. Bei einer Anlegerkonferenz im Juni hielt sich Stephenson mit Kommentaren über eine Expansion ins Ausland zurück. "Wir prüfen das", sagte er vorsichtig und fügte an: "Es hat derzeit keine hohe Priorität für mich, Optionen außerhalb der USA zu finden."

   Ende des Jahres hatte sich sein Zungenschlag geändert. Reporter fragten ihn, ob AT&T Unternehmen im Ausland übernehmen wolle. "Ich denke, das ist unausweichlich", sagte der CEO diesmal.

   Kontakt zu den Autoren: unternehmen.de@dowjones.com

   DJG/DJN/axw/cbr

   Sam Schechner hat zu diesem Artikel beigetragen.

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   January 17, 2013 06:37 ET (11:37 GMT)

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